Norderstedt
Henstedt-Ulzburg/Kiel

Gerichtsprozess: Enttäuschung und Neid als Tatmotiv

Das Kieler Landgericht erhöhte in einem Berufungsprozess das Urteil des Amtsgerichts Norderstedt gegen einen 48-jährigen Frührentner (Symbolfoto).

Das Kieler Landgericht erhöhte in einem Berufungsprozess das Urteil des Amtsgerichts Norderstedt gegen einen 48-jährigen Frührentner (Symbolfoto).

Foto: Silas Stein / dpa

Vater und Sohn aus Henstedt-Ulzburg stehlen Tresor mit 60.000 Euro und Rolex-Uhr. Täter und Opfer waren befreundet. Details zum Fall.

Henstedt-Ulzburg/Kiel..  Ein 120 Kilo schwerer Tresor mit 60.000 Euro Bargeld, Schmuck und einer goldenen Rolex-Armbanduhr verschwand aus dem Haus einer Unternehmerfamilie in Henstedt-Ulzburg, während die Bewohner Urlaub in Kroatien machten. Ungewöhnlich an dem Einbruchsdiebstahl: Täter und Opfer waren befreundet. Am Montag erhöhte das Kieler Landgericht in einem Berufungsprozess das Urteil des Amtsgerichts Norderstedt gegen einen 48-jährigen Frührentner, der den Einbruch gemeinsam mit seinem Sohn begangen haben soll, um vier Monate. Der Vater, der Rechtsmittel gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt hatte, wurde in der zweiten Runde zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Für die Täterschaft des Duos sprach, dass sich die Einbrecher bestens auskannten: Kaum jemand wusste, dass sich der verschlossene Tresorraum auch mit einem bestimmten Toilettenschlüssel öffnen ließ. Den Schlüssel zum Tatmotiv liefert die Geschichte vom Scheitern einer Freundschaft zwischen ungleichen Schulfreunden.

Sohn soll den Einbruch geplant haben

Der Sohn des verschuldeten Angeklagten war bis zur Tat im Sommer 2016 eng mit dem gleichaltrigen Spross der Unternehmerfamilie befreundet. Diese nahm den mittellosen Jungen öfters mit zum Segeln und in den Urlaub. Doch zuletzt wurde der 19-Jährige kurzfristig wieder ausgeladen: Der Sohn aus gutem Hause wollte lieber seine neue Freundin mit in den Urlaub nehmen.

Aus „Sozialneid“ und Enttäuschung über die Zurücksetzung soll der Sohn den Einbruch geplant haben – gemeinsam mit seinem Vater, der seit einem Arbeitsunfall berufsunfähig. Der zur Tatzeit 19-jährige Sohn muss sich noch in einem gesonderten Verfahren vor dem Jugendgericht verantworten. Sein Vater bestritt gestern erneut die Teilnahme am Einbruch. Obwohl er die gestohlene Rolex nachweislich bei einem Hamburger Juwelier versetzte – für 3450 Euro. Und obwohl in seiner Familie nach der Tat plötzlich der Wohlstand ausbrach: Der Senior bekam einen neuen Pkw, der Sohn ein Quad und die Mutter einen Luxus-Staubsauger für 1150 Euro. Man habe Kredite aufgenommen und seine für teure Zahnimplantate zurückgelegten Ersparnisse ausgegeben, begründet der Frührentner die hohen Ausgaben. Er habe sich mit der billigen Kassenversion begnügt. Die Rolex-Uhr will er auf der Straße in einer Plastiktüte gefunden haben – zusammen mit der Musikanlage, die von der Polizei bei der Durchsuchung seiner Wohnung sichergestellt wurde.

Vater muss 60.000 Euro zurückerstatten

Nach Überzeugung des Gerichts brachen Vater und Sohn durch ein aufgebrochenes Kellerfenster ein, das belegten die Fußspuren. An ihrem neuen Luxus dürften die beiden wenig Freude haben. Laut Urteil muss der Vater die 60.000 Euro zurückerstatten. Nur die Rolex ist bereits wieder an Ort und Stelle: Die Bestohlenen suchten das markante Exemplar im Internet und entdeckten es prompt samt Zertifikat in einer Kleinanzeige.