Norderstedt
Freizeit

Wo Norderstedter ab sofort die Wand hochgehen

Die offizielle Eröffnung des Boulderwerks in Norderstedt von Urban Apes

Die offizielle Eröffnung des Boulderwerks in Norderstedt von Urban Apes

Foto: Annabell Behrmann

Norderstedter Boulderwerk hat am Sonnabend offiziell eröffnet. Das Kletterparadies in einer Gewerbehalle am Gutenbergring hat schon viele Fans.

Norderstedt..  Licht strömt durch die großen Fenster in das neu eröffnete Boulderwerk in Norderstedt. Die Räume sind hell, die Atmosphäre freundlich. Selbst beim Urban-Apes-Wettkampf um eine Mitgliedschaft im Wert von 650 Euro kennen die Kletterer keine Konkurrenz. „Du schaffst das!“, brüllen sie, während Berit Köhler sich an der steilen Wand hochzieht. Als die 33-Jährige den höchsten Punkt erreicht, jubeln ihre Zuschauer und klatschen sie nach der Landung auf dem Boden ab. „Bouldern macht süchtig“, sagt Köhler. Vor sechs Jahren hat sie angefangen – und konnte nicht mehr aufhören. Dreimal in der Woche besucht sie eine Boulderhalle. Am Sonnabend kletterte sie bei der offiziellen Eröffnung des Boulderwerks zum ersten Mal in Norderstedt.

In dem runden Gewerbegebäude am Gutenbergring, wo einst Flugzeugteile gefertigt wurden, ist ein 1100 Quadratmeter großes Boulderparadies entstanden. Drei kletterverrückte Jungs, die sich Urban Apes nennen, möchten ihren Lieblingssport mit der Stadt teilen. „Beim Bouldern kann man den Alltag komplett ausblenden“, sagt Geschäftsführer Nick Mammel (34).

Der gebürtige Stuttgarter hat seine Liebe zum Klettern vor 14 Jahren entdeckt. „Meine damalige Freundin hat 90 Prozent ihrer Lebenszeit in einer Kletterhalle verbracht. Wenn ich sie sehen wollte, musste ich auch dorthin.“ Vor sieben Jahren hat er dann gemeinsam mit Lars Großkurth und Malte Weber die erste Boulderhalle in Lübeck eröffnet, vor eineinhalb Jahren folgte eine weitere in Hamburg-Wandsbek. Und jetzt also Norderstedt. „Das war der nächste logische Schritt. Im Norden von Hamburg gab es noch keine Halle“, sagt Mammel. Er glaubt, dass die Stadt von der neuen Attraktion profitieren wird. Seit Mitte Juni sind die Türen geöffnet, bisher läuft der Betrieb „hervorragend“. Am Sonnabend kamen bei freiem Eintritt reichlich Besucher zum Schnuppern vorbei.

In den vergangenen Jahren hat sich Bouldern vom Nischen- zum Trendsport entwickelt. „Es passt gut in die heutige Zeit und ist eine Mischung aus Spiel und Sport“, meint Mammel. Beim Bouldern in der Halle klettert man ohne Sicherung eine maximal 4,50 Meter hohe Wand hoch. An den beschichteten Holzplatten, die sich wie die Oberfläche von Skateboards anfühlen, sind Griff- und Trittelemente in verschiedenen Formen, Größen und Farben angeschraubt. Je weiter die Boulder auseinander liegen, desto schwieriger ist es. Falls ein Kletterer fällt, landet er auf einer 30 Zentimeter dicken Schaumstoffmatte.

Im Boulderwerk gibt es einen abgetrennten Kinderbereich

Das Boulderwerk hat im Herzen des Gebäudes einen großen Bereich für Kinder eingerichtet. Er ist durch Glastüren abgetrennt. Hinter den Wänden befindet sich ein Kriechtunnel, eine Rutsche sowie eine Feuerwehrstange. Die Fläche ist ebenfalls für Anfänger geeignet. Und auch Kindergeburtstage können hier gefeiert werden. „Es ist ein tolles Erlebnis für die ganze Familie. Bouldern beansprucht sowohl den Körper als auch den Kopf. In der Halle kann man sich locker den ganzen Tag aufhalten“, sagt Katharina Kleinke aus Langenhorn, die gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian und den beiden Kindern Mathilda (5) und Jonas (13) in der Freizeit bouldert.

Mathilda hat bereits einen Ferienkursus mit ihrem großen Bruder absolviert – eine Woche lang haben sie jeden Tag für eineinhalb Stunden trainiert. „Wir sind froh, dass es diese Halle hier gibt“, sagt Vater Sebastian Kleinke.

Wer zwischendurch eine Pause braucht, kann sich in der Gastronomie bei Brause oder Craft Beer erholen. Rund zwei Drittel der Gesamtfläche, das sind rund 680 Quadratmeter, bestehen aus Kletterwänden. Jeder Quadratmeter kostet zwischen 220 und 250 Euro. Die Geschäftsführer haben einen hohen sechsstelligen Betrag in das Boulderwerk investiert. „Wir erhoffen uns, dass ab Herbst noch mehr Gäste kommen“, sagt Nick Mammel. Im kommenden Jahr wird Bouldern erstmals in der Geschichte olympisch – die Spiele in Tokio könnten einen weiteren Aufschwung für die Szene bedeuten.

Jede Woche werden die Elemente umgeschraubt

Mammel selbst schafft es als Chef dreier Boulderhallen nur noch selten an die Kletterwand. Einmal in der Woche bouldert er – und testet dabei gleichzeitig die Qualität der Anlage. „Wir schrauben die Elemente jede Woche in allen drei Hallen um. Für die regelmäßigen Nutzer wird es nie langweilig“, sagt der Familienvater zweier Kinder. Innerhalb von sechs Wochen verändert sich die komplette Halle: Die Boulder werden neu angeordnet. Und das Erlebnis bleibt so für die Kletterer abwechslungsreich.

Boulderwerk Norderstedt, Gutenbergring 14-16, Norderstedt. Öffnungszeiten: Mo–Do 15.00–23.00, Fr–So und an Feiertagen (ausgenommen 24.–26.12. und 1.1.) 10.00–22.00. Ticketpreise: Eine Tageskarte für einen Erwachsenen kostet 12,50 Euro, für Kinder von 6 bis 18 Jahren sowie Studenten, Auszubildende und Meridian-Spa-Mitglieder 9,50 Euro. Mehr Infos gibt es unter www.urbanapes.de/norderstedt.