Norderstedt
Sommer-Serie

Gut Wulfshagen – Torte naschen nach Gutsherrenart

Moritz Graf zu Reventlow und sein Lebensgefährte Dawid Turecki mit Familienhund Jeff vor dem herrschaftlichen Gut Wulfshagen

Moritz Graf zu Reventlow und sein Lebensgefährte Dawid Turecki mit Familienhund Jeff vor dem herrschaftlichen Gut Wulfshagen

Foto: Bianca Bödeker / Bödeker

Sie verbringen den Sommer zu Hause? Dann besuchen Sie eines der Schlösser in Norddeutschland – zum Beispiel im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Wulfshagen..  Ganz in der Nähe haben sie sich vor Jahren kennengelernt. So nutzen sie die regelmäßige Reise in die Vergangenheit gern auch für einen Einkehrschwung im „Café Alte Schule“ auf Gut Wulfshagen in Tüttendorf. Heute genießen Christel und Uwe-Jens Rieper aus Flintbek ein hausgemachtes Stück Mango-Joghurt Torte samt frisch gebrühtem Kaffee, charmant serviert von Servicemitarbeiterin Kaya.

Kaya und Christel Rieper kennen sich aus früheren Zeiten, als die heute 72-Jährige die 44 Jahre jüngere Kaya mit dem blonden Zopf noch im Sportverein unterrichtete. Apropos: Gelehrt wurde genau hier übrigens auch mal. Das Café war früher eine Schule für die Kinder der Gutsmitarbeiter, 1859 erbaut vom ehemaligen Eigentümer Karl von Qualen.

Draußen im Cafégarten plaudern Gutsbesitzer Moritz Graf zu Reventlow (49) und Dawid Turecki (38) mit ihren Gästen. Immer dabei: Familienhund Jeff, ein blauer Weimaraner. Familiär geht’s zu auf Gut Wulfshagen. Hier zwischen den Förden, zehn Kilometer von Kiel im Dänischen Wohld gelegen, ist Graf Reventlow aufgewachsen. „Das war herrlich. Wir sind Trecker gefahren, haben im Teich gebadet, Frösche gefangen und das Landleben genossen.“

600 Hektar Land, Wald, Wiesen und Äcker gehören zum Gut. Angebaut werden Weizen, Gerste, Raps und Mais. Herzstück ist das Herrenhaus, 1699 von Freiherr Andreas Pauli von Liliencron im Stil des niederländischen Barock erbaut. 1787 erwarb es die Familie von Qualen, vererbte es später an Ludwig Graf zu Reventlow.

2007 übernahm Moritz Graf zu Reventlow die Anlage von seinem Vater Friedrich. Der jetzige Eigentümer gewährt der Besucherin ausnahmsweise einen Blick in den 400 Quadratmeter großen Ess- und Wohnbereich des Haupthauses, mit antiken Möbeln, Teppichen und Bildnissen der Vorfahren. Gäste sind hier regelmäßig willkommen. Zu ihnen zählte mehrfach auch der Komponist, Dirigent und Pianist Leonard Bernstein. Immer wenn er im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival dirigierte, hat Bernstein als Gast der Familie zu Reventlow im Obergeschoss des Herrenhauses gelegenen „Liliencron-Zimmer“ übernachtet. Noch heute erinnert eine Büste im Park an den 1990 verstorbenen US-Amerikaner.

Auch in diesem Jahr wird Gut Wulfshagen wieder eine der Spielstätten des Schleswig-Holstein Musik Festival sein. Am 16. August um 20 Uhr steht die 400 Jahre alte Scheune im Zeichen des „Baroque Blues“. So nennen Eckart Runge und Jacques Ammon ihr Programm mit Barockmusik von Bach, Händel und anderen. Umrahmt von Gypsy Jazz, Latin Jazz, Walzer, Burleske und Tango, so ist im Veranstaltungsplan zu lesen, beginnen die barocken Stücke dann zu grooven.

Vom Grooven zum Gruseln: Viele Furchtlose besuchen in diesen Wochen das Gut. Denn bis September heißt es wieder: willkommen im Horror-Maislabyrinth und auf zum Gruseltripp durch das rund 80.000 Quadratmeter große Gelände gegenüber des Gutshofes. Die Besucher verfolgen eine von rund 50 Schauspielern inszenierte Horror-Geschichte und müssen dabei in rund eineinhalb Stunden ein Rätsel lösen (Karten unter www.horrormaislabyrinth.com).

Weitaus gelöster geht es am 24. und 25. August zu, wenn es auf Gut Wulfshagen wieder heißt: „Willkommen zum „Wohlder Markt“. Hier verkaufen mehr als 100 Aussteller ausschließlich handgemachtes Kunsthandwerk aus der Region für die Region. Ein echtes Sommerevent – mit Feuerschlucker, Livemusik und kulinarischen Genüssen.

Zum Abschluss zurück ins Café Alte Schule auf ein Stück Mango-Joghurt-Torte, hergestellt auf Gut Wulfshagen. Jedes Rezept probieren Moritz Graf zu Reventlow und Dawid Turecki selber, verändern und verfeinern es dann. Oberstes Prinzip: Nicht zu süß darf es sein, mit guten Früchten aus der Region.

Gut Wulfshagen, Wulfshagen 17, 24214 Tüttendorf, Tel.: 04346/ 36 98 90, Infos unter: www.cafe-alte-schule.com.