Sommerausflug

33 Grad! Auf der Trave lässt es sich aushalten

Auf der Trave lässt es sich auch bei 33 Grad Celsius aushalten. Das Abendblatt testete die Kanutour von Herrenmühle bis Bad Oldesloe. Paulina Becker genießt die idyllische Landschaft.

Auf der Trave lässt es sich auch bei 33 Grad Celsius aushalten. Das Abendblatt testete die Kanutour von Herrenmühle bis Bad Oldesloe. Paulina Becker genießt die idyllische Landschaft.

Foto: Janina Dietrich / HA

Von Herrenmühle bis Bad Oldesloe schlängelt sich der Fluss durch Wiesen und Wälder. Das Abendblatt hat die 16-Kilometer-Tour getestet.

Bad Oldesloe. 33 Grad Celsius zeigt das Thermometer an, als wir aus dem Auto steigen. Was gibt es da Besseres, als einen entspannten Tag auf der Trave zu verbringen? Wobei entspannt nicht so ganz stimmt. Lothar Krebs, Inhaber eines Kanuverleihs, hat uns in letzter Minute von einer Tour von Bad Oldesloe nach Klein Wesenberg abgeraten („da fließt das Wasser nur sehr gemächlich dahin“). Stattdessen hat er uns die Mittlere Trave empfohlen, „da werdet ihr richtig viel Spaß haben“.

Nun stehen wir in Herrenmühle bei Schwissel im Kreis Segeberg. Hier soll unsere gut 16 Kilometer lange Fahrt starten. Ziel ist die Jugendherberge in Bad Oldesloe. „Der Flussabschnitt erfordert gute Steuerkenntnisse und Kanubeherrschung“, heißt es auf der Internetseite des Tourismusmanagements Stormarn. „Sie lieben das Abenteuer?“, schreibt Lothar Krebs zu der Tour. Doch am Telefon beruhigt er uns. Wir werden zwar mit recht forscher Strömung und Stromschnellen konfrontiert werden, und erst neulich sei jemand auf der Strecke gekentert, „aber das Ganze ist kein Hexenwerk“, meint er. Wir sind gespannt.

Tipp: Paddel vor Gesicht halten, ruhig bleiben

Sein Sohn Jan-Ole bringt uns ein Kanu, Schwimmwesten, eine Gepäcktonne und einen Schwamm. „Damit könnt ihr den Wasserstand im Boot regulieren“, sagt er und grinst. „Und es nach der Tour reinigen.“ Neben der richtigen Paddeltechnik gibt er uns noch die häufigsten Gründe fürs Kentern mit auf den Weg: Alle Insassen beugen sich auf eine Seite, um einen Fisch aus der Nähe zu betrachten oder einem herunterhängenden Ast auszuweichen. Im zweiten Fall empfiehlt der Profi: Paddel vor das Gesicht halten, ruhig bleiben, Augen zu und durch.

Ein Tipp, auf den wir schon bald sehr häufig zurückgreifen müssen. Denn wir haben Startschwierigkeiten. Zunächst drehen wir uns ein paar Mal unkontrolliert im Kreis, danach fahren wir zielstrebig in jeden Strauch und nehmen jeden Ast mit, der tief ins Wasser hängt. Bald haben wir etliche Blätter und Kleintiere in unserem Kanu. Aber kein Wasser. Ein erster Erfolg.

Auf der Strecke droht dreimal Lebensgefahr

Wir fühlen uns jetzt etwas sicherer und haben Zeit, die Natur um uns herum zu genießen. Bis zu drei Meter tief ist die Mittlere Trave. Enten schwimmen vorbei. Wir sehen Fische, Blauflügel-Prachtlibellen und etliche Seevögel. Plötzlich taucht ein Fischotter vor uns auf, springt mehrmals aus dem Wasser. Doch bevor wir zu der Gepäcktonne greifen können, in der unsere Kamera sicher verstaut ist, ist das Tier schon wieder verschwunden.

Wir fragen uns, wie weit wir inzwischen schon gepaddelt sind. In der Aufregung haben wir vergessen, unsere mitgebrachte GPS-Uhr zu starten, das holen wir jetzt nach. Wenig später erfahren wir: Für einen Kilometer brauchen wir 14 Minuten. Wir rechnen hoch und sind beruhigt. So sollten wir es locker in sechs Stunden bis zur Jugendherberge schaffen. Dort will uns Jan-Ole Krebs das Kanu um 17 Uhr wieder abnehmen.

Wir kommen an Feldern und Wiesen vorbei, fahren dann in einen Erlenbruchwald. Mehr als eine Stunde sehen wir keine anderen Menschen, keine Straßen oder Autos. Dabei ist die Autobahn 21 teils nur wenige Hundert Meter entfernt, wie ein Blick auf unsere Tourenkarte zeigt. Doch davon ist nichts zu sehen oder zu hören. Wir haben das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein – und nicht mitten in Stormarn. Die Kehrseite: Auf der Tour gibt es weder Toiletten noch Einkehrmöglichkeiten.

Wehranlage ist eine große Herausforderung

Nach knapp eineinhalb Stunden wartet die erste große Herausforderung. „Lebensgefahr! Achtung Wehranlage 50 Meter“ steht auf einem Schild an der Böschung. Jan-Ole Krebs hatte uns vorher auf diese Gefahr hingewiesen. Weil das Wehr an der Sühlener Mühle zerfallen ist, müssen wir nach 5,6 Kilometern unbedingt aussteigen und unser Boot ein Stück tragen. Wir steuern auf den Ausstieg zu, plötzlich werden wir abrupt von einem Stein gestoppt. Er war unter Wasser verdeckt gewesen. Das Kanu schaukelt und neigt sich gefährlich zur Seite. Irgendwie schaffen wir es, die Balance zu halten und nicht zu kentern. Dafür hängen wir jetzt auf dem Stein fest.

Es geht weder vor noch zurück. Kurzerhand ziehen wir die Schuhe aus, waten durch das oberschenkeltiefe Wasser zum Land und ziehen das Kanu hinter uns her. Zwar nicht wie aus dem Lehrbuch, aber egal. Geschafft ist geschafft. Der anstrengende Part steht uns allerdings erst noch bevor. Das knapp 40 Kilo schwere Boot muss über einen schlammigen Weg am Wehr vorbei transportiert werden. Am Ziel angekommen, brauchen wir erst mal eine Pause. Eine Holzbank mit Blick auf die Trave lädt zum Verweilen ein.

Zurück im Wasser werden wir von einer starken Strömung überrascht. Die Trave fließt plötzlich wesentlich schneller als zu Beginn unserer Fahrt. Die Steuerung des Bootes wird wieder zur Glückssache. Wir landen immer wieder auf versteckten Steinen, sind mehrmals kurz vorm Kentern. Es fühlt sich ein bisschen an wie beim Wildwasser-Rafting in einem Freizeitpark. Nur, dass die Umgebung wesentlich schöner ist. Wir meistern die wohl schwierigste Passage der Strecke und können nun wieder bei deutlich gemäßigterem Tempo die Natur genießen. Das Paddeln in der Sonne ist zwar anstrengend, aber wir bekommen immer wieder Wasserspritzer ab. Eine willkommene Erfrischung.

Das Brenner Moor ist ein Paradies für Vögel

Wenig später droht ein zweites Mal Lebensgefahr. So steht es auf einem Schild vor der Sohlgleite, eine Art Treppe im Wasser. Sie sorgt dafür, dass Fische das Gewässer trotz Gefälles passieren können. Wir müssen erneut aussteigen und das Boot rund 200 Meter tragen. Danach führt die Tour lange Zeit mitten durch die Sonne, vorbei an Wiesen. Immer wieder begrüßen uns von der Seite Kühe mit einem lauten „Muh“. An einem weiteren Hindernis, einer sehr tiefen Brücke, müssen wir die Köpfe einziehen.

Aussteigen und das Boot tragen? Zu anstrengend. Wir sind froh, als wir kurz vor Nütschau wieder in ein Waldstück einbiegen und uns im Schatten etwas abkühlen können. Ein Kajakfahrer kommt uns entgegen, grüßt mit einem kurzen „Moin“. Im Brenner Moor begegnen uns zwei weitere Paddler. Wo wir denn herkommen, wollen die beiden wissen. Es folgt ein kurzer Plausch, die jungen Männer gehören dem Bootsverein Obertrave an, der ein Stück weiter in Richtung Bad Oldesloe seine Anlage hat.

Wir beschließen, vorher noch eine Pause zu machen, halten unser Kanu an der Grünen Brücke mitten im 24 Hektar großen Naturschutzgebiet Brenner Moor an. Dort befindet sich die größte binnenländische Salzstelle in Schleswig-Holstein. Die Konzentration entspreche in etwa dem der Nordsee, heißt es auf einer Info-Tafel. Ein Paradies für Vögel: Graureiher, Schellenten, Zwergtaucher und Eisvögel sind dort zum Beispiel zu beobachten. Beliebt ist das Gebiet auch bei Erholungssuchenden. Eine Familie hat es sich auf einer Picknickdecke am Fluss gemütlich gemacht, ein anderer Mann hört über seine Kopfhörer Musik.

Letzte Gefahrenstelle ist die Krautsperre vor Bad Oldesloe

Als wir wieder ins Kanu einsteigen, sind wir optimistisch. Nur noch drei Kilometer bis zum Ziel – und wir haben eineinhalb Stunden Zeit. Wir kommen an den Hütten des Bootsvereins vorbei. Viele Mitglieder sitzen in ihren Gärten, genießen die Sonne und den Blick aufs Wasser und begrüßen uns freundlich. Wir sind zurück in der Zivilisation.

Kurz darauf müssen wir die letzte Gefahrenstelle meistern: die Krautsperre vor Bad Oldesloe. Das sind quer im Wasser liegende Baumstämme, die abgeschnittene Pflanzen aus dem Wasser auffangen sollen. Auch hier droht laut einem Schild Lebensgefahr, wir müssen uns rechts vorbeiquetschen. An der Jugendherberge kommt uns bereits Jan-Ole Krebs entgegen. „Na, hattet ihr Spaß?“, fragt er. Wir nicken, erzählen – und räumen dabei unauffällig die vielen Blätter aus dem Kanu.

Drei Paddeltouren empfiehlt das Tourismusmanagement Stormarn: Bille (Grander Mühle bis Reinbek, ab Mitte August erlaubt), Untere Trave (Bad Oldesloe bis Hamberge) und Mittlere Trave (Herrenmühle bis Bad Oldesloe). Für die Trave-Touren können Boote beim Kanu-Center (Telefon 04501/412) ausgeliehen werden. Kosten mit Transfer: 36 Euro für Erwachsene, 16 Euro für Kinder (bis 14 Jahre). Weitere Infos und Anbieter unter www.tourismus-stormarn.de.