Gut Pronstorf

Blitz und Donner begleiten Finale eines famosen Konzerts

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Das Ardemus Quartett zeigte bravourös, wie vielseitig das Saxofon auch Klassik spielen kann.

Das Ardemus Quartett zeigte bravourös, wie vielseitig das Saxofon auch Klassik spielen kann.

Foto: Heike Linde-Lembke

Das Musikfest des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf Gut Pronstorf war ein voller Erfolg – trotz des stürmischen Wetters.

Gut Pronstorf.  Sonne, 29 Grad, Kinder, die in einer Musikwerkstatt eigene Instrumente bauen, entspannte Eltern, Musik aller Stilrichtungen und als Pausen-Amüsement Gänse aus Holland als Zirkus-Parade. Das Musikfest auf dem Lande des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf Gut Pronstorf war bei ausverkauftem Kuhstall mit 700 Gästen ein voller Erfolg. Dass zum Schluss der Wettergott die Idylle mit Blitz, Donner und Sturm ins Chaos stürzte, focht fast niemanden an.

Warum auch musste das Ardemus Quartett die Wassermusik von Georg Friedrich Händel spielen, und das mit gleich vier Saxofonen. Das internationale Quartett ist ein gutes Beispiel dafür, dass das SHMF bei den Musikfesten auf dem Lande junge Musikerinnen und Musiker fördert. Zu Recht. Denn was das Quartett und vor ihm Pianist Robert Neumann und das bravourös und mitreißend aufspielende Duo Jazzical Class mit Zilvinas Brazauskas und Peter Fleckenstein an Klarinetten und zwei Vibrafonen zauberte, riss das Publikum zu Ovationen hin. Zudem bot das Programm die Chance, dasselbe Stück, den berühmten Libertango von Astor Piazzolla, in unterschiedlichen Interpretationen zu erleben, einmal vom Duo Jazzical Class an zwei Vibrafonen, zum zweiten vom Ardemus Quartett mit vier Saxofonen, beide Male grandios und sehr eigen interpretiert. Das Duo Jazzical Class begeisterte auch mit seinem Pronstorf Blues.

Ensemble heißt übersetzt „wir brennen“

Das Ardemus Quartett gründete sich vor fünf Jahren in Amsterdam. „Wir brennen für die Kammermusik, und so heißt unser Ensemble übersetzt auch ,wir brennen‘“, sagte die Schweizerin Lisa Wyss. Nach Händels Wassermusik, bei der es draußen stürmisch wurde, spielte das Quartett geistreich und flott ein Stück von Gabriel Pierné, um dann Claude Debussys „Réverie“ poetisch anzugehen und mit György Ligetis sechs Bagatellen aus „Musica ricercata“ die ganze Bandbreite des Saxofons und ihres Könnens zu zeigen – inklusive einer reichen Mixtur der Musikstile bis zum Glockengeläut.

Draußen wurde es finster. Mit einem Fanfarenstoß und jazzig staccatihaftem Kichern schlossen die Musiker ihren Ligeti, während der Sturm losbrach. Die Vier ließen es sich nicht verdrießen. Nach einem innig von Lisa Wyss gespielten Solo der berühmten Gnossienne Nr. 1 von Eric Satie lud das Quartett zu Blues und Swing mit George Gershwins Three Preludes, zu den Tangos von Astor Piazzolla und der Zugabe, einer Polka von Dimitri Schostakowitsch ein. Das beruhigte sogar den Wettergott.

( lin )

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