Norderstedt
Polizei ermittelt

Mahnmal in Kisdorf beschmiert und zerstört

Frauke Greuel und Thomas Käpernick von der Biografie-Arbeitsgruppe sind entsetzt.

Frauke Greuel und Thomas Käpernick von der Biografie-Arbeitsgruppe sind entsetzt.

Foto: Heike Linde-Lembke

Die Polizei und der Schleswig-Holsteinische Heimatbund bitten die Bürger um Hilfe und suchen Zeugen der Taten.

Kisdorf/Henstedt-Ulzburg.  Das Foto ist gestohlen, der Stahlständer verbogen, die ganze Mahntafel steht schief, und die Spuren des Anschlags mit brauner Farbe sind auch noch sichtbar. Zum zweiten Mal zerstörten Unbekannte das Mahnmal am Kistlohweg/Ecke Ulzburger Straße, das mit dem Foto des Gefangenen Josef Tichy an den Todesmarsch von Hamburg nach Kiel vom 12. bis 15. April 1945 erinnert, auf dem die SS mehr als 800 Juden, NS-Kritiker und „Asoziale“ vom KZ Hamburg-Fuhlsbüttel ins Arbeitserziehungslager Nordmark nach Kiel-Hassee trieb.

Die Biografie-Arbeitsgruppe Todesmarsch Hamburg–Kiel des Schleswig-Holsteinischen Heimatbunds hatte das Mahnmal erst am 13. Juni an der Stelle aufgestellt, an der die SS Josef Tichy am 12. April 1945 erschoss, offenbar, weil er nicht mehr laufen konnte. Sie verscharrten den Tschechen einfach im Straßengraben.

„Wir haben damit gerechnet, dass das Mahnmal Opfer von Zerstörungswut wird. Doch wer denkt, wir geben auf, hat sich mit uns die Falschen ausgesucht“, sagt Frauke Greuel von der Arbeitsgruppe zornig. Sie hat sowohl die Schmierereien mit brauner Farbe als auch den Diebstahl des Tichy-Fotos und die Schäden an dem Stahlständer bemerkt und bei der Polizei in Henstedt-Ulzburg angezeigt.

Die Biografie-Arbeitsgruppe will auf keinen Fall aufgeben

Beamte der Polizeistation Henstedt-Ulzburg haben die Ermittlungen aufgenommen, suchen Zeugen der Straftat vom Sonntag, 14. Juli, fahnden nach dem gestohlenen Foto und bitten die Bürgerinnen und Bürger um Hinweise unter Telefon 04193/99 130.

„Wir haben das Schild von der braunen Farbe gesäubert, aber diese zweite Straftat ist purer Vandalismus, aus welche Ecke auch immer, wir sind fassungslos“, sagt Thomas Käpernick von der Biografie-Arbeitsgruppe. Die Gruppe habe beraten, wie sie mit der Zerstörung umgehen soll, aber Aufgeben sei absolut keine Option.

Auch der gesamte Schleswig-Holsteinische Heimatbund ist entsetzt über die Taten, wie Bildungsreferentin Annika Krümmel sagte. Der Heimatbund will mit den einzelnen Gemeinden und Städten an jenen Stellen Gedenktafeln aufstellen, an denen die Nationalsozialisten Gefangene auf dem Todesmarsch ermordeten. In Kaltenkirchen, Bad Bramstedt, Neumünster-Einfeld und Neumünster-Wittorferfeld stehen bereits Mahnmale. „Eine Gemeinde verweigerte uns strikt das Aufstellen einer Gedenktafel, darüber waren wir schockiert, aber in den Gemeinden Henstedt-Ulzburg und Kisdorf hat man uns sofort unterstützt“, sagt Frauke Greuel.

Josef Tichy wurde am 21. Juli 1945 auf Befehl der britischen Alliierten auf dem Friedhof Kaltenkirchen beerdigt und im Februar 1968 mit Josef Beck und Hugo Kochendörffer, die die SS einen Tag nach Tichy, am 13. April 1945, auf dem Todesmarsch erschoss, in die Reihe 1 der Kriegsgefangenen umgebettet.

Die Polizei Henstedt-Ulzburg bittet um Hinweise unter Telefon 04193/99 130.