Norderstedt
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Die glänzende Show der Veteranen im Stadtpark

Der 2,5 Tonnen schwere Packard Eight gehörte zu den größten Attraktionen des Oldtimer-Picknicks im Stadtpark.

Der 2,5 Tonnen schwere Packard Eight gehörte zu den größten Attraktionen des Oldtimer-Picknicks im Stadtpark.

Foto: Wolfgang Klietz

300 Freunde von Oldtimern zeigten in Norderstedt ihre rollenden Schätze. Hunderte Besucher kamen, um die Wagen zu sehen.

Norderstedt.  Hauke Fleckenstein hat sie alle gesehen, gehört und auch gerochen: die tief brummelnden zwölf Zylinder US-amerikanischer Straßenkreuzer, die unverwüstlichen VW Käfer aus alter Zeit und die chromstrotzenden Oldtimer aus der Frühzeit der Automobilität. Der Mann vom Oldtimer-Enthusiasten-Club Pinneberg Mobil steht als Torwächter an der Zufahrt zum Norderstedter Stadtpark: Nur wer mit einem Auto kommt, das mindestens 30 Jahre alt ist, darf auf das Gelände zum siebten Oldtimer-Picknick fahren. Bevor Fleckenstein das Okay gibt, drückt er jedem Fahrer einen Gutschein für Kaffee und Kuchen in die Hand – eine freundliche Geste der Stadtpark GmbH.

Auf dem Gelände stehen die Fahrer beisammen und fachsimpeln. Hunderte Besucher bestaunen die Fahrzeuge, die an die Kindheit oder vielleicht auch an Opa und Oma erinnern. Der beliebteste Hingucker steht ganz vorn und glänzt sorgsam poliert vor sich hin: ein Packard Eight aus dem Jahr 1934. 2,5 Tonnen wiegt der prächtige Siebensitzer, den die US-amerikanische Autoindustrie als Antwort auf die Luxuskarossen von Rolls Royce gebaut hat. „Der fährt sich wie ein Schiff“, sagt ein Kenner des Gefährts, der auf das Cabrio aufpassen muss.

Ein bisschen wie in einem Schiff muss sich auch der Quickborner Frank Abraham vorkommen, wenn er mit seinem Chrysler Windsor einen Parkplatz sucht. Knapp sechs Meter misst der 60 Jahre alte Blechriese, der von einem Motor mit 6,4 Litern Hubraum angetrieben wird – ein Fahrgefühl wie auf Omas altem Sofa. „Das ist mein Hobby“, sagt Abraham, der den Chrysler für 17.000 Euro gekauft hat. Abgesehen von den Nöten bei der Parkplatzsuche hält der Quickborner den Wagen für absolut alltagstauglich. Erst vor wenigen Tagen ist er aus dem Urlaub in den Niederlanden zurückgekehrt. Hinten dran hing der Wohnwagen.

Sven ist mit einem Gaz 69 angereist. Kein Chrom, kein Schnörkel ziert diesen sowjetischen Oldtimer aus dem Jahr 1968, den Sven in einer alten Halle der DDR-Volkspolizei in Frankfurt/Oder entdeckt hat. Der geländetüchtige alte Russe stand im Depot und war kaum gefahren. Gerade mal 5200 Euro hat Sven bezahlt, erneuerte den Motor und freut sich an grundsolider Militärtechnik inklusive Cabrio-Gefühl.

Gleich vier DeLorean stehen direkt an der Seepromenade. Der Name des flachen Sportwagens dürfte weniger bekannt sein als der Film, in dem der Edelstahl-Bolide die Hauptrolle spielt: „Zurück in den Zukunft“. Als Michael Wagner aus Hasloh den Film zum ersten Mal sah, stand für ihn fest: „So ein Auto musst du haben.“ Heute ist der Kfz-Mechaniker Besitzer der größten DeLorean-Werkstatt Europas.

Gemütlich geht es bei der Norderstedter Familie Neumeister zu, die mit ihren vier rüstigen Volkswagen gekommen sind. Sibylle Neumeister fährt einen beigefarbenen VW-Käfer aus dem Jahr 1964. Das Klopapier unter der Häkelrolle auf der „Hutablage“ gehört dazu. Die Norderstedterin liebt das entschleunigte Fahren – mit 34 PS.