Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Paracelsus-Klinik muss besser erreichbar sein

Taxiunternehmer Hans-Werner Süfke (Kaltenkirchen), Bürgermeister Stefan Bauer, Taxiunternehmer Torsten Brußat (Taxi Vortanz), Klinikmanagerin Anke Franzke sowie Handan Rosburg und Yavuz Kaya (beide Taxi 1411; von links) wollen eine bessere Erreichbarkeit des Krankenhauses.

Taxiunternehmer Hans-Werner Süfke (Kaltenkirchen), Bürgermeister Stefan Bauer, Taxiunternehmer Torsten Brußat (Taxi Vortanz), Klinikmanagerin Anke Franzke sowie Handan Rosburg und Yavuz Kaya (beide Taxi 1411; von links) wollen eine bessere Erreichbarkeit des Krankenhauses.

Foto: Christopher Herbst

Ein Taxistand am Krankenhaus in Henstedt-Ulzburg ist ein erster Schritt für eine bessere Anbindung. Hoffnung auf eine neue Zufahrt.

Henstedt-Ulzburg. Es ist zwar nur ein Taxistand mit zwei Stellplätzen, der kürzlich vor dem Eingang der Paracelsus-Klinik eingeweiht wurde. Doch die große Aufmerksamkeit für diese profane Neuerung unterstrich, welch eine hohe Bedeutung die Erreichbarkeit des Henstedt-Ulzburger Krankenhauses für das Umland hat. Darauf wies Bürgermeister Stefan Bauer hin. „Unsere Taxiunternehmen haben nun die Möglichkeit, direkt an der Paracelsus-Klinik Fahrgäste in Empfang zu nehmen. Damit verbinde ich auch die Hoffnung, die verkehrliche Situation falsch geparkter Fahrzeuge zukünftig deutlich zu reduzieren.“

Bisher sei vor allem „auf Zuruf“ vor der Klinik gehalten worden, sagt die Managerin Anke Franzke. Die missliche örtliche Lage ist auch nach der Übernahme des Mutterkonzerns durch die schweizerische Beteiligungsholding Porterhouse und nach dem überstandenen Insolvenzverfahren unverändert. Auf vielen Ebenen versuchen Unternehmen, Verwaltung und Politik, etwas zu verbessern.


Die Parkplatznot rund um das Gelände ist chronisch, an Wochenenden und zu starken Besuchszeiten ist die Lage unzureichend. Pkw werden in den Wohnstraßen oder auf der engen Wilstedter Straße abgestellt. Auf Dauer soll es eine bessere Lösung geben – die Klinikleitung ist derzeit in Gesprächen mit dem Rauhen Haus, dem direkten Nachbarn. „Wir haben die Bestrebung, gemeinsam mit dem Rauhen Haus Parkflächen zu schaffen“, sagt Anke Franzke. Weitere Details gibt es noch nicht. In einem weiteren Schritt ist eine Ladesäule für Elektroautos geplant.


Der ÖPNV
gilt mit seiner momentanen Taktung als zu unattraktiv, um das Krankenhaus problemlos zu erreichen. Tagsüber gibt es keine regelmäßige Busanbindung – teilweise müssen von Ulzburg-Süd erst die Linie 293 und dann die Linie 593 benutzt werden. Von Norderstedt-Mitte können Fahrgäste zum Beispiel an einem Freitag um 11 Uhr erst mit der AKN nach Ulzburg-Süd, dann mit dem 293er-Bus zur Haltestelle Wilstedter Straße fahren – und dann noch eine Viertelstunde zu Fuß gehen.

Taxis, Busse, Parkplätze – dies sind alles Puzzleteile. Von der großen Lösung träumt Henstedt-Ulzburg weiterhin. Denn es fehlt dem Standort eine vernünftige, eine auch der überregionalen Bedeutung als Geburtsklinik angemessene Anbindung an die Schleswig-Holstein-Straße.

Bislang war der Standpunkt des zuständigen Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) unverrückbar: Die Schleswig-Holstein-Straße ist schon heute im nördlichen Teil eher über- als bloß ausgelastet. Noch eine Abzweigung? Keine Chance. „Wir hatten ja eine Begehung mit dem LBV“, sagt Bürgermeister Bauer. „Die maximale Lösung war eine Bedarfsampel für Rettungsfahrzeuge. Doch auch das ist verworfen worden.“

Nur: Die Rahmenbedingungen würden sich eben erheblich verändern, wenn die Verkehrsachse erweitert würde auf insgesamt vier Spuren. Ob und wie das ginge, ist Gegenstand einer laufenden Machbarkeitsstudie des LBV, die gegen Jahresende vorliegen soll. Grundsätzlich müssten Henstedt-Ulzburg und Norderstedt, dessen Hoheitsgebiete betroffen sind, gemeinsam agieren. Denn auch die Kreuzung mit der Norderstedter Straße muss für das geplante Wohnquartier Rhener Gärten auf dem Wagenhuber-Gelände erweitert werden.

Es geht um zusätzliche Abbieger und weitere Spuren. Genau das also, was auch im Verlauf der Schleswig-Holstein-Straße ab dem Gewerbegebiet Oststraße erwogen wird. „Es gibt vielleicht eine Möglichkeit, wenn der LBV dazu kommt, die Schleswig-Holstein-Straße vierspurig auszubauen“, so Stefan Bauer. Er äußert sich so vorsichtig wie nur möglich, spricht von einem Zeitrahmen von mehr als 20 Jahren.

Der Henstedt-Ulzburger Planungs- und Bauausschuss hatte ihm vor der Sommerpause formal noch einmal ein Mandat erteilt, Sondierungsgespräche mit der Norderstedter Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder zu führen. Es geht darum, bereits eine gemeinsame interkommunale Position etabliert zu haben, wenn das Ergebnis der Machbarkeitsstudie bekannt ist.

„Ich gehe davon aus, dass es wesentlich schneller als 20 Jahre geht, wenn Norderstedt und Henstedt-Ulzburg eine gemeinsame Bebauungsplanung hinbekommen“, sagt der Landtagsabgeordnete Ole-Christopher Plambeck (CDU), Henstedt-Ulzburger wie sein FDP-Kollege Stephan Holowaty. Für beide ist die Verkehrsinfrastruktur im Grenzbereich zwischen den Nachbarkommunen ein Thema mit hoher Priorität, das sie regelmäßig in Kiel vorbringen. „Ich denke, der LBV steht Veränderungen nicht im Weg. Es ist zwingend erforderlich, dass Kommunen gemeinsam auftreten. Die Schleswig-Holstein-Straße liegt ja auf Norderstedter Gebiet“, so Plambeck.


Der Ausbau der Wilstedter Straße
, also des nördlichen Zubringers zur Paracelsus-Klinik,, ist das, worauf sich alle Beteiligten vermutlich verlassen können. Hier ist der Wege-Zweckverband Baulastträger. Über Varianten einer Verbreiterung – dann soll durchgehend Tempo 50 gelten – wurde bereits 2011 gesprochen. Das etwas passieren muss, ist weitestgehend Konsens, denn zu Stoßzeiten gibt es hier immer wieder Rückstaus an Verengungen und gefährliche Manöver.

Eigentlich sollte die Finanzierung des fast eine Million Euro teuren Projektes maßgeblich über Straßenausbaubeiträge getragen werden. Diese Abgaben wurden in Henstedt-Ulzburg mittlerweile abgeschafft. Ein Zeitplan für die Maßnahme ist derzeit nicht bekannt.