Norderstedt
Schröters Wochenschau

Trinken für die Kork-Sportplätze in Norderstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

In der Stadt wird über Kunstrasenplätze diskutiert. Diese sind nicht umweltfreundlich. Also muss über Alternativen nachgedacht werden.

In Norderstedt diskutiert der Sportausschuss die Sanierung von vier Kunstrasen-Sportplätzen. Vor allem unter Berücksichtigung eines Antrages der „Europäischen Chemikalienagentur“ (EHCA), einer Behörde der Europäischen Union, die ein Verbot der bislang oft üblichen Granulat-Mischung auf Kunstrasenplätzen plant. Tatsächlich wirbeln bei Bodenabrieb im Spielbetrieb munter jede Menge Mikroplastikpartikel durch die Gegend. Und die sind dann in aller Munde, buchstäblich. Sport ist Mord, man hat es geahnt.

Man ernährt sich gesundheitsbewusst, fährt mit dem Fahrrad zum Fußballspielen und schluckt dann mehr Gummi, als man Stollen an der Sohle trägt. Zum Glück ist eine umweltverträglichere Alternative marktreif, die nun für die sanierungsbedürftigen Plätze in Norderstedt erwogen wird: Kork. Mit einem Finanzbedarf von ca. 1 Million Euro für die Sportanlagen von Eintracht Norderstedt und TuRa Harksheide kann man eine ausreichende Zahl Weinflaschen erwerben, deren Korken sich zum Parkett der Ballkünstler schreddern lassen.

Zur Klärung, ob sich Weißwein- oder Rotweinkorken besser als strapazierfähiger Bodenbelag eignen, biete ich selbstlos meine Mithilfe an – vor allem, was die Entsorgung des Flascheninhalts betrifft, der ja gar nicht benötigt wird, und der, brächte man ihn als Abfall zum Wege-Zweckverband, in dieser Institution garantiert für noch mehr Durcheinander sorgen würde, als dort ohnehin schon herrscht. Man könnte den Wein auch gratis auf dem nächsten Stadtfest ausschenken. Was wir mit den leeren Flaschen machen, weiß ich nicht.

Zurück zum Kork-Kunstrasen. Endlich kann jeder Spieler eine eigene schwache Leistung fundiert begründen: „Trainer, der Platz war einfach völlig verkorkst!“ Mittelstürmer und Abwehr-Recke können eine gepflegte Strafraum-Konversion führen: „Finden Sie nicht auch, der Elfmeterpunkt riecht ein wenig nach einem Neunundsiebziger Mouton-Rothschild?“ Und jeder umgesenste Flügelflitzer, der auf dem Gesicht über den halben Platz schlittert, feiert unterwegs ein facettenreiches Geschmackserlebnis.

Hach. Vielleicht sollte man doch mal wieder Sport treiben.