Norderstedt
Norderstedt/Kiel

Norderstedter Drogenkurier zu Haftstrafe verurteilt

Blick auf einen Briefkasten am Gebäude des Landgerichtes Kiel (Symbolbild).

Blick auf einen Briefkasten am Gebäude des Landgerichtes Kiel (Symbolbild).

Foto: Carsten Rehder / dpa

Drei Jahre und drei Monate Haft für 46-Jährigen, der 34 Kilo Haschisch geschmuggelt haben soll. Freispruch für mutmaßlichen Drahtzieher.

Kiel/Norderstedt.  Überraschendes Ende im Prozess um 34 Kilo Haschisch aus Amsterdam, die im Dezember 2017 zufällig in einer Norderstedter Gewerbehalle entdeckt wurden: Das Kieler Landgericht verurteilte den als Drogenkurier angeklagten Norderstedter (46) zu drei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe und sprach den mutmaßlichen Drahtzieher (53) frei. Der Staatsanwalt hatte dagegen vier Jahre Haft für den Polen gefordert und erwägt jetzt Revision. Aus seiner Sicht sind die Beweise gegen den mutmaßlichen Initiator des Drogengeschäfts erdrückend. Der Pole habe sich kurz vor Sicherstellung des Stoffes (Straßenverkaufswert rund 340.000 Euro) nachweislich in Amsterdam und zwei Tage später in Dänemark aufgehalten, wo die Abnehmer auf den Stoff warteten.

Diese Feststellungen reichten der Strafkammer für eine Verurteilung nicht aus: Die Richter zweifelten an der Aussage des verschuldeten Norderstedter Fitnessstudiobetreibers. Der habe den nicht vorbestraften Polen während des sechstägigen Prozesses schwer belastet – der Staatsanwalt hatte deshalb nur zweieinhalb Jahre Haft für den Kronzeugen gefordert. Doch die Darstellung des angeblichen „Aufklärungshelfers“ erschien der Kammer wenig plausibel. So sei nicht nachvollziehbar, warum der Norderstedter den Stoff entgegen der Absprache in der von ihm gemieteten Halle deponierte. Dort stieß zufällig ein Zeuge auf einen Alu-Koffer mit 60 verdächtigen Plastiktüten und alarmierte die Polizei.

Ungewöhnlich auch dies: Der angeblich für 2000 Euro Belohnung angeheuerte Drogenkurier präparierte den Pkw des mutmaßlichen Drahtziehers mit einem GPS-Sender, um so ständig dessen Standort kontrollieren zu können. Das Gericht schloss nicht aus, dass der Norderstedter nur deshalb so genau über den Aufenthalt des Polen in Amsterdam informiert war. Im Prozess hatte der 46-Jährige behauptet, man habe sich dort in einem Café getroffen, um den Stoff abzuholen. Der Pole hatte jegliche Beteiligung an einem Drogengeschäft bestritten und vor Gericht geschwiegen. Er soll jetzt für die zu Unrecht erlittene U-Haft entschädigt werden.