Norderstedt
Bevölkerung

Eine Tangstedter Straße ohne Nachwuchssorgen

Seit drei Jahren gibt es die neue Straße Storchenwisch in Tangstedt. Fast ausschließlich junge Familien leben hier.

Seit drei Jahren gibt es die neue Straße Storchenwisch in Tangstedt. Fast ausschließlich junge Familien leben hier.

Foto: Thorsten Ahlf

Der Name passt perfekt: 17 Kinder leben bereits am Storchenwisch im Tangstedter Ortsteil Wilstedt. Und drei Frauen sind zurzeit schwanger.

Tangstedt. Gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr Wilstedt ist in den vergangenen drei Jahren ein neues Wohngebiet entstanden. Erst vor wenigen Tagen wurden die letzten Pflastersteine im Storchenwisch in Tangstedt verlegt. Am Straßenrand liegen neben Bauresten mehrere Kinderfahrräder auf dem Rasen. Drei Jungs spielen in der Kehre Fangen. Die Mädchen halten Puppen und kleine Gießkannen in den Händen. Nichts Außergewöhnliches, sondern ein stinknormales, idyllisches Dorfleben könnte man nun glauben.

Doch am Storchenwisch wird es nie langweilig. Ständig hören die Bewohner fröhliches Kinderlachen von draußen. „Die Straße wurde so genannt, weil wir hier ein Storchennest haben und die Tiere häufig über die Häuser fliegen“, sagt Ines Jürgens. Neben ihr laufen die beiden Töchter Luisa (4) und Sophia (2). Jürgens streichelt sich über den Bauch. Kind Nummer drei soll im August kommen. Dieses Mal wird es ein Junge. Für die Benennung der Straße liefern die Bewohner ganz offensichtlich viel bessere Gründe: 17 Kinder leben zurzeit am Storchenwisch, drei weitere Frauen sind schwanger. Das 20. Kind soll gegen Ende des Jahres dazustoßen.

„Der Straßenname passt natürlich perfekt zu unserem Kinderboom“, sagt Christian Antholz. Der 38-Jährige ist mit seiner Frau Katharina im Februar 2016 als erstes Paar in das Neubaugebiet gezogen. „Ich bin in Norderstedt aufgewachsen, Katharina in Tangstedt. Wir wollten unbedingt in die Gegend ziehen“, sagt er.

Für junge Familien ist das Leben am Storchenwisch wie im Paradies. „Immer wenn die Kinder spielen wollen, können sie einfach nach draußen in die Kehre gehen oder bei den Nachbarn klingeln. Irgendjemand hat immer Zeit“, sagt Katharina Antholz, die im neunten Monat schwanger ist. Ihr Sohn Leonard Alexander ist mit fünf Jahren das älteste Kind in der Straße. Die sechs Wochen alte Marlene ist die Jüngste. „Es ist ein Traum hier. Die Kinder finden immer einen Spielkameraden“, sagt Mutter Mareike Gronholz (37).

Die Kita Kunterbunt befindet sich gleich um die Ecke

Besonders praktisch: Die Kita Kunterbunt liegt nur wenige Meter entfernt am Dorfring. Die Eltern können ihre Kinder zu Fuß hinbringen und abholen. „Das war auch ein Grund, warum wir das Grundstück gekauft haben“, sagt Mareike Gronholz, die nach ihrer Elternzeit wieder in einem Autohaus in Kisdorf arbeitet. Alle Kinder im Kita-Alter besuchen dieselbe Einrichtung. Ein weiterer Glücksfall, wenn man die Knappheit der Betreuungsplätze in der Region bedenkt.

Aber nicht nur die Kinder im Storchenwisch sind untereinander befreundet, auch die Eltern. Einmal im Jahr veranstalten Christina und Sascha Burmeister ein Glühweintrinken bei sich. „Das hat schon Tradition“, sagt das Paar. Mit zwei Kindern, Emil (3) und Lasse (1), liegen die Burmeisters voll im Durchschnitt, was die Anzahl des Nachwuchses angeht. Die Bewohner fahren jedes Jahr gemeinsam zum Pfingstball in Tangstedt. Mit dem Baubeginn am Storchenwisch haben sie noch ein Straßenfest gefeiert und in der Kehre Bierbänke aufgestellt. „Das wollen wir unbedingt wiederholen“, sagt Katharina Antholz. Ihr Mann Christian fügt hinzu: „Bei der Menge an Menschen ist eigentlich ständig etwas los hier. Irgendjemand hat immer Geburtstag.“

Viele Navigationssysteme kennen Storchenwisch nicht

Familie Burmeister hat einen Großteil ihres Hauses selbst gebaut. Einige Paare haben lieber bauen lassen. „Wir Männer tauschen gern unseren Werkzeugfundus untereinander aus. Hier helfen sich alle gegenseitig. Das ist wirklich der Idealfall“, sagt Christian Antholz. 14 Grundstücke gibt es insgesamt im Storchenwisch. Fast alle Häuser, die sich durch ihre moderne Bauweise deutlich von älteren Siedlungen in Tangstedt abheben, werden von jungen Familien bewohnt. Nur die Lieferanten haben noch so ihre Probleme mit der neuen Straße, die in den meisten Navigationssystemen noch nicht eingespeichert ist. „Das ist natürlich schwierig, wenn sie Baumaterial anliefern sollen“, sagt Sascha Burmeister.

Fest steht: Schon bald kommt der Storch – im übertragenen Sinn – wieder im Storchenwisch vorbei, wenn die drei schwangeren Frauen ihre Kinder auf die Welt bringen. Und die Bewohner sind sich sicher: „Das wird nicht der letzte Nachwuchs bleiben.“