Norderstedt
Norderstedt

Joachim Seyferth verlässt die Garstedter Feuerwehr

Joachim Seyferth (62) trat 1980 in die Freiwillige Feuerwehr ein. Seit 1983 ist er Angestellter der Stadt Norderstedt und leitet zurzeit das Amt 37, das für die Bereiche Katastrophenschutz und Rettungsdienst zuständig ist.

Joachim Seyferth (62) trat 1980 in die Freiwillige Feuerwehr ein. Seit 1983 ist er Angestellter der Stadt Norderstedt und leitet zurzeit das Amt 37, das für die Bereiche Katastrophenschutz und Rettungsdienst zuständig ist.

Foto: Büh, Florian (www.RTVP.de)

Querelen bei der Feuerwehr: Der ehemalige Gemeindewehrführer zieht sich zurück, weil er sich als Amtsleiter „beruflich demontiert“ fühlt.

Norderstedt. Die Krise in der Führung der Norderstedter Feuerwehr geht weiter. Der ehemalige Gemeindeführer Joachim Seyferth, der seit 36 Jahren bei der Stadt arbeitet ist, ist aus der Freiwilligen Feuerwehr Garstedt ausgetreten, der er knapp 40 Jahre angehörte. Wehrführer Matthias Bruns hatte einen Brief Seyferths mit der Ankündigung des Austritts bei einem Dienstabend in der Wache vorgelesen. Teilnehmer berichten, danach habe „fassungslose Stille“ und „tiefes Schweigen“ geherrscht.

Der 62-Jährige nannte „sehr persönliche Gründe“ für den Abschied von seiner Heimatwehr und zieht damit offenbar die Konsequenzen aus den Querelen mit Stadtwehrführer Fabian Wachtel und der Verkleinerung des städtischen Amtes, das Seyferth leitet. Offenbar seien seine Verdienste in der heutigen, schnelllebigen und zu Erfolgen verdammten Zeit nicht mehr viel wert, soll Seyferth sinngemäß geschrieben haben. Er fühlt sich offensichtlich persönlich angegriffen und zutiefst verletzt. Zum Inhalt des Briefes will Seyferth sich nicht äußern.

Öffentlich will sich Seyferth nicht weiter äußern

Seyferth hatte bereits 2011 mit seinen Kameraden das Leitbild der Norderstedter Feuerwehren entwickelt, in dem es heißt: „Wir gehen respektvoll und wertschätzend miteinander um und achten die Individualität eines jeden. Ein sachlicher und offener Dialog hilft uns, Konflikte zu vermeiden.“ Genau hier fühlt sich Seyferth offenbar hintergangen, berichten enge Vertraute, die anonym bleiben wollen. In nur wenigen Monaten hätten sich die Umgangsformen seitens der Gemeindefeuerwehr „extrem verändert“, soll Seyferth geschrieben haben. Er sei „beruflich demontiert“ worden. Erklärungen hätte er nicht erhalten, auch keine Möglichkeit der Gegenrede. Offiziell will sich der Ex-Feuerwehrmann nicht zu seiner Entscheidung äußern. „Ich werde öffentlich dazu keine Aussagen treffen“, sagte er.

Mehrfach hatte das Abendblatt berichtet, dass Seyferth und Wachtel zerstritten sind. Mehrfach soll es deswegen Gespräche der beiden bei Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Hauptamtsleiter Hauke Borchardt gegeben haben. Wachtel leitet als Stadtwehrführer (früher Gemeindewehrführer) die freiwilligen Feuerwehr und beanspruchte nach seinem Amtsantritt deutlich mehr Kompetenzen in der Verwaltung. Wachtel hatte seinen Job als Unternehmer aufgegeben und ist als erster Stadtwehrführer bei der Stadt fest angestellt. Diese Anstellung hatte er zur Bedingung gemacht, als er die Nachfolge des verstorbenen Norbert Berg antrat.

Die Verantwortung für die Feuerwehr lag im Amt 37, das Seyferth leitet und das außer für die Feuerwehr auch für Katastrophenschutz und Rettungsdienst zuständig ist. Nach einer Entscheidung von Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder im vergangenen Februar wurde der Bereich Feuerwehr zum 1. Mai aus dem Amt herausgelöst und dem neugegründeten Amt 38 übergeben.

Die Fachaufsicht liegt bei Wachtel. Um die Aufgaben übernehmen zu können, musste er weitere Lehrgänge besuchen. Roeder begründete die Entscheidung mit einem Gutachten aus dem Jahr 2017, in dem die Struktur der Norderstedter Feuerwehr untersucht wurde. Insider berichten, dass Seyferth seit dieser Verkleinerung seines Verantwortungsbereichs im Dienst nicht mehr die Feuerwehruniform trägt, sondern in ziviler Kleidung arbeitet.

Seyferth gilt als der Mann, der in vergangenen Jahrzehnten aus mehreren Dorfwehren eine große und moderne Feuerwehr geformt hat, die weiterhin zum größten Teil aus Ehrenamtlern und nur wenigen Mitarbeitern in der hauptamtlichen Abteilung besteht. Er trat 1980 in die Feuerwehr ein, seit 1983 ist er bei der Stadt Norderstedt angestellt. Von 1991 bis 2012 war er ununterbrochen zusätzlich ehrenamtlich als Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Norderstedt aktiv. Von 2001 an war Seyferth außerdem Leiter der Abteilung Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz im Ordnungsamt, seit ist er Chef des neugegründeten Amtes 37.

2012 trat Seyferth als Gemeindewehrführer zurück – aus gesundheitlichen Gründen und „zur Trennung von Haupt- und Ehrenamt“, so die damalige Begründung, ab. Kritiker sagen jetzt, dass Fabian Wachtel als Stadtwehrführer Haupt- und Ehrenamt wieder zusammenführt.

Stadtwehrführer Wachtel bedauert Seyferths Schritt

In seinem Schreiben soll Seyferth auch mit Freude und stolz auf seine Zeit zurückgeschaut haben. Offenbar wiederholte er sinngemäß die Worte seiner Abschiedsrede als Gemeindewehrführer: „Gemeinsam haben wir sehr viel erreicht, und ich darf für mich in Anspruch nehmen, dass ich die Entwicklung der Feuerwehr Norderstedt maßgeblich mitgeprägt habe.“

Ein Vertrauter sagte zu der Entscheidung: „Wenn ein vertrauensvoller Umgang mit der Wehrführung und damit auch mit der Stadt nicht mehr gegeben ist, dann sollte man sich dort zurückziehen, wo man es kann. Das ist nur konsequent – und besser für beide Seiten.“

„Ich und die gesamte Feuerwehr mit mir bedauern diese Entscheidung sehr“, sagte Wachtel dem Abendblatt über den Schritt Seyferths. Die Beweggründe kenne er nicht. Wachtel bestreitet, dass es zu Zwist oder Streit gekommen sei. Er räumt jedoch ein, dass es auf Sachebene unterschiedliche Meinungen gebe.