Norderstedt
Kreis Segeberg

Norderstedter Disco-Chef klagt: „Unfaire“ Behörden

Joey Claußen, Betreiber des Joy (hier mit den Mitarbeitern Thorve Fleiter, l., und Steven Wodraschka), findet die Gebühren überzogen.

Joey Claußen, Betreiber des Joy (hier mit den Mitarbeitern Thorve Fleiter, l., und Steven Wodraschka), findet die Gebühren überzogen.

Foto: Joy / JOY

Betreiber der Diskothek Joy findet die Gebühren für Plakate in Norderstedt zu hoch. Die Stadt sieht sich aber nicht verantwortlich.

Norderstedt. Werbung für öffentliche Veranstaltungen, ob nun auf Plakaten oder digitalen Stellwänden, gehört zum Bild in jeder Kommune. Doch dass es keinesfalls einheitliche Maßstäbe gibt, wer wann wo und für welche Gebühren etwas anbringen darf, erlebt derzeit Joey Claußen. Der Geschäftsführer der Henstedt-Ulzburger Diskothek Joy – „kleine Dorfdiskothek“ nennt er diese selbst – hat sich zum Teil für eine ungewöhnliche Form, eine Art Guerilla-Marketing entschieden, um auf sein Holi-Festival am 10. August in Kaltenkirchen aufmerksam zu machen.

„Neben Parkplätzen von Supermärkten, Baustellen oder in den Läden von befreundeten Geschäftspartnern nutze ich eben auch private Zäune, welche sich in guter Lage befinden“, sagt er. Und so hatten kürzlich einige Henstedt-Ulzburger Haushalte Post im Briefkasten – und dazu einen Fünf-Euro-Schein. „Auch wenn wir den zuständigen Behörden Geld anbieten, wird uns eine Genehmigung versagt, da der kulturelle Mehrwert bei unseren Veranstaltungen nicht gegeben sei“, schreibt Claußen.

Daher gehe man vermehrt auf privates Gelände. Er bittet, „das Plakat bis zum Ablauf der angekündigten Veranstaltung hängen zu lassen.“ Wer das nicht wolle, möge sich per Mail melden, dann werde die Werbung entfernt. Und sollte es Kinder oder Jugendliche geben, die Interesse an Veranstaltungen hätten, dann „senden wir ihnen Freikarten“.

Auf Nachfrage erklärt Claußen, warum er sich für diesen Schritt entschieden hat. Denn es geht ihm nicht um Henstedt-Ulzburg – „mit dem Ordnungsamt hatten wir noch nie Probleme“. Dieses erhebt für Größen bis DIN- A 0 wöchentliche Gebühren von 10 (null bis zwölf Plakate) bis 60 Euro (49 bis 72 Plakate). Es sind die Nachbarn, die dem Joy zu schaffen machen. „Norderstedt, Hamburg oder Tangstedt sind Sperrgebiet für unseren offiziellen Weg. Hier dürfen nur Plakate angebracht werden, welche einen regionalen Bezug besitzen, einen kulturellen Mehrwert erfüllen oder einem Verein dienen.“

Was einen kulturellen Mehrwert hat, kann er nicht nachvollziehen. „Ein Zirkus Frank, welcher ganz Norderstedt zukleistert, wird als eine regionale Kulturveranstaltung gesehen, kann somit auch genehmigte Plakate aufstellen“, sagt Claußen. „Nach meiner Auffassung ist das in Teilen schlichtweg unfair.“

Werbeflächen in Norderstedt werden von Ströer vermarktet

In Norderstedt ist die Praxis in der Tat eine andere als in Henstedt-Ulzburg. Denn auf politischen Beschluss hin gibt es hier einen Vertrag mit der Kölner Firma Ströer, die ihrerseits die Vermarktung der öffentlichen Werbeflächen übernimmt – und damit logischerweise Gewinn machen möchte.

„Wir könnten es auch im eigenen Haus machen, aber es fällt unter die kommunale Selbstverwaltung“, sagt Bernd-Olaf Struppek, Sprecher der Stadtverwaltung, zur Kooperation mit Ströer. Zu den Zirkussen sagt er, dass diese gleich behandelt würden mit einer Diskothek. Ausnahmen gibt es aber einige. Aktionen für den guten Zweck, etwa Typisierungen, können kostenlos beworben werden. Ein Ströer-Sprecher bestätigt dem Abendblatt zudem: „Kulturvereine, die für ihre Veranstaltungen werben, bekommen im Unterschied zu gewinnorientierten Veranstaltern Rabatt.“ Das trifft demnach auf das Joy nicht zu. Grundsätzlich richte man sich bei der Außenwerbung nach den Vorgaben der Stadt, wobei Ströer zu Vertragsdetails keine Angaben machen wollte.

Für Joey Claußen ist es keine Option, bei Ströer zu buchen. „Kosten von circa 400 bis 500 Euro pro Großplakat auf zehn Tage mögen ja für Pro7 oder Parship, aber nicht für ein kleines bis mittelständisches Unternehmen machbar sein.“ Er rechnet vor: „Eine DIN-A 1-Kampagne, die aktuelle Größe der Holi-Plakate, allein nur in Norderstedt liegt bei 1800 bis 2500 Euro.“ Er macht es lieber anders, um trotzdem die Reichweite zu erhöhen. „Bringen wir also ein Plakat auf einem Grundstück an, welches eindeutig privat ist und es ersichtlich scheint, dass dort nur eine Partei lebt, erhält diese eine direkte Vergütung in der Hoffnung auf Akzeptanz.“ Verscherzen wolle er es sich nicht mit Einwohnern oder Eltern seiner Gäste. „Pro Festival nehme ich zusätzlich etwa 200 Euro aus privater Tasche in die Hand und kann somit meine Werbung ohne größere Probleme anbringen.“