Norderstedt
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Unbekannte wüten an der NS-Gedenkstätte

René Senenko mit dem zerstörten Broschüren-Spender.

René Senenko mit dem zerstörten Broschüren-Spender.

Foto: Heike Linde-Lembke

Kurz vor Einweihung einer neue Stele zum Gedenken an Zwangsarbeiter in Langenhorn, wurde Spender mit Broschüren zertrümmert.

Norderstedt.  Die Gedenkstele ist noch nicht eingeweiht, da haben die Zerstörer schon zugeschlagen: Die Plexiglas-Hülle des Broschüren-Spenders aus Metall an der Gedenkstele für die Zwangsarbeiter der NS-Rüstungsfabrik Hanseatischen Kettenwerke im Business-Park am Essener Bogen/Essener Straße ist zertrümmert, drumherum liegen Müll und Glassplitter von zerbrochenen Bier- und Schnapsflaschen.

An der Gedenkstele, die ausgerechnet im ehemaligen Löschteich der Kettenwerke aufgestellt wurde, stehen Bänke. „Dort treffen sich allerlei Leute, und einige von ihnen haben anscheinend nichts Gutes im Sinn mit dem Gedenken an die Zwangsarbeiter, die von der NS-Herrschaft drangsaliert und auch ermordet wurden“, sagt René Senenko von der Willi-Bredel-Gesellschaft, die dafür sorgt, dass an die Zwangsarbeiter und ihr Leid durch Nazi-Deutschland erinnert wird. Gerade wurden mit dem Künstler Gunter Demnig Stolpersteine an die von der NS-Justiz hingerichteten Zwangsarbeiter Karl-Heinz Barthel und Otto Berger an der Langenhorner Chaussee 623 verlegt.

René Senenko ist nicht glücklich mit dem Standort der Gedenkstele am ehemaligen Löschteich: „Hier treffen sich zwar Jugendliche und auch andere Leute, aber es ist kein Ort, der auf dem Weg von Passanten liegt, beispielsweise von Bürgern, die zur U-Bahn Ochsenzoll gehen.“ Auf mehrmalige Bitten der Willi-Bredel-Gesellschaft, die Gedenkstele zu verlegen, hätten die Unternehmen, denen das Gelände heute gehört, nicht reagiert. .„Wir haben der Firmengemeinschaft des Firmenparks den Vorschlag unterbreitet, die Gedenkstele an den Fußweg zur U-Bahn kurz vor der Langenhorner Chaussee zu verlegen, doch das lehnte die Firmengemeinschaft am 7. März ab“, sagt Senenko.

Stattdessen habe laut Senenko die Gemeinschaft versprochen, Müllkörbe aufzustellen, die Sitzbänke zu renovieren, die Anlage sauber zu halten. Doch keines dieser Versprechen sei eingehalten worden, sagt Senenko. Einzig die Sträucher an der Anlage seien von der Apleona Real Estate im Auftrag gestutzt worden.

Jetzt versucht die Willi-Bredel-Gesellschaft bis zur Einweihung am Freitag, 14. Juni, die Gedenkstele zu säubern und den Flyer-Ständer zu reparieren. „Mit einer Umsetzung der Stele würde dem Vandalismus der Boden entzogen und enorme Kosten vermieden“, sagt René Senenko.