Norderstedt
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Die Strom-Profis liefern in die ganze Welt

Notstromaggregate des Norderstedter HPS  sorgen weltweit in Krankenhäusern, Bahnhöfen und Flughäfen für Versorgungssicherheit.

Notstromaggregate des Norderstedter HPS sorgen weltweit in Krankenhäusern, Bahnhöfen und Flughäfen für Versorgungssicherheit.

Foto: HPS GmbH

Selbst in der heiligen Moschee in Mekka stehen Stromaggregate von Hanseatic Power Solutions (HPS), die ihren Firmensitz in Norderstedt hat.

Norderstedt.  Es gibt wichtige und hochsensible Einrichtungen, in denen der Strom nie ausfallen sollte – sonst sind Menschenleben in Gefahr. Dazu gehören Krankenhäuser, Flughäfen, Bahnhöfe oder Kraftwerke. Wenn dort die normale Stromversorgung plötzlich ihren Geist aufgibt, werden automatisch Notstromaggregate eingeschaltet, die dann die Stromversorgung übernehmen. Das Norderstedter Unternehmen Hanseatic Power Solutions (HPS) hat sich auf die Steuerung von Notstromaggregaten spezialisiert und beliefert fast die ganze Welt mit ihren Schaltanlagen.

Vor allem im arabischen Raum sind die Norderstedter erfolgreich. So erfolgreich, dass die Muslime HPS sogar an ihr Heiligstes heran lassen: Die berühmte Al-Masdschid al-Harām-Moschee im saudi-arabischen Mekka. Die wird gerade auf fast 500.000 Quadratmeter vergrößert, damit sie 1,2 Millionen Gläubigen Platz bietet. Bei einem Stromausfall sorgen HPS-Anlagen dafür, dass den Gläubigen ein Licht aufgeht. In der Moschee steuern und synchronisieren die HPS-Schaltelemente 16 Dieselgeneratoren, die den Notstrom erzeugen, damit die Pilger nicht im Dunkeln beten müssen und die Kühlung der Klimaanlage in dem Wüstenstaat weiter läuft.

HPS ist ein wachsendes Unternehmen, das mehrfach für sein gutes Arbeits- und Betriebsklima ausgezeichnet wurde. In Norderstedt werden die Anlagen von den zurzeit 80 Mitarbeitern entwickelt, gefertigt und geprüft. „Wir gehören in Deutschland zu den Top 3 unserer Branche“, sagt Geschäftsführer Bernd Mähnss, der auch einer der drei Inhaber ist.

HPS-Anlagen stehen auch im BER-Flughafen

Vor zehn Jahren hat Mähnss das Unternehmen nach einem Management-Buy-Out gegründet und in der Norderstedter Oststraße eingerichtet. Auf 4000 Quadratmetern Büro- und Produktionsfläche werden dort mehr als 1000 Schaltanlagen im Jahr genau auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden zugeschnitten konstruiert und gebaut. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seitdem fast verdreifacht. Der Jahresumsatz soll in den nächsten zehn Jahren von jetzt zehn Millionen Euro verdoppelt werden, kündigt Prokurist Michael Grenz an. Die Liste der Einrichtungen, in denen HPS-Anlagen stehen ist lang: Die Rechenzentren in Hamburg und Norderstedt, das Universitätskrankenhaus Eppendorf, das Krankenhaus St. Georg und die Charité in Berlin, das Volksparkstadion, die Davidwache und die Fabrikhallen von Audi in Ingolstadt, BMW in München, Porsche in Stuttgart und Daimler in Sindelfingen, die Flughäfen in Hamburg-Fuhlsbüttel, Köln-Bonn, Abuja in Nigeria oder Jedda in Saudi-Arabien. Auch der neue, noch nicht fertiggestellte BER-Flughafen in Berlin sei mit der HPS-Steuerung ausgerüstet, erklärt Grenz. „Die haben wir dort schon 2010 eingebaut und sie funktioniert einwandfrei“, versichert der kaufmännische Leiter. Denn solange der neue Flughafen nicht fertig sei, würde sie vom Airport Schönefeld genutzt, der direkt nebenan liegt.

Ihre Steuerung sorge dafür, dass die Notstrom-Anlage innerhalb von 15 Sekunden nach dem Stromausfall einwandfrei funktioniere und dabei stufenweise zugeschaltet werde, um Überlastungen im Netz zu verhindern. „Da wird im Krankenhaus als erstes der OP-Saal wieder zugeschaltet und als letztes die Herrentoilette“, erklärt Prokurist Grenz das Prinzip. Die größte Einzelanlage habe HPS für den Bau des neuen Flughafens in der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer geliefert. „Das waren 120 Schaltschränke, die 46 Notstrom-Aggregate gleichzeitig steuern können“, sagt Geschäftsführer Mähnss. Mit 2,3 Millionen Euro sei das auch der größte Einzelauftrag gewesen.

In Saudi-Arabien konnte das Norderstedter Unternehmen von Anfang an Fuß fassen, weil es gleich nach Firmengründung 2010 die weltweit größte Frauen-Universität in Riad mit ihren High-Tech-Schaltschränken für die Notstromversorgung ausgestattet hat. „Da haben wir uns gleich sehr gut eingeführt und Vertrauen aufgebaut“, sagt Geschäftsführer Mähnss.

Saudi-Arabien ist für HPS ein wichtiger Markt

Solche Aufträge verlangten nicht nur intensive Kontakte zu den Kunden, sondern auch persönliche Beziehungen, die sich nur über Jahre aufbauen ließen. Und so baue HPS aktuell die Schaltanlagen für die Notstromaggregate in 50 Bahnhöfen im neuen U-Bahn-Netz in Saudi-Arabien, wofür Siemens die Triebwagen herstelle. Und in den Vereinigten Arabischen Emiraten würden sie gerade neueste Schaltanlagen für das Baraka-Projekt entwickeln, das erste Atomkraftwerk in dem Wüstenstaat. Das erfordere eine sehr enge Zusammenarbeit, weshalb HPS dort jetzt auch ein Tochterunternehmen gegründet habe.

Für das Projekt in der Moschee in Mekka bedurfte es natürlich auch muslimischer Mitarbeiter, von denen sein Unternehmen eine Handvoll beschäftige, erläutert Prokurist Grenz. „Denn Christen dürfen den heiligen Ort nicht betreten.“ Um die Mitarbeiter zu motivieren, gebe es zahlreiche Aktionen und Vergünstigungen. Das reiche von einer betrieblichen Altersversorgung und Zahnzusatz-Versicherung über gemeinsames monatliches Grillen in der Firma, Sportangebote wie Bowling oder Teilnahme beim Hanse-Marathon oder Firmenlauf um den Norderstedter Stadtparksee bis zu Rückenschule und Massage für die Mitarbeiter. „Da macht auch jeder mit, vom Handwerker bis zum Chef“, erklärt Grenz. Die 100-Prozent-Übernahme-Quote für die eigenen Auszubildenden trage auch zur Zufriedenheit der Belegschaft bei.

Ministerpräsident Daniel Günther zeigte sich jüngst bei einem Firmenbesuch begeistert von dieser Unternehmensphilosophie, „die mit solchen Soft-Skills die Stimmung und das Betriebsklima fördert“. HPS will weiter wachsen und sich entsprechend auf die Zukunft vorbereiten. So sei es dem Betrieb gelungen, die Konstruktion von Schaltplänen komplett zu digitalisieren. Dadurch würde sich diese aufwendige Arbeit von ein bis zwei Tagen auf nur noch 30 Minuten reduzieren. Mit dem QR-Code könnte jeder Kunde und Servicetechniker sich die notwendigen Dokumente und Unterlagen in Sekundenschnelle auf den Laptop laden. „Damit haben wir jetzt einen Vorsprung von drei Jahren gegenüber unseren Mitbewerbern, den wir natürlich für unser Umsatz-Wachstum nutzen wollen“, erklärt Prokurist Grenz.

Und weil der übliche Dieselmotor bei Stromaggregaten wegen des akuten Klimawandels in absehbarer Zeit durch erneuerbare Energieformen ersetzt werden dürfte, sei HPS gerade dabei, seine Schaltanlagen darauf umzustellen. HPS-Chef Mähnss: „Wir sind auf den Zug der Energiewende aufgesprungen und wollen ein grünes Unternehmen werden.“