Norderstedt
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Elektro-Autos: Die doppelte Angst der Autofahrer

Diskutierten über die Mobilität der Zukunft: Dennis Wischnewski (Stadtwerke, v.l.), Umweltpsychologe Christian Hoffmann, Britta Oelrich (HH Hochbahn), Baudezernent Thomas Bosse und Christian Hieff (ADAC). 

Diskutierten über die Mobilität der Zukunft: Dennis Wischnewski (Stadtwerke, v.l.), Umweltpsychologe Christian Hoffmann, Britta Oelrich (HH Hochbahn), Baudezernent Thomas Bosse und Christian Hieff (ADAC). 

Foto: Burkhard Fuchs

Reichweite fehlt, Fahrzeuge verlieren zu schnell an Wert – rund 100 Norderstedter diskutieren mit Experten über die Verkehrswende.

Norderstedt.  54 Ladestationen soll es bis zum Jahresende in Norderstedt geben. Damit tue die Stadt im Verhältnis zur Bevölkerung mehr als Hamburg mit seinen 1000 Ladepunkten. Das sagte Dennis Wischnewski von den Stadtwerken Norderstedt, die wieder zur Diskussion „Werk im Dialog“ eingeladen hatten. Rund 100 Norderstedter wollten hören, wie die Fachleute die Verkehrswende angehen würden.

Doch die 150 E-Autos auf Norderstedter Straßen, davon ein Drittel im Fuhrpark der Stadt, seien noch keine Gefahr für die lärmenden Fahrzeuge mit ihren schädlichen Abgasen. Das liege vor allem an der doppelten Angst der deutschen Autofahrer, erklärte Mobilitätsforscher und Umweltpsychologe Christian Hoffmann. Viele fürchteten, das E-Auto könnte zu schnell an Wert verlieren, und sie müssten es ständig wieder aufladen, weil die Reichweite zu gering sei. Zudem seien E-Autos auch deutlich teurer und in der Energiebilanz erst dann besser als der Verbrennungsmotor, wenn sie ständig fahren, warnte ADAC-Hanse-Sprecher Christian Hieff vor zu viel E-Auto-Euphorie. Wenn jeder Norderstedter Haushalt über E-Autos verfügte, würde sich auch der Stromverbrauch verdoppeln, sagte Wischnewski.

Wie sehr die meisten Leute dem Individualverkehr verhaftet sind, bewies der Kommentar eines älteren Ehepaares, das sein 18 Jahre altes Auto lieber weiterfahren möchte als zu den entfernt liegenden Ladestationen laufen zu müssen. Darum müsste endlich das individuelle Parken stark verteuert werden, forderte ein Zuschauer und fand in Baudezernent Thomas Bosse einen Anhänger.

Die Stadt Wien habe so ihre Verkehrsprobleme recht gut gelöst, sagte er. Über den Stellplatz-Nachweis bei Bauprojekten sei dies aber nur schwer zu regeln, weil diese Kosten auf die Miete aufgeschlagen würden. Darum setze er auf Car-Sharing und komfortable Angebote, autonom fahrende Autos, per Smartphone-App zu bestellen, um dann zur nächsten U-Bahnstation oder Parkgarage gefahren zu werden. Im Stadtpark soll 2020 ein selbstfahrender Bus getestet werden. Der Pkw-Anteil müsse reduziert und der des öffentlichen Nah- und Radverkehrs gefördert werden.

Das war auch das Credo von Britta Oehlrich von der Hamburger Hochbahn. „Unser Ziel ist es, das Auto aus den Städten rauszukriegen und den ÖPNV zu steigern. So können wir die freiwerdenden Flächen für neuen Lebensraum nutzen, und die Mieten würden sinken.“