Verkehr

So will Norderstedt Staus auf der Nord-Süd-Achse verhindern

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Michael Schick
Zu den Hauptverkehrszeiten bilden sich lange Schlangen auf der Niendorfer Straße.

Zu den Hauptverkehrszeiten bilden sich lange Schlangen auf der Niendorfer Straße.

Foto: Michael Schick

23.000 Fahrzeuge pro Tag überlasten die Niendorfer Straße. Mit einem neuen Konzept soll der Kollaps abgewandt werden.

Norderstedt.  Morgens und nachmittags lange Staus, genervte Autofahrer und verärgerte Anwohner: Der Straßenzug Niendorfer Straße/Friedrichsgaber Weg ist neben der Ulzburger und der Schleswig-Holstein-Straße die wichtigste Nord-Süd-Verbindung in Norderstedt. Das schlägt auf den Verkehrsfluss auf der Westtangente durch. Zu den Hauptverkehrszeiten bilden sich lange Schlangen, wer am Morgen Richtung Hamburg und am Abend Richtung Hen­stedt-Ulzburg unterwegs ist, braucht viel Geduld.

Doch nun soll alles besser werden: Die Verwaltung hat in Abstimmung mit einem externen Gutachter ein Maßnahmenbündel geschnürt. Das Konzept sieht zwei Bausteine vor: Im Wesentlichen soll die Ampelsteuerung optimiert und die Kreuzung Friedrichsgaber Weg/Friedrich-Ebert-Straße umgebaut werden. Weiter schlägt das Gutachten vor, die Buskaps zu Busbuchten umzubauen, damit sich die Autos nicht hinter den Linienbussen stauen.

Diese bauliche Veränderung ist, wie auch die Einrichtung einer Rechtsabbiegespur vom Ohlenhoff in die Niendorfer Straße und einer Linksabbiegespur von der Niendorfer Straße in den Ohlenhoff, langfristig vorgesehen. Beschlossen hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr hingegen mehrheitlich den ersten Teil, für den 105.000 Euro außerplanmäßig bereitstehen.

Die Gutachter bestätigen, was Anwohner und Autofahrer täglich erleben: „Die Verkehrsbelastung ist mit 23.000 Fahrzeugen pro Tag sehr hoch.“ Dramatischer klingt das Fazit der Experten: Steigt die Belastung weiter und wird nicht gegengesteuert, werde es zum Verkehrskollaps kommen.

Klar ist: Der Verkehr wird weiter zunehmen. Zum einen wächst die Einwohnerzahl Norderstedts kontinuierlich, zum anderen wird die Verlängerung der Oadby-and-Wigston-Straße nach Norden in wenigen Wochen fertig sein – voraussichtlich ab Pfingsten sollen die Autos über den neuen Straßenabschnitt rollen. Damit schließt sich der Straßenring um Norderstedt, die Autofahrer können von der Autobahn 7 über Kohtla-Järve-Straße, Beim Umspannwerk, Lawaetzstraße und Oadby-and-Wigston-Straße weiter über Friedrichsgaber Weg und Niendorfer Straße Norderstedt im Westen umfahren.

Neubau und Ausbau von Straßen sind unrealistisch

„Ich wohne seit 1967 hier. Und wie sich der Verkehr entwickelt, das ist einfach dramatisch und nervig. Und mit der Verlängerung der Oadby-and-Wigston-Straße dürfte es nochmals mehr werden“, sagt Hans Schwarz, der an der Niendorfer Straße lebt. Und immer wieder zeigten sich durch die hohe Belastung Risse in der Fahrbahn. „Ich brauche manchmal zehn Minuten, um von meinem Grundstück runterzukommen“, sagt Nachbar Frank Dunkelmann. „Ich stehe schon auf der Friedrich-Ebert-Straße im Stau und das setzt sich auf dem Friedrichsgaber Weg fort“, sagt Svenja Ploog, die aus Bad Bramstedt nach Norderstedt zur Arbeit fährt. Auch Dirk Meckum braucht Geduld, wenn er aus der Nähe von Reinfeld zum Job nach Norderstedt aufbricht. „Das Warten gehört dazu“, sagt er.

Neue Straßen und der Ausbau von Straßen für den unter dem Verkehr ächzenden Straßenzug sind nicht realistisch, sagen die Gutachter. Daher bleibe im Wesentlichen nur, die Ampeln besser zu schalten. Den Verkehrsfluss stören zum einen die festen Grünzeiten für Fußgänger und Radfahrer – die bekommen auch Grün, wenn niemand über die Straße will, sodass die Autofahrer warten müssen. Das will die Verwaltung ändern, die Ampeln sollen nur dann grünes Licht geben, wenn Passanten und Radler das anfordern. Und auch die Ampelphasen für den Autoverkehr sollen künftig mit neuen, innovativen Steuerungsprogrammen deutlich variabler werden.

Im einzelnen sieht das Konzept folgende Maßnahmen vor:


Kreuzung Friedrichsgaber Weg/Friedrich-Ebert-Straße: Das ist der einzige Knotenpunkt, der umgebaut wird, voraussichtlich 2020. Der östliche Teil der Friedrich-Ebert-Straße wird leicht nach Süden versetzt, sodass eine „gerade“ Überquerung des Friedrichsgaber Wegs möglich wird. Der Umbau ist möglich, da die Stadt jetzt die dafür nötigen Flächen besitzt.

„Dann können wir auch die Ampelphasen für den Ost-Westverkehr gleichschalten. Das musste bisher alternierend geschehen, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen“, sagt Mario Kröska, zuständiger Bereichsleiter im Norderstedter Rathaus. Der Fahrbahnteiler wird abgebaut. Zudem werden Linksabbiegespuren vom Friedrichsgaber Weg in die Friedrich-Ebert-Straße und von der Friedrich-Ebert-Straße in den Fried­richsgaber Weg eingerichtet.


Kreuzung Ochsenzoller Straße/Ohlenhoff: Einrichtung einer Stauerkennung für Linksabbieger in Richtung Ohlenhoff. „Wenn dem Steuerungsprogramm schon deutlich vor dem Staupunkt der Stau gemeldet wird, kann es die Ampeln entlang der gesamten Strecke entsprechend schalten und beispielsweise die Grünphasen für den Süd-Nord-Verkehr verlängern“, sagt Kröska.


Einmündung Obi/Plambeck: Die Abbieger von der Niendorfer Straße Richtung Obi und Plambeck sollen ein eigenes Ampelsignal bekommen.


Niendorfer Straße/Gutenbergring Nord: Die Verwaltung will einen separaten Signalgeber für den Verkehr aus dem Gutenbergring in die Niendorfer Straße einrichten.


Einmündung Nordportbogen: Auch hier soll die Ampelsteuerung flexibler werden und sich stärker als bisher dem Verkehr anpassen.

Eine Übersicht über die geplanten Maßnahmen finden Sie in Ihrer Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.

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