Norderstedt
Kommunalrecht

Tangstedter wollen die Fusion mit Norderstedt

Das Schild am Ortsausgang von Tangstedt.

Das Schild am Ortsausgang von Tangstedt.

Foto: Herbst / HA

Eine Initiative von Politikern, Unternehmern und Bürgern will nach Norderstedt – doch im Ort ist das Thema politisch höchst umstritten.

Tangstedt/Norderstedt.  Die Bereitschaft und das Ziel bleiben unverändert: Ein Zusammenschluss Tangstedter Bürger – darunter Kommunalpolitiker, Privatleute und Unternehmer – will, dass ihre Heimatgemeinde perspektivisch ein Stadtteil von Norderstedt wird. Darüber berichtete das Abendblatt bereits Anfang des Jahres. Seitdem ist es ein großes Gesprächsthema im Ort, die Meinungen gehen stark auseinander. Im Frühjahr und Sommer soll nun die nächste Phase der Initiative starten.

„Dass wir in Norderstedt willkommen sind, ist klar“, sagt Eckhard Harder, Ortsvorsitzender der CDU. Mit den Christdemokraten und der FDP sind er und seine Mitstreiter regelmäßig im Austausch. „Und mit der Fraktion Wir in Norderstedt (WiN) waren es ähnlich gute Gespräche.“

In Norderstedt ist die Politik angetan von der Idee, einen neuen Stadtteil Tangstedt zu gewinnen

Reimer Rathje, Fraktionschef der WiN, hatte von den Plänen der Tangstedter gehört. „Und wir fragten uns: Ist das ein seriöses Anliegen? Deswegen suchten wir das Gespräch mit den Initiatoren der CDU-Tangstedt.“ Es seien sehr angenehme Gespräche gewesen. „Es zeigt sich, dass die Fusion Tangstedts mit Norderstedts beiden Seiten viel bringt“, sagt Rathje. „Tangstedt hat nicht die finanziellen Mittel und das Know-how, um viele Dinge umzusetzen – mit Norderstedt gemeinsam könnten Projekte realisiert werden, die im Interesse beider Seiten stehen.“ Rathje meint damit unter anderem das Entwickeln gemeinsamer Gewerbegebiete an der Schleswig-Holstein-Straße oder die Zusammenarbeit beim Wohnungsbau.

In Tangstedt hingegen kämpft Eckard Harder mit dem Vorwurf, die Gemeinde würde seine Identität verlieren, wenn sie in Norderstedt aufgehe. „Eigenständig sind wir seit zehn Jahren nicht mehr.“ Als Teil des Amtes Itzstedt würden die die Tangstedter Interessen nicht so repräsentiert, wie es sein müsste – obwohl man die größte Amtsumlage zahle. Historisch fühlten sich viele Tangstedter dem Norderstedter Stadtteil Glashütte näher. „Das ist nicht vergleichbar mit Itzstedt.“

Tangstedt ist chronisch klamm und kann keine Projekte umsetzen

Harder macht sich große Sorgen um die Zukunft seiner Gemeinde. Der chronisch defizitäre Haushalt schränke die Handlungsfähigkeit der Kommune ein. Hinzu komme – und das sei im Prinzip auch Konsens in der Politik – der nur sehr langsame Fortschritt bei der Entwicklung neuer Wohn- und Gewerbeflächen. Das wäre anders, wenn die Verwaltung der großen Nachbarkommune und die dortige Entwicklungsgesellschaft übernehmen würden.

Die Hürden für ein Zusammengehen Tangstedt und Norderstedts sind hoch – politisch gesehen. Die Stormarner Kommunalaufsicht teilte mit, es sei rechtlich nicht möglich, die Loslösung aus Amt und Kreis per Bürgerentscheid herbeizuführen. Aber es gibt einen anderen Weg, der nun auch gegangen werden soll. Die Schleswig-Holsteinische Gemeindeordnung (Paragraf 16f) sieht einen Einwohnerantrag vor. Dieser würde in der Gemeindevertretung gestellt und müsste von fünf Prozent aller Tangstedter über 14 Jahren unterzeichnet sein. Theoretisch würde dazu die Mehrheit von CDU und FDP in der Gemeindevertretung ausreichen – diese beiden Fraktionen stellen elf von 21 Mandatsträgern. Nur: Bürgermeister Jürgen Lamp, ein Christdemokrat, ist kein Freund der Lossagung von Itzstedt, er verhält sich bewusst neutral. Deswegen könnte es auf die Grünen ankommen, ob der Prozess politisch überhaupt entscheidend vorangebracht werden kann. Denn dass die SPD oder die Bürgergemeinschaft mitgehen, gilt als ausgeschlossen.

Harder geht trotzdem davon aus, dass die Fusion möglich ist. Um öffentlich um Unterstützung zu werben, soll gemeindeweit großflächig plakatiert werden, dazu sonnabends ein Infostand am Nahversorgungszentrum Eichholzkoppel und vielleicht auch einer in Wilstedt eingerichtet werden. „Und wir sollten auch an die Haustüren gehen“, sagt der CDU-Chef.

Der Stormarner Landrat Görtz hält von der Idee nicht viel

Und was hält der Kreis Stormarn von den Abwanderungsgedanken Tangstedts? Stormarns Landrat Henning Görtz hat erst kürzlich von der Initiative erfahren. Dass Tangstedt künftig zu Norderstedt gehören wird, hält er zwar grundsätzlich für möglich, aber „ich finde es nicht sinnvoll“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass sich die Situation verbessert, wenn Tangstedt als größte Gemeinde des Amtes Itzstedt zum kleinsten Ortsteil von Norderstedt wird.“ Görtz ist davon überzeugt, dass die Gemeinde von ihrer Eigenständigkeit profitiert. Zwar wisse er, dass man in Tangstedt schon länger unzufrieden ohne eine eigene Verwaltung ist. „Aber daran muss man arbeiten. Diese Unzufriedenheit lässt sich nicht beseitigen, indem Tangstedt ein Ortsteil von Norderstedt wird.“