Norderstedt
Wirtschaft

Norderstedter Firma macht das Fliegen sicherer

TP-Aerospace-Chef Frank Rott in der neuen Europa-Zentrale an der Werkstraße in Norderstedt: „Wir bieten den Airlines das Rundum-sorglos-Paket.“.

TP-Aerospace-Chef Frank Rott in der neuen Europa-Zentrale an der Werkstraße in Norderstedt: „Wir bieten den Airlines das Rundum-sorglos-Paket.“.

Foto: Burkhard Fuchs / fuchs

TP Aerospace hat sich an der Werkstraße neu angesiedelt. Zunächst mit 80 Mitarbeitern, doch das Unternehmen will weiter wachsen.

Norderstedt. Der Wirtschaftsstandort Norderstedt wächst kräftig weiter. Das zeigt sich nicht nur an den stetig steigenden Gewerbesteuer-Einnahmen, die in den Jahren 2017 und 2018 mit jeweils rund 100 Millionen Euro neue Höchststände erreichten. Die wachsende Stadt lockt auch immer mehr expandierende, erfolgreiche Unternehmen an.

Nach dem Umzug des Klebemittelherstellers Tesa, der 2015 für 160 Millionen Euro seine neue Firmenzentrale mit 900 Mitarbeitern von Hamburg-Eimsbüttel nach Norderstedt verlagerte, dürfte die Ansiedlung von TP Aerospace jetzt im Gewerbegebiet Oststraße der nächste lukrative Coup für den hiesigen Wirtschaftsstandort sein. Auf dem ehemaligen Gelände des Jacken-Herstellers Wellensteyn an der Werkstraße hat das junge, stark wachsende Unternehmen mit Verwaltungssitz in Kopenhagen für rund zwei Millionen Euro seine neue technische Europa-Zentrale errichtet.

Firma versorgt 590 Flugzeuge von 200 Fluggesellschaften

Erst vor elf Jahren von den beiden Dänen Thomas Ipso und Peter Lyager gegründet, nach deren Vornamen-Initialen TP Aerospace benannt ist, versorge das Unternehmen inzwischen 590 Flugzeuge von 200 Fluggesellschaften in 75 Ländern der Welt mit neuen und komplett überholten Rädern und Bremsen, erklärt Norderstedts Geschäftsführer Frank Rott.

Mit 80 Mitarbeitern sei sein Betrieb – einer von zurzeit noch acht Standorten weltweit – von Quickborn nach Norderstedt umgezogen. „In Quickborn, wo wir im Jahr 2010 mit zwölf Mitarbeitern anfingen, hatten wir nicht genug Platz für unsere Produktionsstraßen“, sagt Rott. „Denn wir bieten den Fluggesellschaften ein Rundum-sorglos-Paket an.“ Soll heißen: TA Aerospace wartet, überholt, repariert und hält das gesamte Brems- und Rädersystem des Flugzeuges instand.

Das Geschäftsmodell basiert auf einer Art Leasingvertrag. Die bis zu 22 Räder, die größer als die von Traktoren sein können, sowie die Mehrfachbremsscheiben, die bei einer Landung das Flugzeug in kürzester Zeit zum Stillstand bringen müssen, werden ständig auf neuestem Stand gehalten und den Airlines zur Verfügung gestellt.

Kompletter Kundendienst quasi für eine Mietgebühr

TA Aerospace unterhalte dabei die fünffache Menge an benötigten Rädern im Kreislauf, erläutert Rott die Firmenstrategie: Ein Satz sei mit dem Flieger unterwegs, einer in Reparatur, einer in Bearbeitung und jeweils einer auf dem Weg in die Werkstatt nach Norderstedt beziehungsweise wieder zurück zum Kunden. Durch diesen Kreislauf würde für ein Höchstmaß an Sicherheit der Flugzeuge gesorgt, mit denen TA Aerospace diesen kompletten Kundendienst quasi für eine Mietgebühr arrangiere. Die Räder, die bei Flugzeugen anders als beim Auto noch aus reinem Kautschuk bestehen, gehören TA Aerospace. Ein Satz Reifen, so Rott, halte 250 Landungen aus und müsse je nach Einsatzzahlen nach ein bis zwei Monaten ausgetauscht werden. Bremsen hielten mit 1500 Landungen etwas länger.

Die Produktionshalle ist jetzt 5200 Quadratmeter groß

In der jetzt 5200 Quadratmeter großen Produktionshalle auf dem 7500 Quadratmeter großen Areal an der Werkstraße werden Flugzeugräder und -bremsen systematisch erneuert. Das alte Material wird dabei komplett entfernt und abgebaut, die Felgen der Räder sogar in der eigens für 140.000 Euro angeschafften Lackierkabine neu lackiert und wieder mit neuen Reifen bestückt. Dabei wird in genau festgelegten Arbeitsschritten, die auf drei Fließbandstraßen gleichzeitig ablaufen können, das Material nach möglichen Schäden und Rissen genau untersucht. Bei besonderen Schweißarbeiten und Bremstests wird das neue Material auf seine Tauglichkeit hin überprüft und nach den Vorschriften des Luftfahrtbundesamtes, das auch Kontrollbehörde sei, wieder hergestellt. Jedes Teil verfüge über ein behördlich genehmigtes Zertifikat, bevor es wieder ausgeliefert werden könnte, erläutert der Geschäftsführer.

Da die Mehrfach-Bremsscheiben mit bis zu 400 Bar und die Räder mit bis zu 25 Bar Luftdruck aufgepumpt werden müssten, gibt es spezielle Sicherheitskäfige und Schutzvorrichtungen, damit sich kein Mitarbeiter verletzten kann. Zudem werde durch höhenverstellbare Arbeitsbänke auch für ein ergonomisches Arbeiten gesorgt.

Zahl der Standorte soll ich auf 16 verdoppeln

„Unser Unternehmen wächst weiterhin stark“, kündigt der Norderstedter TP-Aerospace-Chef an. So soll sich bis Ende des kommenden Jahres die Zahl der Standorte auf 16 verdoppeln. Die Zahl der weltweit Beschäftigten wird dann von zurzeit 270 auf 360 ansteigen. Der Jahresumsatz mit 111 Millionen Euro im vergangenen Jahr hat sich seit 2014 verdreifacht, der Gewinn nach Steuern im selben Zeitraum auf zehn Millionen versechsfacht.