Norderstedt
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CDU befürchtet Benachteiligung von Autofahrern

Der Radfahrer, gleichberechtigt auf vielen Straßen in der Stadt – ein Ziel des Radverkehrskonzeptes der Stadt Norderstedt.

Der Radfahrer, gleichberechtigt auf vielen Straßen in der Stadt – ein Ziel des Radverkehrskonzeptes der Stadt Norderstedt.

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Die CDU hat Bedenken gegen das Norderstedter Radverkehrskonzept. Es könnte Fußgänger und Autofahrer zu sehr einschränken.

Norderstedt.  Das Ziel der Stadt Norderstedt für den Fahrradverkehr in der Stadt ist klar formuliert: Bis 2030 sollen im Vergleich zu heute 50 Prozent mehr Menschen das Rad für die Fortbewegung in der Stadt nutzen als das heute der Fall ist. So steht es im umfangreichen Radverkehrskonzept der Stadt festgeschrieben.

Seit 2003 wird das Konzept verfolgt, jetzt liegt die zweite überarbeitete Version des Konzeptes der Politik zur Abstimmung vor. Es sieht vier Velorouten für Norderstedt vor, auf denen die Radfahrer mit Vorrang vor Autos und Fußgängern durch die Stadt radeln sollen. Dazu mehr Fahrradstraßen, auf denen Zweiräder dem Auto gleichgestellt sind, Radfahrstreifen auf den Straßen, die von Autofahrern respektiert werden müssen, und viele weitere Eingriffe in der Verkehrsinfrastruktur.

Über jede Maßnahme im Konzept soll einzeln beschlossen werden

Als das opulente Konzept jetzt im Verkehrsausschuss zur pauschalen Beschlussfassung vorlag, grätschte die CDU-Fraktion mit einem Änderungsantrag dazwischen – und diesem Antrag schlossen sich die anderen Fraktionen an. „Wir wollten nicht mit einem Votum das komplette Konzept beschließen“, formuliert CDU-Fraktionschef Peter Holle seine Bedenken. Das 150-Seiten-Papier sehe sehr viele Maßnahmen vor, die unterschiedlich stark andere Verkehrsteilnehmer zugunsten des Radverkehrs einschränken würden. „Verkehrsverhinderung durch Verkehrsbehinderung darf nicht das Leitziel der Stadt sein, vielmehr geht es um ein geordnetes Miteinander“, sagt Holle. Die Politiker beschlossen, dass jede konkrete Maßnahme, die aus dem Radverkehr folgt, einzeln und nacheinander im Verkehrsausschuss auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft und erst dann beschlossen werden soll. Den pauschalen Freibrief für das Konzept gibt es also nicht.

Damit greift der Ausschuss die Bedenken der Bürger auf, die mit dem Ziel der fahrradfreundlichen Stadt fremdeln. Weil sie selbst nicht Fahrrad fahren und das auch bis 2030 nicht vorhaben. Die sich aber als Fußgänger oder Autofahrer nicht mehr wahrgenommen fühlen.

„Ich denke schon, dass in Zukunft der Fahrradverkehr eine wichtige Rolle in der Stadt hat. Aber wir sind in Norderstedt noch lange nicht so weit“, sagt Holle. Er kritisiert, dass die Entscheidungen im Radverkehrskonzept auf den Wünschen und Meinungen von viel zu wenig Bürgern basieren.

Die Meinung aller Bürger ist gefragt – nicht nur der Radler

Die von der Stadt beauftragten Mobilitäts-Experten des Büros teamred aus Berlin haben das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Norderstedter Fahrradforum fortgeschrieben. Im Forum sitzen Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der Politik, der Polizei sowie Vertreter der Fahrradverbände ADFC und VCD. Die Meinung der Bürger gaben 50 Radfans in einem Workshop, 190 Befragte auf der Straße, 1147 Schüler per Fragebogen und 118 Mitarbeiter der Verwaltung in einer Online-Umfrage wieder. „Diese Gruppen können unmöglich die Wünsche der gesamten Bevölkerung widerspiegeln“, sagt Holle. Für die Entscheidung zu den einzelnen Maßnahmen im Konzept brauche es deswegen einen weitaus größeren Rückhalt unter den Bürgern.

Der grundsätzliche Webfehler des Konzeptes ist auch Sicht von Holle auch die generelle Aussage, in den nächsten zehn Jahren den Radverkehrsanteil um 50 Prozent zum Stand heute zu erhöhen. „Das Konzept sagt allerdings nicht, wie viele Menschen in dieser Stadt heute tatsächlich das Rad nutzen.“ Um die Ziele des Radverkehrskonzeptes „emotionsfrei und sachlich“ zu verfolgen, wäre das aber doch die wichtigste Grundlage. Thomas Möller, Projektleiter von teamred für Norderstedt, sagt: „Es gab da eine Datengrundlage. Aber die wurde als zu wenig aussagekräftig verworfen. Diese Zählungen sind sehr aufwendig, weil sie mit Haushaltsbefragungen einhergehen. Für Norderstedt muss eine Datengrundlage auch durch ein Monitoring mit Dauerzählstellen an Radwegen geschaffen werden.“

In dieser Woche sind zwei Workshops geplant

Was genau nun mit den 70 Kilometern an Radwegen in der Stadt geschehen wird, darüber sollen die Bürger stärker als bisher mitentscheiden. In dieser Woche sind zwei Workshops für die Erarbeitung der Velorouten angesetzt. Der Workshop für die Veloroute 1 – die bereits existiert und entlang der Bahngleise von Friedrichsgabe nach Hamburg-Langenhorn führt – ist am Mittwoch, 27. März, von 18.30 Uhr an im Oadby-and Wigston-Saal in der „TriBühne“ am Rathaus. Über die Veloroute 3, die zwischen Norderstedt-Mitte und Glashütte verläuft, wird am Donnerstag, 28. März, von 18.30 Uhr an in der Mensa der Gemeinschaftsschule Harksheide am Exerzierplatz 20 diskutiert.

Die Routen wurden von der Stadt im Internet dargestellt, und die Bürger konnten hier bereits ihre Hinweise und Wünsche loswerden. In den Workshops will die Stadt die Online-Ergebnisse präsentieren. Gemeinsam mit den Bürgern sollen dann „Maßnahmen- und Handlungsempfehlungen“ für die Realisierung der Routen erarbeitet werden – zur Wiedervorlage im Verkehrsausschuss.