Norderstedt
Norderstedt

Am Herold-Center könnte ein Radparkhaus entstehen

Keine Chance, sein Fahrrad abzustellen: Die Abstellanlagen für Räder rund um das Herold-Center und die U-Bahn-Garstedt sind täglich überfüllt

Keine Chance, sein Fahrrad abzustellen: Die Abstellanlagen für Räder rund um das Herold-Center und die U-Bahn-Garstedt sind täglich überfüllt

Foto: Niels Feind

Die Fahrradabstellanlagen rund um das Einkaufszentrum in Norderstedt sind chronisch überfüllt. Die Lösung könnte vollautomatisch sein.

Norderstedt. Wer in Garstedt rund um das Herold-Center schon mal vergebens nach einem sicheren Abstellplatz für sein Fahrrad gesucht hat, der wird sich sicher darüber freuen, dass Politik und Verwaltung den Bau eines Fahrradparkhauses an dem Standort planen. Angedacht wird ein betreutes Parkhaus mit einer Kapazität von etwa 440 Stellplätzen. Möglich ist aber auch der Bau von sogenannten Bikesafes – das sind vollautomatische Türme, die auf acht Ebenen über 120 Räder einlagern.

„Nachdem wir in Norderstedt Mitte unsere erste Radstation eröffnet haben, wollen wir nun in unserer Strategie zur Schaffung von mehr sicheren Radabstellanlagen in Garstedt den nächsten Schritt machen“, sagt Mario Kröska, Verkehrsplaner im Rathaus Norderstedt. Die Standorte Mitte und Garstedt seinen dabei allerdings nur schwer vergleichbar. Die Nutzerstruktur sei eine komplett verschiedene. „In Mitte sind es doch hauptsächlich Pendler, die morgens kommen und ihre Räder abstellen, um auf die Bahn umzusteigen und die abends zurückkehren. Dazwischen ist die Frequenz geringer.“ In Garstedt müsse das Parkhaus die täglich etwa 7000 Nutzer der U-Bahn und die Kunden des Herold-Center bedienen. „Da sehe ich deutlich kurzfristigere Nutzungszeiten. Die Leute stellen das Rad ab, gehen ein oder zwei Stunden einkaufen und fahren wieder weg“, sagt Kröska.

Etwa 1000 Räder werden täglich am Herold-Center abgestellt

Für ein Konzept wie in Norderstedt-Mitte, mit Parkhaus und Radwerkstatt, seien längere Standzeiten ideal für die Service- und Wartungsangebote. „Die Werkstatt läuft gut“, sagt Kröska. Das 2015 eröffnete Parkhaus mit 450 Radstellplätzen ist längst nicht ausgelastet. 200 Abonnenten habe es, 160 Zeitkarten wurden ausgegeben.

Ein von der Stadt Norderstedt in Auftrag gegebenes Gutachten der Hannoveraner Planungsgemeinschaft Verkehr hat für ein mögliches Radparkhaus in Garstedt eine Kapazität von 440 Plätzen errechnet. Dafür haben sich die Gutachter die Situation am Herold-Center genau angeschaut: An einem Dienstag im September 2017 zählten sie 914 Räder, 481 davon wild in der Gegend angeschlossen und 433 in den überfüllten Abstellanlagen. Die meisten Räder (415) standen unter zwei Stunden, nur 245 zwischen sechs und zehn Stunden. Die Gutachter befragten 155 Personen, ob sie ein Parkhaus für 70 Cent Abstellgebühr am Tag und 70 Euro im Jahr nutzen würden. Eine knappe Mehrheit von 77 Personen gab an, ein Parkhaus nutzen zu wollen. Viele würden allerdings lieber 50 Cent am Tag zahlen und Monats- oder Saisonkarten bevorzugen.

Die Radfahrer in Norderstedt begrüßen die Planung des Radparkhauses

Bei einer spontanen Umfrage des Abendblattes unter Radfahrern am Herold-Center am Mittwoch, ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Radfahrerinnen Sophia und Sahra Festerling befürworten ein Radparkhaus. „Eine gute Sache. Wir sind zwar nicht sehr oft mit dem Fahrrad hier, aber das könnte sich dann ändern.“ Sie verbinden mit dem Radparkhaus ein Gefühl größerer Sicherheit. „Manchmal fahre ich morgens mit der U Bahn in die Stadt und bin besorgt, dass mein Fahrrad nicht mehr da ist, wenn ich zurückkomme“, sagt Sophia Festerling. „Wenn ich ein teures Fahrrad hätte und wüsste, dass es im Radparkhaus sicher wäre, würde ich das Angebot sicherlich nutzen“, sagt Sahra Festerling.

„Ich bin fast jeden Tag mit dem Fahrrad beim Herold Center und muss häufig nach einer Möglichkeit zum Abstellen suchen. Teilweise ist der Weg von meinem Fahrrad bis zum Herold Center deswegen relativ weit“, sagt Waltraud Banikat. „ich würde mich über ein Radparkhaus freuen.“

Thomas Stein hingegen hält nichts von der Idee: „Ich bin jeden Tag mit dem Fahrrad hier und habe eigentlich nie Probleme mein Fahrrad abzustellen.“ Die überdachten Abstellplätze seien immer voll, aber es gebe genug Bügel, um das Rad anzuschließen. „Wer nicht zu faul ist, den Weg in Kauf zu nehmen, der findet auch einen Platz für sein Fahrrad. Das Geld für ein Fahrradparkhaus könnte anderweitig besser investiert werden.“

Mario Kröska wird das Projekt in Garstedt jetzt konkretisieren. Die Kosten für ein herkömmliches Parkhaus wie in Mitte liegen laut Gutachten etwa bei 800.000 bis 900.000 Euro. Die Kosten für die Bikesafes liegen bei 440 Plätzen wohl bei 1,4 Millionen Euro. Was die Planung und die Beteiligung an den Kosten angeht, ist die Stadt im Gespräch mit dem HVV und dem Herold-Center-Betreiber ECE.