Norderstedt
Traditionssport

Norderstedts einziger Boßelverein löst sich auf

die Wietersmieter lassen nach zwölf Jahren die Kugeln ruhen. Mitgliederschwund und Überalterung der Boßler sind die Gründe.

Norderstedt. Die Norderstedter Wietersmieter – sie zählen zum Besten im Norden. Und zwar ganz offiziell. Detlev Buck, Regisseur („Karniggels“, „Männerpension“, „Die Vermessung der Welt“, „Bibi & Tina“) verewigte die gut gelaunte Boßeltruppe für den Norddeutschen Rundfunk in einem Weihnachtsspot 2012 für die überaus beliebte Serie von NDR-Kurzfilmen mit dem Titel „Das Beste am Norden“. Die Wietersmieter boßelten darin durch den Stadtpark, tranken Kurze und schließlich sagte Wietersmieter Karl Wilhelm in die Kamera: „Das Beste an Weihnachten sind unsere Kugeln!“

Und nun schickt die Vorsitzende Ute Oswald eine karge Mitteilung in die norddeutsche Tiefebene hinaus in der sie verkündet, dass sich die Wietersmieter, der einzige Boßelverein der Stadt Norderstedt und im gesamten Kreis Segeberg auflöst. Zwölf Jahre nach der Gründung litt der Verein unter Mitgliederschwund und Überalterung. Und nun ist eben Schluss.

Die Boßler finden keinen Nachwuchs mehr

„Leicht ist uns das natürlich nicht gefallen“, sagt Ute Oswald. „Aber wir sind jetzt nur noch 27 Mitglieder, wovon nur acht regelmäßig aktiv sind und von diesen acht sind fünf über 70 Jahre alte.“ Sie selbst werde jetzt 74 und habe all die Jahre mit viel Elan und Herzblut für den Verein gewirkt. „Aber jetzt habe ich auch keine Kraft mehr und ehrlich gesagt auch keine Lust.“

Die Wietersmieter haben ja nicht einfach so geboßelt, sondern sportlich. Obwohl sie sich bei ihrem Hollywood-Ausflug von Detlev Buck beim Kräuterlikörschlürfen filmen ließen, ist Alkohol beim Boßeln ansonsten tabu. „Wir waren im Boßel-Unterverband Steinburg organisiert und haben an sportlichen Wettkämpfen teilgenommen“, sagt Oswald. Was weite Fahrten bedingte und eine gewisse Mannschaftsstärke, damit man überhaupt antreten konnte gegen andere. „Umgekehrt erwarten andere Vereine dann auch, dass wir auch mal was ausrichten.“ Turniere etwa, oder wie letztes Jahr die Jahreshauptversammlung des Unterverbandes. Wenn man das als kleiner Verein mit wenigen Aktiven auf die Beine stellen muss und noch dazu tief im Rentenalter ist, stößt man schnell an Belastungsgrenzen.

„Wir haben ja wirklich alles versucht, um Nachwuchs für unseren Verein zu finden“, sagt Oswald. genutzt hat es nicht viel. Die meisten jüngeren Boßler würden zwar ab und an gerne mal eine Kugel durch die Gegend boßeln. „Aber die wenigsten haben Lust auf die ganze Vereinsmeierei. Die sehen das eher als einen lustigen Ausflug mit dem Bollerwagen – und mit Alkohol.“

Ein Schicksal, dass die Wietersmieter mit vielen anderen Boßelvereinen im ganzen Land Schleswig-Holstein teilen. „Die haben alle Probleme. Die junge Generation wächst nicht nach“, sagt Oswald. Doch es gibt noch Hoffnung. Oswald selbst hat den Boßelsport erst mit 45 Jahren bei einer privaten Geburtstagsrunde durch den Rantzauer Forst entdeckt. Außerdem bleibt der harte Kern der aktiven Wietersmieter zusammen und wird sich ab und an auf eine Runde Boßeln in Norderstedt verabreden. „Und wer irgendwas über das Boßeln wissen will, kann sich nach wie vor gerne an mich wenden“, sagt Ute Oswald.