Norderstedt
Europawahl in Norderstedt

Junge Europäer schätzen Frieden und Freiheit

Sie setzen auf Europa: Luca Hoppe (17), Emilie Wolf (17), Svenja Seemann (17), Sven Schröder (19), Raimund Welge (17) und Maxime Leberecht (16, von links) vom BBZ.

Sie setzen auf Europa: Luca Hoppe (17), Emilie Wolf (17), Svenja Seemann (17), Sven Schröder (19), Raimund Welge (17) und Maxime Leberecht (16, von links) vom BBZ.

Foto: Michael Schick

750 Schüler aus Norderstedt, Kaltenkirchen und Quickborn diskutierten in der TriBühne mit Politikern über Sinn und Zukunft der EU.

Norderstedt..  Sie sind Europäer, schätzen das Staatenbündnis. „Ich finde die Vielfalt gut und die Freiheit, die wir Unterschied zu anderen hier genießen“, sagt Sven Schröder (19). „Das heißt für mich auch die Chance, seine Meinung sagen zu können“, ergänzt Emilie Wolf (17). Und Maxime Leberecht (16) schätzt den Frieden, das Zusammenleben ohne Kriege, dass für den europäischen Kontinent keinesfalls selbstverständlich war. Dafür, dass das so bleibt, will sich die Schülerin einsetzen und ihre Stimme bei der Europawahl am 26. Mai abgeben.

Maxime, Sven und Emilie hatten sich vom Beufsbildungszentrum Norderstedt (BBZ) auf den Weg in die TriBühne gemacht, um sich auf die Wahl vorzubereiten und sich anzuhören, was die Parteien zu wichtigen Themen zu sagen haben. Insgesamt waren 750 Schüler aus Norderstedt, Quickborn und Kaltenkirchen in den Kultursaal gekommen, um mit Politikern über Europa zu diskutieren. Eingeladen zur Podiumsdiskussion hatte die Europa-Union Norderstedt in Kooperation mit der Stadt Norderstedt.

„Der Austausch unter den Jugendlichen über die EU ist groß. Sie wollen in ihren Anliegen ernst genommen werden und ihre Stimme im Parlament auch vertreten sehen“, sagte Organisator Patrick Pender vom Vorstand der Europa-Union, der selbst schon im EU-Parlament tätig war. Aufs Podium eingeladen hatte er Niclas Herbst (CDU), Marc Timmer (SPD), Helmer Krane (FDP), Rasmus Andresen (Bündnis 90/Die Grünen), Marianne Kolter (Die Linke), Gregor Voht (Freie Wähler) und Christian Waldheim (AfD), mit Herbst, Krane und Andresen waren drei schleswig-holsteinische Spitzenkandidaten dem Ruf gefolgt.

Nicht immer ist die Europäische Union der Buhmann

Moderator Pender hatte die Schüler vorher um Fragen gebeten, mehrere Hundert waren eingegangen. Daran entlang hangelte sich die Diskussion, Bildung, Digitalisierung, Klimawandel und Migration waren die Themenblöcke. Wie sicher ihre Daten sind, wollten die Schüler wissen. SPD-Mann Timmer wollte keine Sicherheitsgarantie geben. „Das hängt auch stark davon ab, welche Daten ich von mir wo freigeben.“ Das sah Christian Waldheim, der für die AfD in der Norderstedter Stadtvertretung sitzt, genauso. „Wenn man mehr Datenschutz will, ist man bei den Grünen genau richtig", machte Andresen gleich mal Werbung in eigener Sache, und er wies, wie seine Kollegen auf dem Podium darauf hin, dass nicht immer die Europäische Union der Buhmann sei.

Nicht die EU, sondern der Bundestag habe die Digitalsteuer kassiert, sagte Andresen und griff eine weitere Schüler-Frage auf. Wenn man die „Großen“ wie Google, Facebook oder Amazon treffen wolle, sei eine solche Steuer unverzichtbar. FDP-Kandidat Krane aus Bad Bramstedt forderte den Ausbau der vergleichsweise schwachen digitalen Infrastruktur. „Dafür muss die EU Geld bereitstellen, und das brauchen wir sofort.“ Und ein internationales Abkommen, um Steuerschlupflöcher zu schließen. CDU-Kandidat Herbst befürchtete Manipulationsversuche bei der Europawahl und begrüßte den Vorschlag von Frankreichs Präsident Macron, eine Task Forche einzurichten.

„Die Politik tut zu wenig, um den Klimawandel aufzuhalten. Deswegen ist der Friday for Future gut und notwendig. Ich fände es gut, wenn viele von Euch an dem Tag nicht zu Schule sondern für ihre Zukunft auf die Straße gehen“, sagte Asmussen, bekam Schützenhilfe von Linken-Politikerin Kolter und kräftigen Applaus der Jugendlichen.

Von Pender gab es Kritik für den Appell, er verwies auf die Schulpflicht und forderte die Schüler auf, in ihrer Freizeit zu demonstrieren. „Es kann doch nicht richtig sein, dass wir als Erwachsene darüber befinden, wann und zu welchen Themen ihr auf die Straße gehen dürft. Entweder gibt es grundsätzlich eine Demo-Erlaubnis oder eben, wie jetzt, ein Verbot“, sagte Herbst.

Marianne Kolter ging den Klimawandel pragmatisch an: „Jeder kann selbst dazu beitragen, Plastik zu vermeiden und zum Beispiel statt flüssigem Waschmittel Pulver kaufen. Das kann man auch in einer Tüte transportieren.“ Asmussen fand, dass das nicht reicht. Die Grünen wollen Mikroplastik in Kosmetika verbieten und dadurch den Plastikanteil bis 2030 um 50 Prozent reduzieren. „Wir brauchen dezentrale Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Häuser“, forderte Gregor Voht (Freie Wähler). Die Menschen müssten mitgenommen werden und selbst an der Energiewende mitarbeiten, dann könne sie auch gelingen.

Politiker haben zu viel drumherum geredet

Buhrufe und ironische Lacher gab es für AfD-Vertreter Christian Waldheim, der bestritt, dass der Klimawandel von Menschen gemacht sei. Marc Timmer erinnerte an den Welterschöpfungstag als Indikator für den Ressourcenverbrauch: „2018 waren die natürlichen Ressourcen schon am 1. August verbraucht, obwohl sei eigentlich bis zum Jahresende reichen sollten.“

Raimund Welge gefiel die Diskussion: „Ich fand es gut, dass es nicht Vorträge gab, sondern wir mit den Politikern in Interaktion treten konnten“, sagte der 17-jährige Schüler vom BBZ. Er und seine Altersgenossen seien zu Teil gar nicht so weit von den Positionen der Politiker. „Aus meiner Sicht haben sie allerdings zu viel um das Thema drumherumgeredet“, fand Mitschülerin Maxime Leberecht. Die 16-Jährige vermisste klare Aussagen, zum Beispiel zu der Frage, ob die Daten sicher sind. Auch Luca Hoppe (17) vermisste Klarheit. Ihm gefielen die konkreten Beispiele und Verhaltenstipps von Linken-Politikerin Kolter. Einig waren die Jugendlichen darin, dass es ein Privileg sei, in Deutschland frei leben und reisen zu können, wohin sie wollen. Und der Datenschutz sei hier auch besser als beispielsweise in den USA.