Norderstedt
Tangstedt

Politiker stimmen für Schließung der Rader Kita

Eine Prognose besagt, dass schon ab Sommer 2019 nicht einmal mehr die Hälfte der Plätze in der Gruppe benötigt werden (Symbolbild).

Eine Prognose besagt, dass schon ab Sommer 2019 nicht einmal mehr die Hälfte der Plätze in der Gruppe benötigt werden (Symbolbild).

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Die Außenstelle der Tangstedter Kindertagesstätten soll bis zum 31. Juli den Betrieb einstellen. Grund: Künftig nicht mehr genug Kinder.

Tangstedt. Die Schließung der „Rader Wühlmäuse“ steht so gut wie fest. Die Elementargruppe, eine Außenstelle der Tangstedter Kindertagesstätte Himmelszelt, soll nach dem Willen des Zentralausschusses ihren Betrieb zum 31. Juli dieses Jahres einstellen. Das Gremium folgte mit fünf zu zwei Stimmen der Empfehlung einer interfraktionellen Arbeitsgruppe – mit „Ja“ votierten CDU, Grüne und Bürgergemeinschaft, dagegen waren FDP und SPD.

Es gibt, so erläuterten es der Ausschussvorsitzende Michael Paulsen, Bürgermeister Jürgen Lamp (beide CDU) und die Hauptamtsleiterin Claudia Friederich, mehrere Gründe für die ungewöhnliche Maßnahme. So besagt die Belegungsprognose, dass zum 1. August 2019 nur acht Kinder in der Gruppe wären, im Juni 2020 neun, im August 2020 lediglich drei und wiederum im Juni 2021 dann vier – bei maximal 20 verfügbaren Plätzen. „Mit vier Kindern kann man eine Kita nicht betreiben“, sagte Lamp. „Unsere Haushaltslage ist nicht so, dass wir großzügig sein können.“

Er berichtete von Gesprächen mit der Kreisverwaltung, die der Gemeinde mehr oder weniger keine Wahl mehr gelassen hätte. „Wir haben eine Ausnahmegenehmigung für die Kita, weil sie einem alten Standard entspricht. Seit längerer Zeit hat der Kreis signalisiert: Ihr müsst etwas tun.“ Dass die Einrichtung – wie 2011 schon einmal geschehen – eine Weile inaktiv sein und dann bei höherer Nachfrage wieder öffnen könnte, wäre nur mit „massiven Investitionen“ möglich.

Und dazu ist die Gemeinde nicht bereit. Das Schicksal der „Wühlmäuse“ hängt zudem direkt zusammen mit einer Investitionskostenförderung über 150.000 Euro für eine bisher nicht in Betrieb genommene geöffnete Krippengruppe in der Kita Junges Gemüse. Die Frist könnte ein weiteres Mal verlängert werden bis 30. Juni 2020. Doch die nun politisch gewollte Lösung sieht so aus: Die Rader Kinder wechseln komplett zum „Jungen Gemüse“, dort wird aus der Krippen- eine Elementargruppe, die Fördersumme ist gesichert.

Im Ausschuss erneuerten die Eltern ihren Vorwurf, die Gemeinde habe sich bei neuen Wohngebieten verkalkuliert, sodass die bestehenden Kitas in Wilstedt und Tangstedt nicht ausgelastet seien. Michael Paulsen entgegnete dem: „Es gibt seit 2015 eine Planung für eine Fläche an der Lindenallee, wo wir ein Wohngebiet schaffen wollen. Das hatten wir im Hinterkopf, als wir die neue Kita wollten.“ Bisher ist es aber nicht gelungen, das Areal zu erwerben. „Das ist keine Fehlplanung“, so Paulsen.

Amtsleiterin Claudia Friederich sagte den Eltern: „Die Kitaleitungen arbeiten eng zusammen. Es gibt mit Sicherheit viele Dinge, die erhalten bleiben können.“ Kathalin Bans aus dem Elternbeirat warnte allerdings: „Es könnte eine personelle Fluktuation entstehen.“ Dass die Fachkräfte aus Rade nach Tangstedt gehen, steht für sie nicht fest.

Um Personal zu gewinnen, sollen in den Kitas Junges Gemüse und Himmelszelt zum Lehrjahr 2019/2020 jeweils eine Erzieherin oder ein Erzieher ihre praxisintegrierte Ausbildung beginnen. Dies würde in Kooperation mit der Berufsschule in Bad Oldesloe erfolgen. Hierfür will das Amt einen Förderantrag beim Bundesfamilienministerium stellen. Der Zentralausschuss gab seine Zustimmung, die Gemeindevertretung wird sich am 27. März mit dem Thema befassen – und dazu endgültig über die „Rader Wühlmäuse“ abstimmen.