Norderstedt
Kreis Segeberg

Polizei will Handykontrollen ausweiten

Telefonieren am Steuer ist eine der Hauptursachen für Unfälle (Symbolbild).

Telefonieren am Steuer ist eine der Hauptursachen für Unfälle (Symbolbild).

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / picture alliance / Karl-Josef Hi

Verkehrssicherheitsbericht für 2018 zeigt zudem: Die Unfallzahlen sind leicht rückläufig, Gefahr für Fußgänger nimmt aber offenbar zu.

Kreis Segeberg.  Es gibt Unfälle, die geschehen unbemerkt der Öffentlichkeit, bekommen nur eine knappe Polizeimeldung. Aber es gibt auch solche, die eine enorme Resonanz erhalten. Als am 30. Dezember 2018 ein junger Familienvater (30) aus Bimöhlen mit seinem Auto bei Hagen nahe Bad Bramstedt verunglückte, wenige Tage später in einem Krankenhaus starb und vier Kinder sowie seine schwangere Frau hinterließ, löste dieses Schicksal eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Über 100.000 Euro an Spenden kamen zusammen.

Diese Tragödie findet auch Berücksichtigung im Verkehrssicherheitsbericht der Polizeidirektion Bad Segeberg für 2018. „Hinter jedem Verkehrsunfall, sei es lediglich mit Sachschaden oder gar mit verletzten oder getöteten Personen, stehen menschliche Schicksale“, sagt deren Leiter Andreas Görs. Das sei der Polizei bewusst – und diese Schicksale verdienten besondere Aufmerksamkeit. Grundsätzlich verlaufen viele Unfälle glimpflich. Von 7993 erfassten Meldungen – 2017 waren es 8017 – waren 1051 mit mindestens einer verletzten Person: 1227 Leicht- und 170 Schwerverletzte (2017: 1260/183). Elf Menschen starben auf den Straßen des Kreises.

Abgesehen des Todes des jungen Bimöhlers geschahen vier fatale Unfälle in Norderstedt. Am 20. August prallte ein Rollerfahrer (53) am Krohnstieg gegen einen Laternenmast und erlitt dabei tödliche Verletzungen. Auf der Schleswig-Holstein-Straße kam es am 17. September zu einem Zusammenstoß zwischen einer landwirtschaftlichen Zugmaschine und einem Motorrad. Der Biker (47) hatte beim Überholen einer Kolonne das abbiegende Gespann übersehen, stürzte beim Bremsmanöver und prallte mit der Zugmaschine zusammen. In diesem Fall hatte der beteiligte, 23 Jahre alte Landwirt jedoch seine Rückschaupflicht nicht beachtet.

Elf Menschen starben 2018 auf den Straßen im Kreis

Sechs Wochen darauf (31. Oktober) kam erneut ein Mann auf der Schleswig-Holstein-Straße ums Leben. Der 25-Jährige saß als Beifahrer in einem Pkw, der nachts in nördlicher Fahrtrichtung gegen einen Baum fuhr. Ein 13 Jahre altes Mädchen war das Opfer eines Unfalls am 6. Dezember. Sie hatte die Ochsenzoller Straße betreten, ohne auf den Verkehr zu achten und wurde von einem Auto erfasst. Ein Reh war Verursacher einer Kollision in Henstedt-Ulzburg am 26. August. Hier war ein Motorradfahrer (59) auf der Götzberger Straße in Richtung Wakendorf II unterwegs, als er mit dem Wildtier zusammenstieß, stürzte und gegen eine Schutzplanke rutschte.

Insgesamt ist die Zahl der Motorradunfälle trotz insgesamt vier Toter zurückgegangen auf 125 (2017: 156). Das gilt nicht für Fahrräder – da waren es 303 gegenüber 296. Dass zudem 27-mal ein Pedelec beteiligt war, nachdem es 2017 nur 15 Fälle gegeben hatte, führt die Polizei auf deren zunehmende Verbreitung zurück. Keine Erklärung, habe man dafür, dass 105-mal Fußgänger beteiligt gewesen seien. 2017 waren es nur 90.

Vergleichbar mit der 13-Jährigen in Norderstedt starb am 12. Dezember in Bad Segeberg ein Mann (70) bei einem ähnlichen Unfall, als er die Kurhausstraße betrat und von einem Auto erfasst wurde. „Überwiegend sind Verkehrsunfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen, weil Verkehrsregeln nur eingeschränkt beachtet oder gar bewusst ignoriert werden“, sagt Andreas Görs. In diesem Zusammenhang verweist er auf Unfälle, „deren Ursache im Bereich der Ablenkung des Verkehrsteilnehmers liegt“. Was er meint: Mobiltelefone am Ohr oder in der Hand. 2018 wurden entsprechende Kontrollen im Gebiet der Polizeidirektion, das auch den Kreis Pinneberg und Tangstedt (Kreis Stormarn) umfasst, intensiviert. Die Folge: Die Zahl der Ordnungswidrigkeiten in diesem Bereich stieg auf 3645 – 2017 waren es noch 2770. Einen deutlichen Rückgang verzeichnet die Polizei bei Geschwindigkeitsverstößen: 182.313 gegenüber 198.247. 3258-mal wurden Personen erwischt, die nicht angeschnallt in einem Fahrzeug saßen (2017: 3295).

In Tangstedt gab es im Vorjahr 203 Unfälle (2017: 200) mit 41 Leicht- und elf Schwerverletzten. Die drei größten Kommunen des Kreises Segeberg haben eigene Verkehrsbehörden, hier liegen aber die Zahlen vor: Demnach verzeichnet Norderstedt einen allgemeinen Rückgang von 549 auf 484, Henstedt-Ulzburg eine Steigerung von 137 auf 146 und Kaltenkirchen ebenso einen Rückgang von 166 auf 149 Unfälle.

Andreas Görs kündigt für 2019 an, dass die „repressiven und präventiven Aktivitäten“ drei Schwerpunkte haben werden: Einfluss von illegalen Drogen, Alkohol und Medikamenten, zu hohe oder nicht angepasste Geschwindigkeit sowie die „Ablenkung durch Mobiltelefonnutzung“. Auch wenn die Unfallzahl gegenüber 2017 leicht zurückgegangen ist, so ist übrigens der Trend über einen längeren Zeitraum nicht rückläufig. Noch 2009 lag der Wert im Kreis bei 6941. Für die gestiegene Sicherheit der Fahrzeuge spricht immerhin: Vor zehn Jahren verletzten sich mehr Personen bei Unfällen (1554) als 2018 (1397).