Norderstedt
Energiekosten Norderstedt

Die Norderstedter Stadtwerke bekommen Konkurrenz

Kampf um die Gaskunden: Nun tummelt sich auch der Grundeigentümerverband auf dem Energiemarkt.

Kampf um die Gaskunden: Nun tummelt sich auch der Grundeigentümerverband auf dem Energiemarkt.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Der Verband Haus & Grund bietet von April dieses Jahres an einen günstigen Gastarif für seine 68.000 Mitglieder in ganz Schleswig-Holstein an.

Norderstedt.  Die Stadtwerke Norderstedt, Platzhirsch bei der Energieversorgung in der Stadt, bekommen lokale Konkurrenz: Haus & Grund bietet seinen Mitgliedern zum 1. April einen Gastarif an, bei dem die Norderstedter im Vergleich zur Grundversorgung der Stadtwerke kräftig sparen können. „Mit unserem Angebot spart ein durchschnittlicher Einfamilienhaushalt mit 150 Quadratmetern Wohnfläche und einem Gasverbrauch von 18.000 Kilowattstunden mehr als 300 Euro im Jahr“, sagt Sven Wojtkowiak, Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümerverbands in Norderstedt.

Norderstedt ist die Pilotstadt, hier wird Haus & Grund sein neues Angebot am heutigen Mittwoch, vorstellen (von 19 Uhr an in der Gastronomie von Eintracht Norderstedt). Gelten soll der Tarif landesweit. 68.000 Mitglieder hat Haus & Grund in Schleswig-Holstein, sie alle können vom Gastarif profitieren, den der Verband mit einem Anbieter im Norden ausgehandelt hat.

Werbeaktion für den Grundeigentümerverband

Den Namen verrät Wojtkowiak noch nicht, sonst würden viele schon versuchen, sich dort anzumelden, obwohl die Internetseite noch nicht freigeschaltet ist. Mit dem Tarif zielt der Grundeigentümerverband darauf ab, neue Mitglieder zu werben, was Wojtkowiak auch gar nicht bestreitet. „Wie sollen wir die Senioren, die vor 50 Jahren Mitglied bei uns geworden sind, davon überzeugen, dass die Mitgliedschaft auch jetzt noch sinnvoll ist, obwohl sie keine Rechtsberatung brauchen“, sagt der Norderstedter Verbandschef.

1800 Norderstedter haben einen Mitgliedsausweis von Haus & Grund. Mit dem neuen Angebot erweitert der Verband die Palette an finanziellen Vorteilen für seine Mitglieder. Schon jetzt gebe es Rabattaktionen. So könnten die Mitglieder günstiger bei Obi einkaufen, Versicherungen abschließen, Heizöl und Strom zu Vorzugspreisen beziehen.

„Mit unserem neuen Tarif kommt ein weiterer Bonus hinzu“, sagt der Ortsvorsitzende, der den Bürgern den neuen, regionalen Gasanbieter zusätzlich dadurch schmackhaft machen will, dass es sich um einen Klimatarif handele. Die CO2-Gesamtmenge, die bei der Förderung, dem Transport und der Verbrennung des Erdgases entsteht, werde durch Klimaschutz-Projekte kompensiert.

Der Zeitpunkt, an dem der Verband mit dem neuen Tarif auf den Markt geht, habe schon lange festgestanden, betont Wojtkowiak. Dennoch fällt die Einführung zusammen mit einer kräftigen Erhöhung der Gaspreise durch die örtlichen Stadtwerke, die zum 1. April wirksam wird. Die Werke haben den Zuschlag gegenüber der Politik damit begründet, dass die Einkaufspreise stark gestiegen seien. So sei der Energieträger im vorigen Jahr um gut 50 Prozent teurer geworden. Zwar hätten die Stadtwerke den enormen Preisanstieg glätten können, da sie das Gas langfristig und schrittweise beschafft hätten, aber: „Angesichts dieser Kostenexplosion kommen wir nicht darum herum, die Mehrausgaben an die Haushalte weiterzugeben“, sagte Werkleiter Jens Seedorff, als er den Tarifaufschlag dem Stadtwerkeausschuss präsentierte.

Wojtkowiak, der auch FDP-Stadtvertreter ist, hält die Höhe der Tarifanhebung dennoch für unangemessen: „Deswegen haben wir als einzige Partei im Fachausschuss dagegen gestimmt.“ Der Verbandschef sieht es als sehr großen Erfolg, den Rahmenvertrag für den neuen Tarif abgeschlossen zu haben, der auch allen Neumitgliedern offenstehe.

„Natürlich ist es leichter, mit einem Rahmenvertrag für Zehntausende von Kunden günstige Konditionen auszuhandeln, als für uns. Wir müssen mit jedem Kunden einen individuellen Vertrag abschließen“, sagt Oliver Weiß, Sprecher der Stadtwerke Norderstedt. Außerdem hätten die Werke den Grundpreis seit Jahren nicht angehoben, er sei noch immer niedriger als der vieler Mitbewerber. der Unternehmenssprecher weist zudem darauf hin, dass die Stadtwerke außerhalb des Stadtgebietes nicht als Gasanbieter auftreten dürften.

Auch die Stadtwerke bieten ihren Kunden einen Ökotarif

Schließlich hätten die Stadtwerke das Haushaltsbudget ihre Kunden geschont, indem sie die Preise nicht schon im Winter erhöht haben. „Um die zusätzliche Belastung für die Kunden so gering wie möglich zu halten, werden die Preise erst zum April erhöht“, sagte Seedorff. Da 70 Prozent und mehr der jährlichen Gaskosten in der Heizperiode entstehen, bedeute dies eine echte Entlastung der Haushaltskasse.

Mit dem TuWatt biete der Norderstedter Energieversorger schon seit langem einen klimaschonenden Ökotarif an. Schließlich hätten die Norderstedter bei einem Wechsel zum FairWatt-Tarif die Chance, 60 Euro im Jahr zu sparen. Dass von der Wechsel- und Sparchance noch immer verhältnismäßig wenig Gebrauch gemacht werde, zeige, dass die Bürger mit den Leistungen und dem Service der Stadtwerke zufrieden seien.

Infos zum Gastarif von Haus & Grund, Mi, 13.3., 19.00 Uhr, Gastronomie von Eintracht Norderstedt, Ochsenzoller Straße 58. Anmeldung: Geschäftsstelle von Haus & Grund, Ochsenzoller Straße 114, 040/64 66 81 63, per E-Mail an info@haus-und-grund-norderstedt.de