Norderstedt
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Soko „Wohnung“ fasst einen Serientäter

Meist gelangen die täter in Wohnungen und Häuser, indem sie die Glasscheiben von Fenstern und Türen mit einem Stein oder Werkzeug einschlagen (Symbolfoto).

Meist gelangen die täter in Wohnungen und Häuser, indem sie die Glasscheiben von Fenstern und Türen mit einem Stein oder Werkzeug einschlagen (Symbolfoto).

Foto: Daniel Maurer / Kein_Verkauf

In länderübergreifender Zusammenarbeit schnappen Pinneberger Beamte einen Einbrecher aus Litauen. Täter ist in der Heimat vorbestraft.

Norderstedt.  Großer Erfolg für die Sonderkommission „Wohnung“ der Polizeidirektion Bad Segeberg, die es seit Oktober 2017 gibt und die ihren Sitz in Pinneberg hat: Mit Hilfe von DNA-Spuren, Videobildern und sogar Fotos, die aufmerksame Zeugen gemacht haben, gelang es jetzt, einen Serieneinbrecher zu überführen und festzunehmen.

Staatsanwalt Sören Pansa rechnet damit, dass der Tatverdächtige, ein 49 Jahre alter Mann aus Litauen, der in Untersuchungshaft sitzt, für mindestens vier Jahre hinter Gitter muss. In seinem Heimatland sei der Litauer bereits einschlägig vorbestraft. Hierzulande konnten dem Mann jetzt sechs Wohnungseinbrüche nachgewiesen werden, die er von Juni 2018 Jahres bis Januar 2019 in Hamburg und Norderstedt begangen haben soll. Zwischen August und November 2018 war der Litauer bereits in Haft. „Das ist ein Ermittlungserfolg der Polizei“, freute sich am Montag Staatsanwalt Pansa während einer Pressekonferenz in der Polizeidirektion Bad Segeberg.

„Es zeigt, wie wichtig die länderübergreifende Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft bei diesen Delikten ist.“ So hätten die Soko „Wohnung“, die in Pinneberg von Kriminalrätin Sarah Lampe geleitet wird, und die ähnlich gelagerte Soko „Castle“ der Hamburger Polizei sowie die Staatsanwaltschaften beider Länder eng zusammengearbeitet. „Gerade bei Tätern und Banden, die überregional agieren, müssen die Ermittlungsbehörden länderübergreifend zusammenarbeiten“, sagt der Staatsanwalt, bei dem in diesem Fall alle Fäden zusammengelaufen sind und so schnell polizeitaktisch habe reagiert werden können. „Und die ist in diesem Fall optimal gelaufen.“ Auch hinterher bei der Strafverfolgung erleichtere dies die Arbeit. „Wir haben dann einen großen Prozess statt vieler kleiner.“

Eine Videokamera in Norderstedt filmte den Litauer

Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden in Litauen habe sehr gut geklappt. Dabei werde auch auf die Mithilfe der länderübergreifenden Polizeibehörde Euro-Just in Den Haag zurückgegriffen. „Rechtshilfeersuchen außerhalb der EU können dagegen lange dauern“, sagt der Kieler Staatsanwalt. Erschwerend komme hinzu, dass die Tätergruppen oft ihre Namen und Identitäten änderten. „Es sind bei uns schon Tatverdächtige aufgetaucht, die hier unter 20 verschiedenen Identitäten registriert waren.“ Die Polizei geht davon aus, dass der Litauer ein allein agierender Einbrecher gewesen sei, sagt Sarah Lampe. Auch wenn bei der Festnahme des Litauers ein Landsmann von ihm habe flüchten können, der möglicherweise an den Einbrüchen beteiligt gewesen sein könnte.

Dem Haupttäter wird vorgeworfen, vor allem Schmuck und mehrere Zehntausend Euro gestohlen zu haben. Meist sei er die Wohnungen und Häuser eingedrungen, indem er die Glasscheiben von Fenstern und Terrassentüren mit einem Stein einschlug. Zur Überführung des Täters führten neben den DNA-Spuren auch Video- und Fotomaterial, sagt die Soko-Chefin. So habe eine festinstallierte Videokamera an einem Haus in Norderstedt ihn mit genau jenem Rucksack und den weißen Handschuhen, die die Polizei später bei ihm sicherstellen konnte, gefilmt. Und eine geistesgegenwärtige Zeugin eines weiteren Einbruchs in Norderstedt fotografierte die verdächtige Person, bei der es sich ebenfalls um den Einbrecher aus Litauen gehandelt habe, erklärt Sarah Lampe. „Das hat uns geholfen. Wir rufen aber dazu auf, dass Bürger als erstes die Polizei über die Notrufnummer 110 alarmieren sollten, wenn ihnen etwas verdächtig vorkommt.“

Alle Ermittler haben immer den gleichen Wissensstand

Die kreisübergreifende Arbeit der Soko „Wohnung“ habe sich in den ersten eineinhalb Jahren eindeutig „bewährt“, ist Sarah Lampe überzeugt. Insgesamt acht Ermittlungsbeamte, die im Winterhalbjahr von neun und im Sommerhalbjahr von sechs weiteren Einsatzkräften unterstützt werden, kümmerten sich ausschließlich um die Aufklärung von Wohnungseinbrüchen.

So könnten sie die Taten und Tätergruppen in ihrer Gesamtheit besser überblicken. Hinzu kämen weitere jeweils vier bis sechs Beamte aus den vier Kripo-Dienststellen, die die Spuren an den jeweiligen Tatorten gesichert hätten. „Diese Ermittlungsarbeit aus einer Hand macht sich bezahlt. Alle Ermittler haben immer den gleichen Wissensstand.“ Die meisten Wohnungseinbrüche registriere die Polizei an jenen Orten, die dicht an Hamburg liegen. So seien die Schwerpunkte im Kreis Pinneberg vor allem in Rellingen und Pinneberg sowie im Kreis Segeberg vor allem in Norderstedt. Die Einbrecher nutzten vor allem Wohngegenden, die meist auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, so Sarah Lampe.

Aktuelle Hinweise nimmt die Soko „Wohnung“ unter der Rufnummer 04101/2020 entgegen.

Weitere Infos: 2015 waren die Einbrecher besonders aktiv

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in den Kreisen Segeberg und Pinneberg ist zuletzt nach jahrelangem Anstieg zurückgegangen. So erreichten sie im Jahr 2015 jeweils ihren Höchststand. Im Kreis Segeberg mit 832 Taten, die 2016 auf 779 und 2017 auf 460 angezeigte Wohnungseinbrüche sanken, davon 150 am helllichten Tag. Im Kreis Pinneberg mit 976 Wohnungseinbrüchen, die 2016 auf 950 und 2017 auf 569 Taten zurückgingen, davon 202 am Tag. Etwa jeder zehnte Einbruch kann statistisch gesehen aufgeklärt werden. Neuere Daten für 2018 werden noch von den Behörden zusammengetragen