Norderstedt
Prozess

Sexuelle Belästigung im Arriba-Bad – aber kein Missbrauch

Die Wildwasserrutsche war der Schauplatz für den sexuellen Übergriff

Die Wildwasserrutsche war der Schauplatz für den sexuellen Übergriff

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Das Landgericht Kiel kassiert ein Urteil des Amtsgerichtes Norderstedt: Statt Freiheitsstrafe gibt es eine Geldstrafe für 26-jährigen Afghanen.

Kiel/Norderstedt.  Tatort „Wildwasserbach“: Auf der gleichnamigen 124-Meter-Rutsche im Norderstedter Erlebnisbad Arriba werden „geübte Schwimmer ab 10 Jahre“ durch einen Tunnel und enge Kurven gewirbelt. Ein Asylbewerber aus Afghanistan (26) nutzte das Getümmel für körperliche Annäherungen an junge Mädchen.

Im Berufungsprozess am Montag vor dem Kieler Landgericht wurde der 26-Jährige wegen sexueller Belästigung zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt, zahlbar in 40 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro. In erster Instanz war das Urteil für den Angeklagten deutlich härter ausgefallen: Im Oktober 2018 hatte das Amtsgericht Norderstedt den Fall ganz anders bewertet und den nicht vorbestraften Afghanen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte legte gegen das Urteil mit Erfolg Rechtsmittel ein: Die Berufungskammer des Kieler Landgerichts ordnete die Übergriffe unterhalb der Schwelle für Kindesmissbrauch ein.

Der Mann ist auffallend klein und wirkt jungenhaft

Der Sachverhalt: Am späten Vormittag des 30. April 2017 hatte sich der noch bei seinen Eltern wohnende Küchenhelfer im Arriba-Bad einer Gruppe 12- bis 13-jähriger Mädchen genähert. Die Polizei notierte später mindestens sieben Übergriffe. Die meisten Körperkontakte wurden von Überwachungskameras dokumentiert. So näherte sich der auffallend kleine und jungenhaft wirkende Mann einem Mädchen im Pool, schaute sie an und fasste ihr zwei Mal an den Po. Nach dem Rutsch durch das Wildwasser passte der Angeklagte im Zielbecken ein anderes Mädchen ab. Von hinten näherte er sich der Schülerin, die auf einer Treppe das Wasser verlassen wollte, berührte sie unter der Oberfläche am Po und drückte leicht zu.

Auch in einem schmalen Becken auf halber Höhe der Wildwasserrutsche nahm der Angeklagte Körperkontakt auf, strich einem Mädchen mit der Hand über den Rücken. Mehrmals rutschte er mit weit gespreizten Beinen auf der Wildwasserstrecke hinter den langhaarigen Mädchen in Bikinis her, holte sie ein und umschloss sie von hinten.

Der Afghane bereut sein Handeln und hat sich in Therapie begeben

„Der Angeklagte handelte, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen“, urteilte der Norderstedter Jugendrichter, „er war sich des kindlichen Alters der Zeuginnen bewusst“. Wie im ersten Prozess beschränkte sich die Jugendkammer auf die Verurteilung von zwei Übergriffen und stellte bei den übrigen Vorfällen das Verfahren ein. Gegen sexuellen Missbrauch sprach laut Urteil, dass der Angeklagte nicht den Intimbereich der Mädchen berührte und es bei flüchtigen Berührungen oberhalb der Badebekleidung beließ. Auch die Staatsanwältin sah darin keinen Kindesmissbrauch.

Das Strafverfahren hat den Angeklagten, der den Zeuginnen mit seinem Geständnis den Auftritt vor Gericht ersparte, sichtlich beeindruckt. Mehrfach entschuldigte er sich während der Verhandlung, er brach auch einmal in Tränen aus. Nach eigenen Angaben hat er seinen Eltern die Taten gebeichtet und arbeitet sie in Gesprächen mit einem Therapeuten auf.