Norderstedt
Andrang im Kreis Segeberg

192.000 Führerscheine müssen getauscht werden

Ob Scheckkarten-Format, rosa oder grau – die alten Führerscheine haben ausgedient.

Ob Scheckkarten-Format, rosa oder grau – die alten Führerscheine haben ausgedient.

Foto: Oliver Berg / dpa

Die Segeberger Kreisverwaltung stockt dafür extra das Personal auf und rät den Bürgern, die vom Gesetzgeber vorgesehene Staffelung zu beachten.

Kreis Segeberg.  So mancher möchte ihn nicht hergeben, erinnert der „Lappen“ doch an die Jugend, lange und volle Haare auf dem Foto, faltenfreies Gesicht. Doch nun hat der Führerschein-Oldie ausgedient. Die alten grauen müssen genauso getauscht werden wie die rosafarbenen Dokumente und die Scheckkarten-Formate. Im Kreis Segeberg trifft der Austausch geschätzt 192.000 Führerscheinbesitzer, genaue Zahlen gibt es nicht – eine Zahl, die für die Mitarbeiter des Fachdienstes Fahrerlaubnisse/Führerscheinstelle des Kreises Segeberg eine Herausforderung darstellt. „Wir werden das Personal um eine Vollzeitstelle aufstocken“, sagt Michael Krüger, Leiter des Fachdienstes.

Der „Zwangsumtausch“ geht auf eine Regelung der Europäischen Union zurück. Sie will in allen Mitgliedsstaaten einheitliche Führerscheine ausgeben. Sie sollen fälschungssicher und die Inhaber sollen wiedererkennbar sein. Das ist aktuell schwierig, immer wieder erleben Polizisten bei Verkehrskontrollen, dass das Bild im Führerschein kaum noch Ähnlichkeit hat mit dem Menschen, der da hinterm Steuer sitzt. Denn: Wer kurz nach seinem 18. Geburtstag die Fahrprüfung bestand, behielt das Dokument inklusive des darin enthaltenen Fotos ein Leben lang. Diese Regelung besteht seit 2013, als die EU-Regel in deutsches Recht umgewandelt wurde, nicht mehr. Führerscheine, die nach dem 19. Januar 2013 ausgestellt sind, sind seitdem nur noch 15 Jahre gültig. Nach dieser Frist müssen sie verlängert werden.

Die Umtauschfrist endet am 19. Januar 2033

Nun müssen alle, die vor 2013 ihren Führerschein gemacht haben, diesen gegen das neue EU-Dokument austauschen. Nach dem Auswechseln sind die neuen Führerscheine ebenfalls nur noch 15 Jahre gültig. Die Umtauschfrist endet am 19. Januar 2033. Damit nicht alle Führerscheinbesitzer zeitgleich die Zulassungsstelle aufsuchen, hat der Gesetzgeber eine Staffelung eingeführt. „Unser Wunsch ist, dass sich möglichst alle an diese Staffelung halten“, sagt Krüger. Er rät, nicht bis zum letzten Tag der Umtauschfrist zu warten. Allerdings bestehe aktuell auch kein Grund, der Umtauschpflicht sofort nachzukommen. „Wir bekommen inzwischen nicht nur vermehrt Anfragen, was den Umtausch angeht, sondern“, so Krüger, „auch schon viele Umtauschanträge“. Es handele sich lediglich um einen Dokumententausch, niemand müsse die Führerscheinprüfung wiederholen oder sich ärztlich untersuchen lassen. Auch ein Sehtest sei nicht erforderlich.

Die Umtauschfristen richten sich entweder nach dem Geburtsjahr oder nach dem Ausstellungsjahr des Führerscheins. Bei Dokumenten, die bis 1998 ausgestellt wurden, ist das Geburtsjahr des Inhabers entscheidend. Nach 1999 ist das Ausstellungsjahr des Dokuments entscheidend. Auch die mit der Prüfung erworbenen Führerscheinklassen bleiben erhalten. So dürfen Besitzer des „alten“ Führerscheins der Klasse 3 weiterhin Pkw und Lkw mit einem Gesamtgewicht bis 7,5 Tonnen fahren. Wer einen Kartenführerschein besitzt, der seit 1999 ausgegeben wurde, zahlt für den Umtausch in den neuen EU-Kartenführerschein 19 Euro. Wer das rosa oder graue Papierdokument hat, zahlt fünf Euro mehr. Wer nicht tauscht, fährt ohne Führerschein, zahlt zehn Euro Verwarngeld und muss innerhalb einer bestimmten Frist ein gültiges Dokument vorlegen. Nach Ablauf der Frist wird ein weiteres Verwarngeld fällig.

Nach vier bis sechs Wochen kommen die neuen Führerscheine

Wer im Kreis Segeberg wohnt, kann einen Antrag auf Umtausch bei der für seinen Wohnort zuständigen Stadt-, Amts- oder Gemeindeverwaltung stellen und dort die Formulare ausfüllen, ein biometrisches Foto abgeben und die Gebühr bezahlen. „Das ist ein Service für die Kunden, damit sie nicht immer zur Fahrerlaubnisbehörde nach Bad Segeberg fahren müssen“, sagt Krüger. Die Verwaltungen schicken die Anträge an die Fahrerlaubnisbehörde des Kreises, die sie wiederum zur Bundesdruckerei in Berlin weiterleitet. Von dort kommen die neuen Führerscheine in vier bis sechs Wochen zurück, sie können entweder bei der zuständigen Behörde an der Waldemar-von-Mohl-Straße 2 in Bad Segeberg oder in den örtlichen Verwaltungen abgeholt werden. In Kürze soll auch ein Direktversand eingeführt werden. Ein Online-Antrag für den Umtausch ist derzeit noch nicht möglich. „Selbstverständlich können Segeberger, die im Kreis gemeldet sind, die Formalitäten auch bei uns erledigen“, sagt der Leiter der Fahrerlaubnisbehörde. Bei der Zulassungsstelle in Norderstedt ist das allerdings nicht möglich.

Diejenigen, die im Kreis Segeberg wohnen, ihren Führerschein aber anderswo gemacht haben, müssen bei der Behörde, die die Fahrerlaubnis ausgestellt hat, eine schriftliche Karteikartenabschrift beantragen. Dieses Dokument muss bei der Führerscheinstelle des Kreises vorliegen, wenn der Antrag auf den Führerscheintausch gestellt wird. „Wer seine Fahrerlaubnis im Kreis Segeberg gemacht hat, jetzt aber woanders wohnt, muss bei uns diese Karteikartenabschrift beantragen“, sagt Krüger.

Wer nun glaubt, er könne den „grauen Lappen“ als wertvolle Reminiszenz an seine Jugend behalten, sieht sich getäuscht: „Der neue Führerschein wird nur bei Rückgabe des alten ausgehändigt“, sagt Krüger.