Norderstedt
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Chauffeurin des Innenministers hatte es zu eilig...

Eine Statue der Justitia.

Eine Statue der Justitia.

Foto: Michael Rauhe

Die Frau hatte bei einem Überholmanöver ein abbiegendes Fahrzeug einer 47-Jährigen gerammt. Angeklagte kommt mit milder Strafe davon.

Norderstedt. Ihr Arbeitsplatz ist eine dunkle Limousine mit einem Stern auf der Haube. Damit kutschiert die Frau den schleswig-holsteinischen Innenminister zu seinen zahlreichen Terminen kreuz und quer durchs Bundesland.

Als „persönliche Fahrerin“ ist die 58 Jahre alte Frau seit 2002 im öffentlichen Dienst unterwegs – offensichtlich zur vollsten Zufriedenheit der Berufspolitiker im Fond ihres Wagens. Eine Dienstfahrt misslang der gelernten Berufskraftfahrerin jedoch gründlich. Deshalb musste sie sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs vor dem Amtsgericht Norderstedt verantworten.

Im Mai vergangenen Jahres bekam die Chauffeurin den Auftrag, Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote von seinem Wohnsitz in Norderstedt abzuholen. Die stockende Fahrt von der Landeshauptstadt Kiel aus über die Autobahn 7 nervte sie. Als Termin mit dem Minister war 8.30 Uhr ausgemacht. „Absolute Pünktlichkeit ist immer mein Ziel“, sagte die Frau vor Gericht. Auf der Ulzburger Straße in Norderstedt kamen die Autos wieder nur im Schritttempo voran. Deshalb wechselte sie auf die Gegenspur und fuhr an den wartenden Fahrzeugen vorbei. Dabei schaltete sie auch das Blaulicht ein. Sie setze das Sondersignal selten ein, sagte sie vor Gericht, aber in dieser Situation hielt sie es nach eigenem Ermessen für gerechtfertigt, da sie sich erheblich unter Zeitdruck gefühlt habe.

Verlust des Führerscheins hätte schlimme Konsequenzen

Wie schnell sie an den wartenden Wagen vorbeigefahren sei, wollte der Amtsrichter wissen. „Etwa 30 km/h“, so ihre Aussage. Bei dem Überholvorgang übersah die Frau jedoch einen Kleinwagen, der vor ihr nach links auf einen Parkplatz fahren wollte. Beide Autos kollidierten. Gesamtschaden an beiden Fahrzeugen: 4000 Euro. Sie hätte rechtzeitig geblinkt und sich korrekt umgedreht, so die 47 Jahre alte Fahrerin des Kleinwagens, die als Zeugin vor Gericht aussagte. „Plötzlich kam ein schwarzer Schatten herangeflogen. Alles passierte superschnell“, erinnerte sie sich.

Der Unfall hätte sie „persönlich sehr bewegt“, sagte die angeklagte Chauffeurin vor Gericht, deshalb habe sie sich auch psychologische Hilfe gesucht. Umso mehr, weil sie pro Jahr etwa 120.000 Kilometer zurücklege. Der Verlust ihres Führerscheins oder ein mehrmonatiges Fahrverbot würde sie arbeitslos machen, sagte sie. Nachdem die Staatsanwaltschaft wegen der drohenden beruflichen Konsequenzen bei einem Schuldspruch nur eine Geldstrafe forderte, war auch der Amtsrichter milde gestimmt.

Wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs sprach er der Frau eine Verwarnung mit Strafvorbehalt aus. Sie muss 2000 Euro an die Sammelspendeaktion „Deutschland hilft“ überweisen. Zahlt sie diesen Betrag nicht pünktlich, ist eine Geldstrafe von 5600 Euro fällig. „Sie haben viel Glück gehabt und sind mit einem blauen Auge davongekommen“, so der Richter.