Norderstedt

Bahnhof Meeschensee: Mehr Platz für Pendler

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Christopher Herbst

Foto: Elena Habermann

An der AKN-Station Meeschensee sollen in diesem Jahr mehrere Hundert zusätzliche Stellflächen für Autos und Fahrräder entstehen.

Norderstedt.  Es ist ein ungewohntes Bild für einen Werktag: Auf dem offiziellen Parkplatz an der AKN-Station Meeschensee steht nicht ein einziges Auto. Das hat einen guten Grund: Im Wäldchen, das sich direkt neben den Gleisen befindet, fallen jetzt die Bäume. Ein knapper halber Hektar des Areals wird gerodet, damit die lange geplante Erweiterung der Park-and-Ride-Anlage endlich realisiert werden kann und in Zukunft mehrere Hundert Menschen zusätzlich morgens Auto oder Fahrrad sicher abstellen können. Darauf warten viele Pendler aus Norderstedt und der Region sehnsüchtig.

Denn das eigentlich alltägliche Bild vor Ort sieht ganz anders aus: Die wenigen Stellplätze sind gegen 7 Uhr belegt, alle weiteren Fahrgäste, die mit dem Auto zum Bahnhof kommen, um hier umzusteigen, parken entweder entlang der Straße Elfenhagen auf dem unbefestigten Randstreifen – oder stellen ihr Fahrzeug einfach zwischen den Bäumen ab. Erlaubt ist das natürlich nie gewesen, doch es wurde toleriert. Was sollten die ÖPNV-Nutzer auch anders machen?

Drei Kommunen realisieren das Vorhaben gemeinsam

Um dieses Durcheinander zu beenden, setzen Henstedt-Ulzburg, Norderstedt und Quickborn in diesem Jahr ein Gemeinschaftsprojekt um. Die drei Kommunen mussten sich aus mehreren Gründen einigen. So liegt das Grundstück selbst auf Norderstedter Gebiet – die dortige Politik musste also den Flächennutzungsplan ändern. Die Fläche gehört Henstedt-Ulzburg – die Großgemeinde hat diese von einem Landwirt erworben, der auch die Rodung des Waldteilstücks übernimmt und dafür das Holz verwerten darf. Und dass sich die Stadt Quickborn finanziell beteiligt, ist naheliegend, schließlich kommen viele der Pendler von dort, und die Debatte über den Ausbau nahm hier vor sieben Jahren ihren Anfang.

Derzeit gibt es lediglich 25 Pkw-Parkplätze, die im Jahr 1995 von der Gemeinde Henstedt-Ulzburg eingerichtet wurden – ungefähr die gleiche Anzahl an Autos wird „wild“ abgestellt. Das neue Konzept sieht vor, die Kapazität um 107 Plätze zu erhöhen, der Schwerpunkt soll auf Übersichtlichkeit und Befahrbarkeit liegen. Ebenso integriert sind Behindertenparkplätze sowie Frauenparkplätze, grundsätzlich soll die Anlage gut ausgeleuchtet sein, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken.

Der zweite, nicht minder wichtige Punkt betrifft die Radfahrer. Zwar hat Norderstedt 2016 eine frei zugängliche Abstellanlage mit 120 Plätzen gebaut – diese ist im Schnitt jedoch zu fast 90 Prozent ausgelastet, zeitweise werden viele Fahrräder an umliegenden Zäunen angeschlossen. Die Lösung: eine Bike-and-Ride-Anlage in Modulbauweise. Das Verfahren hat der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein zusammen mit einer Fachfirma entwickelt. Kommunen können sich über einen Rahmenvertrag beteiligen.

Die Agentur BahnStadt hat für die Station Meeschensee einen Entwurf gefertigt. In einer frei zugänglichen Abstellanlage soll es 80 Stellplätze geben, in einer Sammelschließanlage 31 weitere. Dort wird es zudem Sonderbereiche für Lastenräder, Erwachsenen-Dreiräder und Anhänger, dazu auch Schließfächer mit Steckdosen für E-Akkus geben. Die Erweiterung soll dazu führen, dass es für zehn Prozent der Ein- und Aussteiger Fahrradstellplätze am Bahnhof gibt, also ein Fünftel der Fahrgäste – inklusive Kapazitätsreserve.

„Diese Fahrradanlage soll ein Vorbild werden. Wir sind ein bisschen stolz darauf“, sagt Jörn Mohr, Bauamtsleiter in Henstedt-Ulzburg. Ein Ingenieurbüro nimmt nun im Auftrag der Gemeinde die nötigen Ausschreibungen vor. „Wir hoffen, dass wir zügig durchkommen, wir können die Maßnahme jetzt umsetzen, haben den Kooperationsvertrag. Und für die Bäume haben wir durch unseren Klimawald bereits den Ausgleich geschaffen.“

Großteil der Kosten wird über Fördermittel finanziert

Das gesamte Vorhaben kostet 843.486,16 Euro. Weil jedoch das Land und die Metropolregion Hamburg erhebliche Zuschüsse leisten, müssen Henstedt-Ulzburg, Norderstedt und Quickborn zusammen nur 121.700 Euro zahlen. „Das Projekt rechnet sich fast von allein“, sagt Jörn Mohr. Was fehlt, ist noch die Baugenehmigung, die Norderstedt ausstellen wird – eine reine Formalie. Im Laufe des Frühjahrs werden die Bauarbeiten starten. Bis dahin könnte, da die Bäume gefällt worden sind, das Wildparken theoretisch zunehmen. „Wir werden das nicht dauerhaft einzäunen“, so Mohr. „Wenn es losgeht, werden wir schon dafür sorgen, dass die Pkw verschwinden.“

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