Norderstedt
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Müllgebühren werden kräftig ansteigen

Foto: Stadt Norderstedt

Vom 1. April an werden die Norderstedter durchschnittlich zwischen elf und 14 Prozent mehr für die Abfallentsorgung bezahlen müssen.

Norderstedt.  Die Müllgebühren werden in Norderstedt voraussichtlich kräftig steigen. Zum 1. April werden die Norderstedter durchschnittlich zwischen elf und 14 Prozent mehr als bisher bezahlen müssen, damit die Müllwerker die Abfalltonnen leeren. Das hat das Betriebsamt ausgerechnt und die Zahlen in seiner Vorlage für die Sitzung des Umweltausschusses am morgigen Mittwoch (ab 18.30 Uhr, Rathaus) aufgelistet.

Preistreiber ist der neue Vertrag, den die Stadt Norderstedt und der Wege-Zweckverband (WZV), der für die Müllentsorgung im Kreis Segeberg außer in Norderstedt zuständig ist, geschlossen haben. Streitpunkt war und ist der Recyclinghof an der Oststraße in Norderstedt, den beide gemeinsam betreiben. Der WZV hatte, wie berichtet, deutlich mehr Geld von Norderstedt verlangt. Die Stadt weigerte sich zunächst und stimmte einer neuen Regelung erst zu, nachdem der Streit eskaliert war und der WZV gedroht hatte, die Annahmestelle zum 31. Dezember 2018 zu schließen.

Die Folge: Norderstedt muss dem WZV nun 2,6 Millionen Euro für dieses Jahr überweisen, damit der Recyclinghof weiterhin annimmt, was die Bürger aussortieren. Das sind 500.000 Euro mehr als bisher, die Steigerung beläuft sich laut städtischem Betriebsamt auf knapp 24 Prozent. Martin Sandhof, Leiter des Betriebsamts, spricht in seiner Vorlage für die Ausschusssitzung von „einseitig diktierten Beträgen“.

Allerdings geht das Betriebsamt davon aus, dass die Stadt diese Summe nicht in voller Höhe bezahlen muss, da die neue Kalkulation erst von April an greife, sodass sich die zusätzlichen Ausgaben auf rund 375.000 Euro belaufen würden. Zudem rechnet Sandhof damit, dass Norderstedt in der Vergangenheit zu viel Geld an den WZV überwiesen hat.

Daher zweifelt die Stadt die Bilanz und Kostenaufstellung des WZV für den Recyclinghof an der Oststraße an. Nach Rechnung der Stadt müsste der WZV ihr 3,6 Millionen Euro zurückerstatten, für zu viel gezahltes Geld für die Deponie in Tensfeld (2,6 Millionen Euro), entgangene Einnahmen durch den wegen Veruntreuung und Betruges angeklagten ehemaligen WZV-Mitarbeiter (890.000 Euro) und wegen angeblicher Fehler in den Jahresabrechnungen von 2013 bis 2015 (110.00 Euro). „Bis heute hat der WZV die verlangten Mehrkosten nicht transparent vorrechnen können“, sagt Sandhof.

Die Erstattungen des WZV wirkten sich kostenmindernd auf die Vorauszahlungen an den WZV aus. Die Stadt werde darauf drängen, dass der WZV die Höhe der Vorauszahlungen noch im laufenden Jahr nach unten korrigiert. Damit wird, so Sandhof, eine erhebliche Überzahlung in 2019 vermieden, realistische Werte können in die Gebührenkalkulation eingestellt werden. Dennoch: „Die Mehrkosten können wir nicht durch Einsparungen in anderen Bereichen der Abfallentsorgung ausgleichen“, sagt Sandhof, der die Gebühren neu kalkulieren musste, nachdem sich Stadt und WZV auf den aus Norderstedter Sicht nachteiligen Deal geeinigt hatten.

Noch im November freuten sich Politiker wie Bürger über die Nachricht, dass die Tarife stabil bleiben und das trotz steigender Spritpreise und Personalkosten – und das seit mehr als zehn Jahren. Doch nun bekommt die makellose Bilanz einen Kratzer, muss das Betriebsamt einen Teil der Mehrkosten erwirtschaften, indem die Gebühren angehoben werden.

Die Erhöhung betrifft nur die Entgelte für den Restabfall. Die höheren Gebühren bedeuten für die von den Norderstedtern am häufigsten genutzten 40- bis 120-Liter-Behälter, dass sie vom 1. April an zwischen 50 Cent und 1,45 Euro im Monat bei zweiwöchentlicher Leerung mehr zahlen müssen. Wird die Tonne nur alle vier Wochen geleert, fallen zwischen 25 und 70 Cent zusätzlich an. Für den in Norderstedts Haushalten am meisten verbreiteten Restabfallbehälter mit 60 Litern Volumen und 14-täglicher Leerung ohne Transportweg hat das Betriebsamt eine Mehrbelastung von neun Euro im Jahr ausgerechnet.

„Das ist sowohl im Vergleich mit anderen Abfallentsorgern in Schleswig-Holstein als auch im langjährigen Rückblick auf Norderstedts Abfallgebühren noch immer sehr moderat“, sagt Sandhof. Er geht zudem davon aus, dass die Abfallgebühren im nächsten Jahr wieder sinken werden.

Müllgebühren, Umweltausschuss, Mi, 20.2., 18.30, Rathaus.