Norderstedt
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Produkte von Bressmer sind in aller Munde

Christian Bressmer im Lager mit den Mustern der Produktpalette von Bressmer - unendlich viele Granulate aus Gemüse oder Crispies aus Kakao.

Christian Bressmer im Lager mit den Mustern der Produktpalette von Bressmer - unendlich viele Granulate aus Gemüse oder Crispies aus Kakao.

Foto: Andreas Burgmayer

Spezialisten für Nahrungsmittelgrundstoffe – Seit 100 Jahren macht das Norderstedter Unternehmen innovative Lebensmittel möglich.

Norderstedt.  Erstaunliche mittelständische Unternehmen werden gerne als „Hidden Champions“ bezeichnet. Weil sie, weitgehend von einer größeren Öffentlichkeit unbeachtet, in den Nischenmärkten der Industrie ihre Erfolge einfahren und sich dort einen Namen gemacht haben.

Für die Firma Bressmer gilt dies ganz besonders. Nicht viele Konsumenten werden die kleine, aber feine Firma kennen, die seit 2007 am Norderstedter Gutenbergring sitzt und in diesem Jahr auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurückblickt. Mutmaßlich hat aber jeder Mensch im Norden Produkte aus dem Hause Bressmer schon mal im Mund gehabt.

Das Unternehmen ist ein Spezialist für Nahrungsmittelgrundstoffe. Wann immer kleine bis mittelständische Unternehmen der Lebensmittelbranche hochwertige Speiseöle – flüssig oder in Pulverform – benötigen, wenn sie auf der Suche nach ausgefallenen Cerealien-Kreationen oder wertvollen Babynahrungsentwicklungen sind, dann wissen sie, dass die Kompetenz dazu bei Bressmer zu finden ist.

Unternehmer Christian Bressmer steht im Lager am Gutenbergring 37 und vergräbt seine Hände tief in Granulat aus Erbsenmehl. In den Regalen stehen unzählige Behälter mit Crispies, Granulaten und Pops aus allen denkbaren Getreiden. „Das sind Musterteile von Produkten für Kunden. Wir helfen Unternehmen bei der Entwicklung von Innovationen. Wenn viel Entwicklungsaufwand gefragt ist, dann sind wir dabei. Hanseatisch reell, flexibel und schnell.“ Egal ob Protein-Crispies, Maisbärchen für Babys oder hochwertiges Omega-3-Saatenöl.

Christian Bressmer führt das Unternehmen in der dritten Generation. Vor ihm wirkten sein Vater Claus und sein Großvater Friedrich H. Bressmer und schufen ein Stück Hamburger Wirtschaftsgeschichte. Wobei diese streng genommen in Antwerpen ihren Anfang hatte.

Dort betrieb der Urgroßvater Wilhelm Hewel eine Ölmühle. Der Professor für Lebensmittel-Chemie musste nach dem Ersten Weltkrieg die Verstaatlichung seines Unternehmens hinnehmen, zog nach Hamburg und baute dort die Leinölmühle der Harburger Fett-Chemie Brinckman & Mergell (Hobum) zur Speiseölmühle um. Den Vertrieb der Hobum erledigte sein Schwiegersohn Friedrich H. Bressmer, der 1919 die Handelsgesellschaft Bressmer & Francke gegründet hatte. Das Unternehmen zählte zu den ersten Mietern des 1924 eröffneten Chilehauses. Im noch heute aushängenden historischen Firmenregister des architektonischen Juwels findet sich das Unternehmen im Portal C im fünften Obergeschoss.

Bressmer versorgte die Margarineproduzenten und Fischverarbeiter der Hansestadt mit Öl. „Es gab damals 15 Margarinefabriken in der Hansestadt“, sagt Christian Bressmer. Sein Großvater kaufte Verpackungsfirmen dazu und lieferte den Kunden gleich die nötigen Schachteln. Außerdem war er Alleinverkäufer des größten Enteneier-Produzenten Bölts-Edewecht in Oldenburg. Bressmer: „Mein Vater Claus fuhr Enteneier im Tempo-Lieferwagen aus.“ Außerdem importierte der Großvater Hühnereier aus China für die Nudelhersteller. Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich das Unternehmen auf den Profit versprechenden Verpackungssektor. „Wir haben Milliarden von Verpackungsdosen für Margarine verkauft. Wir waren da lange der größte Partner von Unilever“, sagt Bressmer. Erst Ende der 70er-Jahre besann sich Claus Bressmer wieder auf den Großhandel mit Speiseöl.

Mit der Jahrtausendwende und der Globalisierung kam der Neustart des Unternehmens, hin zu den Wurzeln. Christian Bressmer machte die Firma zu dem, was sie heute ist: ein Spezialist für Nischen im Lebensmittelgeschäft.

Der Umzug nach Norderstedt war existenzsichernd. „In Hamburg hätten die uns durch Umweltauflagen für unser Abwasser beinahe ruiniert. In Norderstedt hörte man uns im Rathaus zu und wir fanden eine für alle Seiten gute Lösung am Gutenbergring.“ Heute regelt Bressmer von hier aus den europaweiten Vertrieb der Öle und Cerealien, sowohl an die Lebensmittel- aber auch die pharmazeutische- und Kosmetik-Industrie. Für die Zukunft sieht Bressmer viele Optionen. „Wir wollen verstärkt wissenschaftlich arbeiten. Der Bereich der Nanotechnologie wird immer wichtiger.“ Außerdem eröffne der vegane Markt neue Chancen. Bressmer: „Für die Pharma-Branche entwickeln wir vegane Weichkapseln.“ Den 100. Geburtstag des Unternehmens wollen Bressmer und seine Belegschaft im Hafen-Club Hamburg feiern – klein, aber fein, so wie das Unternehmen.