Norderstedt
Langenhorn/Norderstedt

P+R-Parkplätze kommen nicht vor Ende 2019

Fordern den raschen Abbau der geschlossenen Asylunterkunft auf dem P+R-Parkplatz Kiwittsmoor: Nizar Müller (CDU) und Martina Schenkewitz (SPD).

Fordern den raschen Abbau der geschlossenen Asylunterkunft auf dem P+R-Parkplatz Kiwittsmoor: Nizar Müller (CDU) und Martina Schenkewitz (SPD).

Foto: Andreas Burgmayer

Norderstedter und Langenhorner Politiker kritisieren den Senat der Hansestadt für die langatmige Planung am Kiwittsmoor.

Langenhorn/Norderstedt.  Parkraum für Pendler ist zwischen Hamburg und Norderstedt seit jeher ein grenzübergreifendes Thema: Schleswig-Holsteiner, die in Hamburg arbeiten, parken auf Hamburger oder Norderstedter P+R-Parkplätzen, um auf die Bahn umzusteigen. Und es gibt auch Hamburger, die in Schleswig-Holstein arbeiten und das Auto dies- und jenseits der Landesgrenze abstellen.

Seit die Hamburger ihre Pendlerparkplätze kostenpflichtig gemacht haben, verzeichnet Norderstedt erhöhten „Parkdruck“ – und entschied sich seinerseits, auf den P+R-Parkpklätze in der Stadt Gebühren einzuführen. Doch die Umsetzung dauert noch bis zum Sommer. So lange bleibt der Parkdruck auf Norderstedt also hoch.

Verstärkt wird er vor allem durch den Ausfall des mehr als 300 Stellplätze umfassenden P+R-Parkplatzes an der U-Bahnstation Kiwittsmoor in Hamburg-Langenhorn. Von der Flüchtlingswelle erfasst, baute die Hansestadt den Parkplatz flugs zum Wohncontainer-Dorf um. Zum 31. Dezember 2018 wurde die Flüchtlingsunterkunft mangels Bewohner geschlossen. Die Anwohner, in deren Wohnstraßen viele Pendler derzeit alles zuparken, die Langenhorner Bezirkspolitik und auch die Kommunalpolitik in Norderstedt hoffen nun, dass der alte P+R-Parkplatz schnell wieder eröffnet. Doch davon kann leider nicht die Rede sein.

Die CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Richard Seelmaecker und Dennis Thering richteten eine Kleine Anfrage an den Senat um herauszufinden, wann mit der Wiedereröffnung der Anlage am Kiwittsmoor gerechnet werden kann. Der Senat antwortete: „Nach Räumung des Platzes, Rückbau der Ver- und Entsorgungseinrichtungen und vollständiger Entfernung der noch auf dem Gelände befindlichen Container, werden die Arbeiten zur Wiederherstellung des Platzes als P+R-Anlage aufgenommen. Dazu sind umfangreiche Renovierungsarbeiten erforderlich. Angestrebt wird eine Wiederinbetriebnahme zum Ende dieses Jahres.“

Bei den Langenhorner Kommunalpolitikern aus der Bezirksversammlung Nord stößt diese Antwort auf Unverständnis. Nizar Müller (CDU) hatte damit gerechnet, dass es sechs oder acht Wochen dauern würde, ehe der Parkplatz am Kiwittsmoor wieder zur Verfügung steht. Auch ein Vierteljahr Umbauzeit, wie beim Rückbau der Flüchtlingsunterkunft Grellkamp, hielt er für möglich. „Aber ein Jahr? Diese Zeitspanne ist unverhältnismäßig und erschließt sich uns überhaupt nicht.“ Aus seiner Sicht verschleppe der rot-grüne Senat die Wiedereröffnung. „Ein wirkliches Interesse, den Parkplatz nutzbar zu machen, scheinen die Regierungsparteien nicht zu haben. Die Parkraumvernichtung geht schleichend weiter. Rot-Grün ist es vollkommen egal, ob sich der Parkdruck auf die umliegenden Wohnstraßen anhaltend verteilt. Das ist ein absolutes Unding.“

Ein Grund für die „Verschleppung“ könnten Überlegungen sein, die sich schon lange um das lukrative und verkehrstechnisch gut gelegene Grundstück ranken. In der SPD stellt man sich die Frage, ob es sinnvoll ist, die gesamte Fläche nur für das Abstellen von Autos zu verwenden. „Wir favorisieren auf diesem Grundstück ein ganz neues Modell“, sagt Martina Schiedeck von der SPD-Bezirksfraktion Nord. „Ich bin ja ganz bei Nizar Müller, was das beschleunigte Abräumen der Wohncontainer angeht. Aber ich würde auf der Fläche lieber einen Mix aus sozialem Wohnungsbau, Gewerbe und Parken sehen.“

Nizar Müller hingegen will von Wohnen auf der Fläche nichts wissen: „Das wird mit uns nicht zu machen sein. Wir müssen an dieser Stelle eher noch mehr Parkraum schaffen als bisher. Statt 303 Parkplätze wollen wir uns für den Bau einer Quartiersgarage mit 400 Parkplätzen einsetzen. Im Übrigen halten wir die Gebührenpflicht auf den P+R-Parkplätzen für einen großen Fehler. Die Parkplätze müssten wieder kostenlos werden, damit möglichst viele Autofahrer vom Auto auf die Bahn umsteigen.“

Norderstedt spürt Parkdruck in Tiefgaragen

Das sieht auch Arne Mann von der CDU-Fraktion in Norderstedt so. „Diese Anlage ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Pendler aus Norderstedt, Hamburg-Nord und dem Kreis Segeberg. Wir sind irritiert über die lange Wiederherrichtungszeit der P+R-Anlage und fordern eine zügigere Umsetzung deutlich vor dem Jahresende.“ Mann beobachtet seit Monaten, dass der Parkdruck in Norderstedt für volle P+R-Garagen sorgt. Wenn das Kiwittsmoor als Alternative für Pendler wieder zur Verfügung steht, rechnet Mann mit einer Entspannung der Situation in Norderstedt. Ein Übriges werden die Parkgebühren in Norderstedt dazu beitragen. Wenn im Sommer die Stadt von Pendlern zwei Euro am Tag, 10 Euro in der Woche oder 40 Euro im Monat verlangt, dann wird sich der Parkdruck in Langenhorn verschärfen – selbst wenn die P+R-Anlage am Kiwittsmoor dann wider Erwarten schon eröffnet hätte. Denn die Hamburger verlangen von den Pendlern nur 20 Euro im Monat oder 200 Euro jährlich für das Parken.