Norderstedt

Diese Schleichwege sollen verschwinden

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Christopher Herbst

Foto: Christopher Herbst

Mit Sperrungen könnte der Durchgangsverkehr aus einigen Wohnstraßen im Norderstedter Stadtteil Glashütte verbannt werden.

Norderstedt.  Eine gepflasterte Kreuzung, wenige Meter entfernt stehen ein paar Pferde am Gatter, es duftet nach Landwirtschaft. An kaum einer anderen Stelle ist Norderstedt noch so dörflich wie hier in Glashütte, wo sich Hofweg und Grüner Weg treffen. Trotzdem ist dieser Bereich ein Verkehrsbrennpunkt.

„Der Durchgangsverkehr in dem Wohngebiet um die Straßen Hofweg/Wilstedter Weg ist eine Zumutung für die dortigen Anwohner und mit den verkehrsplanerischen Gegebenheiten nicht vereinbar“, schrieb der CDU-Stadtvertreter Patrick Pender Ende des vergangenen Jahres an die Verwaltung. Der junge Politiker hat hier seinen Wahlkreis, er hat die Beschwerden der Bürger direkt mitbekommen.

Es geht vielen Verkehrsteilnehmern darum, zu Stoßzeiten eine schnelle Abkürzung von der Schleswig-Holstein-Straße über die Poppenbütteler Straße in Richtung der Segeberger Chaussee zu nutzen. Und der beste Schleichweg führt eben über die Glasmoorstraße und den engen Hofweg auf die Bundesstraße 432 oder über den Wilstedter Weg nach Tangstedt. Das nervt die Anwohner morgens und abends. Sie empfinden, dass oftmals deutlich schneller als die im westlichen Teil des Hofwegs vorgeschriebenen 50 km/h gefahren wird. Dazu gebe es, so Pender, „erhebliche Verkehrsbelastungen“ hinter der Kreuzung Grüner Weg.

Die Verkehrsexperten im Rathaus haben sich die betroffenen Straßen genau angeguckt. Schließlich soll der Wilstedter Weg zwischen Hasenmoorweg und Segeberger Chaussee auf 830 Metern Länge ausgebaut werden. Im November 2018 wurden bei einer Infoveranstaltung zwei Modelle vorgestellt. Erstens: eine fünf Meter breite Fahrbahn mit Tempo 30, dazu ein 2 bis 2,50 Meter breiter Gehweg. Zweitens: ein Shared-Space-Prinzip mit gleichen Rechten für alle, ob Lkw oder Fußgänger.

Die Analyse der Durchgangsverkehre gehörte zu den Vorbereitungen für den Ausbau. Sie umfasste das Gebiet zwischen Wilstedter Weg, Grüner Weg, Hofweg, Op de Hütt, Dorfanger und Hasenmoorweg. „Aus den Ergebnissen ist zu erkennen, dass eine erhebliche Durchgangsverkehrsbelastung von circa 75 Prozent vorliegt“, heißt es. Aber auch: „Die Verkehrszahlen der Spitzenstunde sowie der 24-Stunden-Verkehre liegen in einem normalen Bereich für Wohnstraßen.“ Der Höchstwert am Hofweg sind 2290 Fahrzeuge in beide Richtungen (24 Stunden), davon 1790 als Durchgangsverkehr.

Theoretisch könnten die Straßen verbreitert werden. Das nennt die Norderstedter Verwaltung aber „nicht praktikabel“, da es von Anwohnern nicht gewünscht sei und zudem Flächen angekauft werden müssten. Bei einer „unechten Einbahnstraße“, also einem beschilderten Einfahrtsverbot von einer Richtung, sei man darauf angewiesen, dass sich die Fahrer auch daran halten – die Polizei könnte diese Maßnahme kaum dauerhaft kontrollieren.

Eine andere Idee: Der Wilstedter Weg wird ab Hasenmoorweg dichtgemacht, der Hofweg ab der Segeberger Chaussee. Was gegen die Maßnahme spricht: Für eine nötige Wendekehre müsste Privatgrund am Hasenmoorweg aufgekauft werden – momentan ist das aussichtslos. Auch Rettungsdienste, Polizei, Entsorger, Landwirte und Anlieger sehen eine Sperrung kritisch.

Alternative zwei: Ein Abbiegen von der Glasmoorstraße in den Hofweg wird per Sperrung verhindert, es würde eine Wendekehre eingerichtet. In Konsequenz würde der Grüne Weg jedoch eine doppelte Verkehrsbelastung bekommen, auch die Belastung der Segeberger Chaussee wäre größer. Im Wilstedter Weg könnte sich das Aufkommen hingegen je nach Fahrtrichtung und Abschnitt um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Eine Übersicht der Straßen, die als Schleichwege genutzt werden, finden Sie in Ihrer Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit den Ergebnissen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Ausbau des Wilstedter Wegs beschäftigen.

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