Norderstedt
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Blitzerbilanz: Zahl der Raser geht zurück

Foto: Andreas Burgmayer

Bilanz der Verkehrsüberwachung im Jahr 2018: Mehr als 20.000 Geschwindigkeitsverstöße weniger als nach im Vorjahr

Norderstedt.  Die meisten Autofahrer in Norderstedt wissen um die acht Blitzersäulen an den Hauptverkehrsstraßen der Stadt und den mobilen Radarwagen, der für die Stadtverwaltung auf die Jagd nach Rasern geht. Seit Ende 2016 überwacht Norderstedt den fließenden Verkehr, um Lärmschutz und Tempolimits durchzusetzen. „Und jetzt ist der Gewöhnungseffekt da“, sagt Bernd-Olaf Struppek, Sprecher der Verwaltung.

Die Bilanz des Ordnungsamtes über die Verkehrsüberwachung 2018 weist 56.705 Verstöße gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen aus. Das sind mehr als 20.000 Fälle weniger als im Jahr 2017 (76.850 Fälle). Immer mehr Autofahrer halten sich also an die Tempolimits – zumindest im direkten Umfeld der Blitzanlagen.

„Seitdem wir den Verkehr überwachen, also seit September 2016, haben wir insgesamt 171.500 Verstöße über die Blitzersäulen und den mobilen Radarwagen ermittelt“, sagt Struppek. Das Blitzen spülte der Stadt 2017 stattliche 2,3 Millionen Euro an Bußgeld in die Kassen. Der Gewöhnungseffekt der Autofahrer wird 2018 für bescheidenere Erträge sorgen. Im Haushalt wird mit 1,5 Millionen Euro kalkuliert.

Das mobile Radargerät der Stadt, das mit einem blauen Skoda Kombi zu den neuralgischen Stellen des Verkehrs in Norderstedt gefahren wird, lieferte 2018 für 3448 Knöllchen die entlarvenden Bilder der Verkehrssünder. Die übrigen 53.257 Fälle gehen auf das Konto der Blitzersäulen im Stadtgebiet. Auch der Gewöhnungseffekt konnte nichts daran ändern, dass die Blitzsäule am Ortsausgang Norderstedts auf der Schleswig-Holstein-Straße hinter dem Ochsenzoll-Kreisverkehr in Richtung Norden die unangefochten effektivste Säule der Statistik blieb. Beeindruckende 26.020 Autofahrer wurde hier 2018 fotografiert, wie sie die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde überschritten. Das ist annähernd die Hälfte aller von den Blitzsäulen ermittelten Verstöße in der Stadt. Weit abgeschlagen auf dem zweiten Rang folgt die Säule auf der Niendorfer Straße in Garstedt. Dort wird zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 aus Lärmschutzgründen überwacht. 11.119 Autofahrer waren hier 2018 zu schnell. Tempo 50 kontrolliert die feste Blitzsäule an der Oadby-and-Wigston-Straße. 7618 Autofahrer gingen dem Ordnungsamt hier ins Netz. Ebenfalls wegen des Lärmschutzes (22 bis 6 Uhr) blitzt die Säule auf der Poppenbütteler Straße: 7417 Autofahrer lagen hier 2018 deutlich über dem Tempolimit. Schließlich ermittelte die Säule an der Schleswig-Holstein-Straße, Ecke Stormarnstraße noch 1083 Raser. Diese Säule – ebenso wie drei weitere in der Stadt, ahndet in der Hauptsache Rotlichtverstöße. Doch dazu hat die Stadt für 2018 noch keine Statistik vorgelegt.

Klar ist nur, dass eine Rotlicht-Blitzersäule an ihrem Standort überflüssig geworden ist. Die Säule vor der Tesa-Zentrale an der Niendorfer Straße wird derzeit abgebaut. Dort wurden laut Stadt 2018 nur zwei Autofahrer geblitzt – von einem Unfallschwerpunkt könne nicht mehr die Rede sein. Die Säule wird stattdessen an die Ohechaussee, Höhe Schäferkamp versetzt und soll dort die Rotphase der Fußgängerampel überwachen.

Für Irritationen sorgt die Aktion bei der Politik. Reimer Rathje, Vorsitzender der Fraktion Wir in Norderstedt (WiN) beklagt, dass die Verwaltung den Schritt weder angekündigt noch gegenüber der Politik begründet habe. Im Verkehrsausschuss will Rathje für Aufklärung sorgen. „Es geht um die Sinnhaftigkeit des Umbaus. Wir würden uns wünschen, das wir vorher darüber informiert werden, wo und aus welchem Grund Blitzer aufgestellt werden. Handelt es sich wirklich um einen Unfallschwerpunkt?“ Die WiN sei für Verkehrskontrollen. „Aber nur an Stellen, wo massiv gegen die Regeln verstoßen wird.“

Die Verkehrskontrollen der Stadt Norderstedt zur Umsetzung von Lärmschutz und Schulwegsicherung sind ein auf fünf Jahre bis 2021 angelegter Pilotversuch des Landes Schleswig-Holstein. Das Land Schleswig-Holstein hatte 2016, mittels einer sogenannten Experimentierklausel, die Überwachung des fließenden Verkehrs vom Kreis Segeberg auf die Stadt Norderstedt übertragen. „Derzeit bereiten wir uns auf Gespräche mit dem Land über eine Evaluation der bisherigen Ergebnisse vor“, sagt Struppek.

Eine Übersicht der Blitzerstandort in und um Norderstedt finden Sie in Ihrer Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.