Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Oldtimer – Wer will die „Blechliesel“ haben?

Feri Rituper, einen Benzinkanister in der Hand, vor seiner „Blechliesel“. Den 96 Jahre alten Oldtimer mit Holzspeichenrädern hat er 44 Jahre lang liebevoll gepflegt.

Feri Rituper, einen Benzinkanister in der Hand, vor seiner „Blechliesel“. Den 96 Jahre alten Oldtimer mit Holzspeichenrädern hat er 44 Jahre lang liebevoll gepflegt.

Foto: Hans-Eckart Jaeger / Jaeger

Der Henstedt-Ulzburger Feri Rituper trennt sich von seinem Ford Modell T, Baujahr 1923. Das Prachtexemplar soll 46.500 Euro kosten.

Henstedt-Ulzburg.  Feri Rituper (82), Enkel eines ungarischen Einwanderers, ist seit 44 Jahren stolzer Besitzer eines der legendärsten Autos der Welt – in seiner Garage steht ein Ford Modell T, Baujahr 1923. Jetzt will der pensionierte Autoelektriker das motorisierte Prachtstück verkaufen – über das Internet. Mehr als 40.000 Autofreaks haben innerhalb kurzer Zeit das Angebot auf der Website von Ebay-Kleinanzeigen angeklickt. Dort steht auch der Preis: 46.500 Euro.

Das Telefon klingelt: Feri Rituper hebt den Hörer ab. Ein Autohändler aus Norditalien meldet sich: „Ich bin an Ihrem Oldtimer interessiert“, behauptet der Anrufer. „Sollten wir uns einig werden, lasse ich ihn nach Israel verschiffen. Ein Kunde von mir sucht genau dieses Auto.“ Der Interessent will die Rechnung in bar und mit 500-Euro-Scheinen bezahlen. Da zögert Feri, auf ein solches Angebot will er sich nun doch nicht einlassen.

Er ist immer noch verliebt in seine schwarzlackierte „Tin Lizzy“: „Abschied tut weh“, klagt er. „Doch ich bin viel zu alt, um mit ihr noch weiter durch die Gegend zu kutschieren“, sagt der 82-Jährige. Für ein paar Tage hat er seine „Blechliesel“, die er sonst in der Scheune eines befreundeten Landwirtes abgestellt hat, zu sich nach Hause geholt. Da steht sie nun in der Garage, immer noch tipptopp, blitzblank und ohne jede Delle. Für den heutigen Montag hat sich ein Fernsehteam angekündigt. SAT.1 will über das Auto mit dem großen Seltenheitswert einen Film drehen.

Wenn die Kameraleute fertig sind, wird Rituper seine „Tin Lizzy“ mit Hilfe von Freunden zurück in die Scheune bringen. Es soll keine zweite Chance für potenzielle Einbrecher geben. Unbekannte waren vor einigen Wochen durch das Küchenfenster in sein Haus eingestiegen. Hatten sie es auf den Oldtimer abgesehen? Zum Glück war er nicht da.

„Tin Lizzy“ hat ihm und seiner vor einem Jahr verstorbenen Ehefrau in all den Jahren viel Freude bereitet: „Bei schönem Wetter haben wir Ausfahrten durch Wald und Flur gemacht“, erinnert sich der Henstedt-Ulzburger. Auch an Oldtimer-Veranstaltungen haben sie teilgenommen, und oft mussten sie Besuchern die aufregende Geschichte ihres Lieblingsautos erzählen. Zum Beispiel, dass sie Brautpaare zum Hochzeitsaltar gefahren haben.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass die „Blechliesel“ am 1. Juli 1923 in den Vereinigten Staaten vom Fließband gelaufen ist. Wer der erste Besitzer war, ist leider nicht überliefert. Auch der Autohändler in der Nähe von Kopenhagen, in dessen Werkstatt Feri Rituper den Oldtimer bei einer Urlaubsfahrt im Sommer 1975 entdeckt und wenig später für etwa 37.000 Mark erworben hatte, konnte darüber keine Auskunft geben. Für Feri aber, den Sohn eines Lkw-Fahrers aus Hamburg, wurde in Dänemark schnell klar: Das war genau das Auto, von dem er schon als Junge geträumt hatte.

„Blechliesel“ hat all die Jahre gut überstanden. Mit einer einzigen Ausnahme: Der Motor, der sonst nie Schwierigkeiten gemacht hatte, sprang vor Kurzem nicht mehr an. Der findige Kfz-Elektriker- und Schlossermeister brauchte aber nicht lange zu suchen: Das Schwimmernadelventil des Vergasers war undicht und musste ausgewechselt werden.

Normalerweise eine Kleinigkeit, aber es dauerte einige Wochen, ehe ein Händler aus dem Schwarzwald das 50 Euro teure Ersatzteil endlich abschickte. Nun ist der Oldie wieder in einem bestmöglichen Erhaltungszustand – liebevoll restauriert und gepflegt. Er ist nicht verbastelt, alle Teile sind Originalprodukte.

Der alte Ford schafft bis zu 40km/h

„Diesen Oldtimer von Ford gibt es kein zweites Mal“, glaubt Feri und präsentiert einige technische Daten: 20-PS- Motor, bis zu 40 km/h schnell, laut Anzeige 6029 Meilen gelaufen, 2-Gang-Planetgetriebe. Die Bremsen wirken über die Kardanwelle auf die Hinterachse. Eine seltene Variante mit geschlossenem Aufbau und vier Türen. Karosserietyp: über Holzrahmen angebrachte Stahlbleche. Fahrgestell: Leiterrahmen mit Starrachsen vorn und hinten an Querblattfedern.

Auf dem Weg über Ebay-Kleinanzeigen sucht Feri Rituper nun einen Käufer: am liebsten einen Sammler, bei dem seine „Tin Lizzy“ in guten Händen ist, oder auch ein Museum. Feri steht auch in Kontakt mit einem Hamburger Autohaus, das in diesem Jahr 100 Jahre alt wird. In einem Ausstellungsraum könnte das Liebhaberstück auch die nächsten 100 Jahre gut überleben...