Norderstedt
Norderstedt

Neue Moschee soll ab Juni gebaut werden

Präsentierten das Modell der neue Eyup Sultan Moschee (v. l.): Architekt Selçuk Ünyılmaz, Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Kemal Özer, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde Norderstedt.

Präsentierten das Modell der neue Eyup Sultan Moschee (v. l.): Architekt Selçuk Ünyılmaz, Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Kemal Özer, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde Norderstedt.

Foto: Andreas Burgmayer

Die Türkisch-islamische Gemeinde präsentierte am Sonntag ihre Pläne für das Gotteshaus in Norderstedt. Kosten: vier Millionen Euro.

Norderstedt.  Die Türkisch-Islamische Gemeinde Norderstedt hat am Sonntag den Baubeginn für die seit 2010 geplante neue Eyup Sultan Moschee in Norderstedt verkündet. „Wir wollen am Freitag, 14. Juni, mit den Bauarbeiten beginnen“, sagte der von der Gemeinde beauftragte Hamburger Architekt, Selçuk Ünyılmaz, bei einem Festakt der Gemeinde im Veranstaltungssaal Ufuk am Mühlenweg. „Nach dem letzten Freitagsgebet in den Räumen der alten Moschee kann sich jeder Gläubige noch ein Andenken mitnehmen. Dann soll der Bagger anrollen.“

Was die Norderstedter Muslime nach dem Abriss des ehemaligen Gasthofes an der Straße In de Tarpen 122, der 40 Jahre lang ihre Glaubensheimat war, nun bauen wollen, bezeichnete Mustafa Yoldaş, Vorsitzender des Rates der islamischen Gemeinschaften in Hamburg (Schura), als „in Deutschland und vielleicht sogar weltweit einmalig“. Für angeblich 4 Millionen Euro soll ein islamisches Gotteshaus mit 1850 Quadratmetern Nutzfläche entstehen. Die Architektur ist ebenso transparent wie modern: Viel ornamentiertes Glas, versehen mit den Worten Friede, Reue und Glaube in deutscher, englischer und arabischer Sprache, dazu fließende Formen und eine Kuppel zum Himmel und zwei 21 Meter hohen Minaretten mit integrierten Windkraftanlagen. In den Nebengebäuden die Imam-Wohnung, die Schulungs- und Projekträume für Jugend und Frauenrat, ein Supermarkt und – als Begegnungsort für alle Norderstedter – die Cafeteria einer Kaffeehaus-Kette.

Finanziert wird der Bau laut der zur Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib Nord) gehörenden Gemeinde ausschließlich durch Spenden. „Egal, wie viel ihr heute vorhattet zu spenden – werft das Doppelte in die Spendenbüchsen“, sagte Mustafa Yoldaş. „Wir bekommen keinen Cent aus öffentlicher Förderung.“

Gemeindesprecher Tahsin Cem betonte, dass es auch aus der Türkei oder von der Ditib kein Geld gebe. Seit dem Jahr 2008 habe die Gemeinde aber bereits etwa 1 Million Euro an Spenden von Muslimen gesammelt. „Damit können wir den Abriss und den Baustart finanzieren. Viele hatten ja schon geglaubt, das Projekt würde nichts werden. Aber jetzt geht es endlich los“, sagt Cem. Bundesweit will die Gemeinde künftig weitere Spenden einwerben. „Es ist normal beim Moscheebau in Deutschland, dass die Spenden erst dann kommen, wenn auf der Baustelle was zu sehen ist. Es kann auch mal sein, dass die Baustelle eine Zeitlang ruht, ehe neue Spenden da sind.“ Nach dem Abriss der alten Gemeinderäume werden die Gläubigen in einem Nebenraum und in Wohncontainern provisorisch beten. „Da ist nur noch Platz für den harten Kern der Gemeinde.“ Im opulenten Neubau hingegen haben im Gebetsraum dann mehr als 200 Menschen Platz.

Den Gemeindemitgliedern ist es wichtig, als türkischstämmige Norderstedter in der dritten oder vierten Generation mit einem würdigen Gebetshaus zu demonstrieren, dass man angekommen ist in der deutschen Gesellschaft. Gemeindevorstand Kemal Özer will ein „Haus der Freundschaft, der Zusammengehörigkeit und der Menschlichkeit“ bauen, in dem sich alle Bürger unabhängig von Glaube und Herkunft begegnen können.

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder sieht in der innovativen Moschee eine Bereicherung für die Stadt mit ihren Bürgern aus 140 Nationen. Sie dankte der Norderstedter Kommunalpolitik, die das Projekt mit großer Mehrheit stützt. „Dieser Moschee-Neubau ist das Signal einer demokratischen Gesellschaft, die Religionsfreiheit gewährt. Umgekehrt ist es unser Wunsch, dass Sie sich ausgrenzenden und radikalen Tendenzen verwehren.“

Die Ängste mancher Deutschen vor Islamisierung und Überfremdung und der Verdrängung der Kirchen durch Moscheen entspringe einer unsachlichen, politisch völlig überzogenen Debatte, mit der besonders rechte politische Parteien Wähler gewinnen wollten, sagte Sedat Şimşek, der Vorsitzende der Ditib Nord. „Muslimisches Leben ist Teil der deutschen Realität. Vielfalt bedeutet, dass Unterschiede nicht als trennend, sondern als Bereicherung gesehen werden.“ Şimşek warb um Akzeptanz für den Islam mit den Worten Johann Wolfgang von Goethes: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“