Norderstedt
Norderstedt

Nach Streit mit Gummihammer zugeschlagen?

Eine Statue der Justitia.

Eine Statue der Justitia.

Foto: Michael Rauhe

Freispruch für den 44 Jahre alten Angeklagten am Amtsgericht Norderstedt, weil am Ende Aussage gegen Aussage stand.

Norderstedt.  Auf dem Bau herrschen raue Sitten. „Bei uns wird oft gestritten. Das Meckern ist üblich“, beschrieb ein Bodenleger den ruppigen Umgangston unter Bauhandwerkern. Der 31-Jährige, der in Arbeitsklamotten direkt von der Baustelle kam, trat im Amtsgericht Norderstedt als Zeuge auf. Eine Armlänge von ihm entfernt saß ein Kollege, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatte. Der Fliesenleger soll mit einem Gummihammer einen Handwerker auf die linke Schulter geschlagen haben.

Tatort war eine Baustelle in Norderstedt im August des vergangenen Jahres. Der Angeklagte war dabei, in der Tiefgarage eine Treppe mit Fliesen anzulegen, als er plötzlich von oben Stimmen hörte. „Hallo, hier ist gesperrt“, will er gerufen haben, während ein Mann sofort losgebrüllt haben soll: „Das ist mir scheißegal. Ich will hier durch. Ich habe Feierabend“. Nach einem lautstarken Krach habe der 34-Jährige laut Anklage einen Gummihammer gezückt und damit zugeschlagen.

Drei Männer seien über die frisch angelegten Fließen getrampelt und hätten damit die Arbeit eines halben Tages kaputt gemacht, erklärte der Handwerker. Er habe zwar mit dem Hammer gedroht, aber niemals zugeschlagen. Zeuge Nummer eins will vom Zwischenfall merkwürdigerweise nichts gesehen haben. Dafür redete der zweite Zeuge: „Der Angeklagte wollte meinen Bruder auf den Schädel schlagen“. Er habe ihn ganz schnell weggezogen, sodass der Hammer nur die Schulter traf. Hätte er den Kopf getroffen, wäre sein Bruder nun tot.

Als letzter Zeuge sagte das Opfer aus. „Der Typ pöbelte rum und zog sogar ein Messer“, erinnerte sich der Bodenleger. Nach dem Hieb mit dem Hammer fanden die Sanitäter im Krankenwagen beim Opfer allerdings keinerlei Verletzung. Einen Tag später attestierte ihm der Hausarzt eine Schulterprellung mit einer oberflächlichen Schürfwunde. „Meine Schulter war ein paar Tage taub“, beteuerte der 31-Jährige.

Am Ende der Beweisaufnahme stand schließlich Aussage gegen Aussage. Nachdem die Staatsanwaltschaft eine sechsmonatige Bewährungsstrafe beantragt hatte, entschied der Norderstedter Amtsrichter nach längerer Unterbrechung, den Angeklagten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freizusprechen. In der Aussage des Angeklagten gäbe es genug Ungereimtheiten, aber für eine Verurteilung reiche es nicht aus. „Im Zweifel für den Angeklagten“ zitierte der Amtsrichter den bekannten Juristenspruch.