Norderstedt
Norderstedt/Quickborn

Gemeinde Ellerau wechselt im Sommer den Partner

Elleraus Bürgermeister Ralf Martens. Seine Gemeinde wird vom 1. Juli an von der Stadt Quickborn mitverwaltet.

Elleraus Bürgermeister Ralf Martens. Seine Gemeinde wird vom 1. Juli an von der Stadt Quickborn mitverwaltet.

Foto: Burkhard Fuchs / fuchs

Am 30. Juni endet Verwaltungsgemeinschaft mit Norderstedt. Ab dem 1. Juli wird die Gemeinde von Quickborn betreut. Noch viel zu tun.

Ellerau/Norderstedt.  Die Verwaltungsehe mit der Stadt Norderstedt läuft für die Gemeinde Ellerau zum 30. Juni dieses Jahres aus. Von Juli 2019 an übernimmt die Nachbarstadt Quickborn aus dem Kreis Pinneberg die komplette Verwaltung der 6180 Einwohner zählenden Gemeinde. Um diesen Übergang nach zwölfeinhalb Jahren Partnerschaft mit Norderstedt so reibungslos wie möglich zu gestalten, wird zurzeit eifrig zwischen den beiden Verwaltungen und der Politik Elleraus hin und her geplant und jede Menge besprochen.

„Wir sind in engen Abstimmungsgesprächen“, sagt Elleraus Bürgermeister Ralf Martens. „Das läuft recht gut.“ Wichtig sei vor allem, dass die Mitarbeiter und die 102 Empfänger von Wohngeld, Sozial- oder Asylhilfeleistungen in den 57 betroffenen Haushalten in Ellerau von der Umstellung nichts merkten und ab Juli weiterhin ihr Gehalt und Geld wie bisher ausgezahlt bekämen, betont Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl.

Dafür sorge zurzeit die Stadtverwaltung Norderstedt, indem sie die notwendigen elektronischen Daten nach Quickborn übertrage und somit „den Betrieb nach Übertragung für Ellerau sicherstellt“, erklärt Norderstedts Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Was allerdings nicht ganz problemlos über die Bühne gehen könnte, da beide Verwaltungen unterschiedliche EDV-Systeme nutzten und Quickborn sich zudem mit dem kommunalen IT-Verbund KommunIT eines externen EDV-Dienstleisters bedient. Auch die Programme für die Volkshochschulen seien nicht kompatibel, sagt Martens. „Im Verwaltungsvertrag war das nicht geregelt.“

Vollstreckung bei Schuldnern neu geregelt

Zudem gilt es, bis zur Übergabe etwa zwei Lkw-Ladungen voll mit Aktenordnern vom Norderstedter ins Quickborner Rathaus zu transportieren, schätzt Bürgermeister Köppl die Menge an schriftlichen Unterlagen, die es für Ellerau gibt. „Zum Glück sind die Akten für Ellerau in Norderstedt getrennt geführt worden.“

Aber wie so oft liegt auch hier der Teufel im Detail. So musste der Standesamtsbezirk für Ellerau mit Norderstedt gekündigt werden, damit auch künftig Brautpaare aus der Gemeinde in aller Freude ihre gemeinsame Zukunft mit einer Hochzeit eingehen können. Die Vollstreckung bei säumigen Schuldnern ist neu zu regeln. Bislang hat dies die Stadt Norderstedt für Ellerau gemacht. Quickborn hat diese Aufgabe aber der Kreisverwaltung Pinneberg übertragen, um Personalkosten zu sparen, die dies wohl künftig kreisübergreifend dann auch für Ellerau tun wird.

Auch die Entstempelung der Autokennzeichen wird offenbar von jedem Kreis anders gehandhabt. Im Kreis Segeberg mache dies jede Gemeinde selbst, in Pinneberg die Kreisverwaltung, erklärt Köppl. Da werde sich wohl auch für Ellerau die Kreis-Pinneberg-Lösung abzeichnen. Und sogar der Atemschutz für die freiwillige Feuerwehr ist unterschiedlich geregelt, wie Martens erfahren hat. Die Gasflaschen aus Kunststoff, die die Ellerauer Kameraden benutzen, kenne Quickborn mit seinem Metallflaschen-System nicht und könnte diese auch nicht wieder auffüllen. „Das Problem lösen wir jetzt, indem wir extra Kunststoffflaschen für 20.000 Euro bestellt haben und bei uns lagern werden“, erklärt Martens.

In allen anderen Bereichen, insbesondere was die Abfallentsorgung über den Wege-Zweckverband, die Planung von Radwegen oder von Bebauungsplänen angeht, ändert sich nichts. Hier bleibt die Verwaltungshoheit beim Kreis Segeberg.

Einmal im Monat treffen sich die Vertreter aller Fraktionen aus Ellerau mit den Mitarbeitern der Quickborner Verwaltung, um solche Dinge im Detail zu erörtern und das weitere Vorgehen zu klären. Fest steht bereits, dass acht von zehn Mitarbeitern, die bislang im Ellerauer Rathaus gearbeitet haben, dies weiterhin tun werden, aber künftig nicht in Norderstedt, sondern bei der Stadt Quickborn angestellt sein werden. Zwei hätten sich freiwillig woanders hin beworben, so Bürgermeister Martens.

Es würde aber bei den zehn Vollzeitstellen bleiben, betont der Ellerauer. Nur mit dem Unterschied, dass es künftig keine eigene Büroleitung mehr wie bisher in Ellerau geben werde. Vielmehr würden die einzelnen Fachabteilungen im Ellerauer Rathaus wie die Grundstücksverwaltung, der Kita-Bereich oder der Gremiendienst sich direkt mit den zuständigen Fachbereichen in Quickborn abstimmen. Dafür müsse nun auch noch in den nächsten Wochen die gesamte Computer-Hardware ausgetauscht werden, die in Eller­au noch der Stadt Norderstedt gehört. Ein erster Testlauf mit den neuen Geräten und der neu installierten Software soll dann im April losgehen, damit zum 1. Juli alles problemlos starten kann, kündigt Martens an. „Wir werden dann probeweise zweigleisig fahren.“ Zudem bekämen die Kommunalpolitiker eigene Tablets, wie in Quickborn bereits üblich, um die Papierflut bei den Entscheidungsvorlagen einzudämmen.

Quickborner Rathaus nur 2,5 Kilometer entfernt

Im Quickborner Rathaus werden dann noch weitere zehn Mitarbeiter für die neue Verwaltungsgemeinschaft arbeiten, erklärt Bürgermeister Köppl. In Norderstedt waren elf Vollzeitstellen mit Ellerauer Belangen beschäftigt, die nun anderweitige Aufgaben übertragen bekämen, wie Stadtsprecher Struppek erklärt.

„Der große Vorteil für unsere Bürger und Bürgerinnen wird es sein, dass sie künftig genauso gut und kompetent wie bisher verwaltet werden“, ist Eller-aus Bürgermeister Ralf Martens überzeugt. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie ihre behördlichen Dinge künftig ebenso gut und schneller als bisher im Quickborner Rathaus erledigen könnten, das mit 2,5 Kilometern Entfernung viel dichter dran und besser erreichbar für die Bürger sei als das Norderstedter Rathaus. Zumal die Quickborner Verwaltung sogar an sechs Tagen die Woche einschließlich sonnabends 52 Stunden in der Woche geöffnet ist.

„Wir haben bereits gute Erfahrungen mit den Verwaltungsgemeinschaften mit unseren kleineren Nachbargemeinden Hasloh und Bönningstedt gemacht“, betont Bürgermeister Köppl. Diesen Informationsvorsprung werde Quickborn natürlich in die neue Verwaltungsgemeinschaft einbringen, für die Ellerau rund 1,35 Millionen Euro im Jahr zahlen wird.