Norderstedt

Bildungshaus wird bis zu sieben Millionen Euro teurer

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Heike Linde-Lembke
Das Bildungshaus, hier eine Animation, soll Volkshochschule, Bücherei und das Archiv unter einem Dach zur Zusammenarbeit bringen.

Das Bildungshaus, hier eine Animation, soll Volkshochschule, Bücherei und das Archiv unter einem Dach zur Zusammenarbeit bringen.

Foto: HA

Schlechte Nachricht im Kulturausschuss: Norderstedts Baudezernent Thomas Bosse stellte die neue Kostenkalkulation für das Projekt vor.

Norderstedt.  Das Bildungshaus Norderstedt wird bis zu sieben Millionen Euro teurer als geplant. Diese bittere Pille musste Baudezernent Thomas Bosse den Mitgliedern des Kulturausschusses im Bericht über den Planungsstand des Bildungshauses verabreichen.

Veranschlagt waren bisher inklusive Tiefgarage 14 Millionen Euro, eingestellt in den Haushalt sind 12,8 Millionen Euro. „14 Millionen Euro ist eine qualitative Angabe, da die Planungen noch nicht beendet sind“, sagte Thomas Bosse. Hinzu kämen kalkulierte 22 Prozent der Bausumme für Nebenkosten, die beispielsweise für Honorare der Architekten und weiterer Planungen fällig werden würden. Außerdem müsse generell bis zum Planungsabschluss mit einer weiteren Preissteigerung von fünf Prozent gerechnet werden. Plus Kosten für die Außenanlagen, beispielsweise den Lesegarten. „Exakt fehlen 6,8 Millionen Euro“, sagte Bosse. Und schob hinterher: „Nach heutigem Stand.“

Bildungshaus bringt der Stadt einen erheblichen Mehrwert

Die fehlenden 6,8 Millionen Euro aber müssen im Haushalt stehen, sonst dürfe die Planungsgruppe keine weiteren Planungsaufträge erteilen.

„Ich bin nicht überrascht, wir haben bereits 2015 Kosten von zwölf Millionen Euro angesetzt – und zwar ohne Tiefgarage und Archiv, das Bildungshaus ist eben ein Riesenprojekt“, sagte Franz Maletzke von der SPD-Fraktion. „Das Bildungshaus ist eine Vision, und das Geld ist die Sache wert“, sagte Thorsten Borchers von der Norderstedter CDU-Fraktion. Zudem seien die Planungen schon recht konkret, und er verspreche sich vom Bildungshaus für die Stadt einen erheblichen Mehrwert. „Das Projekt muss fertig werden“, forderte Borchers.

Zuvor hatte Ingo Tschepe, Leiter der Stadtbücherei, die mit der Volkshochschule und dem Stadtarchiv ins Bildungshaus einziehen soll, einen Überblick über den derzeitigen Planungsstand gegeben. „Es gibt in Deutschland noch keine derartige Einrichtung, die die VHS, die Bücherei und das Archiv unter einem Dach zur Zusammenarbeit bringt“, sagte Marlen von Xylander, Leiterin des Stadtarchivs, die mit Kolleginnen und Kollegen unter der Leitung des Architekten Aat Vos die Umsetzung von dessen Idee des Bildungshauses als „Dritten Ort“ in Workshops, in einer Art Denkfabrik, weiterentwickelt und auf Norderstedter Ansprüche zuschneidet.

Die neuartige Konstruktion würde für Synergien sorgen

Auch die VHS-Kurse, die im öffentlichen Bereich stattfinden sollen, würden kommunikativer und transparenter werden. Die neuartige Konstruktion würde zu Synergien zwischen den drei Einrichtungen führen, von denen die Kunden profitieren. „Wer etwas öffentlich vortragen, erzählen, lesen, inszenieren, musizieren, wer sein Können und Wissen anderen mitteilen will, ist im Bildungshaus als Treffpunkt für alle richtig“, sagte Ingo Tschepe.

Kundenbefragungen hätten ergeben, dass die Nutzer möglichst alles auf einmal an einem einzigen Ort erledigen möchten. „Deshalb werden wir beispielsweise die Anmeldung für Kurse und die Medien-Ausleihe an die Cafeteria bauen“, sagte Tschepe.

Regale sollen im Bildungshaus an der Wand stehen und nicht mehr mitten im Raum und mehrere Etagen miteinander verbinden. Zudem solle viel natürliches Licht von außen in die Räume fallen, die mit Pflanzen und Farben wohlig gestaltet werden. Für die neuen Seminar- und Gesundheitsräume sei jetzt Geld bei der Kulturstiftung „hochdrei“ des Bundes, die die Stadtbibliotheken fördert, beantragt worden. Zurzeit werde auch eine europaweite Ausschreibung für den Bau des Bildungshauses erarbeitet, die die Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EgNo) starten würde.

Die gestiegenen Kosten für das Bildungshaus, für das noch immer ein Name gesucht wird, werden während der Sitzung des Hauptausschusses am Montag, 11. Februar, 18.15 Uhr, Sitzungsraum 2 im Rathaus, diskutiert.

Weitere Infos: Politik beteiligen

Die FDP hat für die Sitzung der Stadtvertreter am Dienstag, 5. Februar (19 Uhr, Rathaus), acht Fragen zum Bildungshaus Garstedt an die Verwaltung formuliert. Dabei geht es um die Kosten, außerdem wollen die Liberalen sicherstellen, dass die Politiker regelmäßig über die Planung informiert und eingebunden werden. „Gerade die jüngste Vergangenheit mit dem Streit um den Recyclinghof und die Vorfälle im städtischen Alten- und Pflegeheim hat gezeigt, dass wir als Politiker nicht so einbezogen waren, wie das nötig ist“, sagt FDP-Fraktionschef Tobias Mährlein.

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