Norderstedt

Frei parken? Nur noch bis zum Sommer – wahrscheinlich

| Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Burgmayer
Bald auch in Norderstedt: ein Parkscheinautomat.

Bald auch in Norderstedt: ein Parkscheinautomat.

Foto: Wolfgang Klietz

Bei der Umsetzung der Parkraumbewirtschaftung muss die Stadt Norderstedt ungeahnte Hürden nehmen – das sorgt für Verzögerungen.

Norderstedt.  Es ist ja nicht so, dass die Autofahrer in Norderstedt es kaum abwarten können, dass in der Stadt nach 30 Jahren Parkgebühren eingeführt werden. Im Gegenteil: Die meisten werden sich über die Information aus dem Rathaus freuen, wonach die Gebührenpflicht wahrscheinlich erst Mitte des Jahres in Parkgaragen und auf P+R-Parkplätzen gelten wird.

Offenbar tauchen bei der Umsetzung des im April 2017 politisch beschlossenen Parkraumbewirtschaftungskonzeptes immer mehr Hürden auf. „Es hat sich leider herausgestellt, dass die technische und praktische Umsetzung der Parkraumbewirtschaftung längere Zeit in Anspruch nimmt als ursprünglich avisiert“, teilt Mario Kröska vom Fachbereich Verkehrsflächen dem Verkehrsausschuss auf Anfrage der Grünen schriftlich mit. Avisiert wird der Beginn der Gebührenpflicht schon lange: Im Februar 2018 wurde im Rathaus das 3. Quartal 2018 genannt. Kröska selbst korrigierte sich im Juli auf „Spätherbst“. Im August hieß es, im November würden die ersten Parkschein-Automaten stehen, komplett umgesetzt sei das Konzept im 1. Quartal 2019. Nun also wird es Sommer werden, bis die Sache abgeschlossen ist. „Nach über 30 Jahren der praktizierten Philosophie des kostenlosen Parkens in allen Tiefgaragen der Stadt Norderstedt ist zum einen jedwede vorhandene technische Infrastruktur nicht auf Gebühreneinnahmen ausgelegt und muss zeitaufwendig umgestaltet werden“, schreibt Kröska. „Und zum anderen sind alle bestehenden Betreiberverträge für die Garage unter der Post und die Parkgarage im Bereich der Beamtenlaufbahn umfangreich anzupassen.“

Und diese vertragsrechtlichen Hürden sind wohl nicht so einfach zu nehmen wie gedacht. Die Parkgaragen unter dem U-Bahnhof Norderstedt-Mitte, genannt Garage West und Ost, wollen in ihrer jetzigen Form noch nicht so recht ins Gebührenkonzept passen. Dort finden sich nicht nur die städtischen P+R-Parkplätze, sondern auch die Stellflächen im Besitz des Wohnungsbauunternehmens Plambeck. Das hat an seine gewerblichen Mieter Rewe und Budnikowski Parkplätze vermietet, die von den Unternehmen wiederum kostenlos als Kundenparkplätze angeboten werden.

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was passiert, wenn die Stadt nun auf ihren Flächen die Gebührenpflicht erhebt. Die Kundenparkplätze würden von P+R-Parkern belegt. „Wir müssen für diese Situation eine Lösung finden“, sagt Plambeck-Geschäftsführer Volker Heins. „Wir unterstützen das Vorhaben der Stadt, Parkgebühren einzuführen. Aber momentan fehlt mir noch die Fantasie, wie die Lösung in der Tiefgarage unter dem U-Bahnhof aussehen könnte.“ Verkehrsplaner Kröska sieht die Gefahr der Unübersichtlichkeit in den Garagen, der Ungleichbehandlung von Gewerbe-Kunden und P+R-Nutzern und der Verdrängungsverkehre innerhalb der direkt beieinander liegenden privaten und städtischen Park-Bereiche. In den Gesprächen mit Plambeck habe sich aber abgezeichnet, dass das Unternehmen auf seinen Stellplätzen die Gebühren- und Parkscheibenregelungen der Stadt übernehmen wolle.

Volker Heins schließt hingegen aus, dass die Rewe- und Budni-Kundenparkplätze nun gebührenpflichtig werden. „Die Lösung könnte sein, dass die Autofahrer Parkscheiben legen müssen.“ Die wichtige Frage dabei: Wer kontrolliert die Einhaltung der Regeln? Plambeck hat kein Interesse daran, für die Durchsetzung der Regelung selbst zu sorgen und zu bezahlen. „Wir gehen davon aus, dass das Ordnungsamt die Überwachung der Flächen übernimmt. Dort werden dafür ja extra Stellen geschaffen“, sagt Heins.

Die technische Seite der Parkraumbewirtschaftung, so teilt Kröska im Ausschuss mit, ist weitestgehend abgeschlossen. Markierungs- und Beschilderungspläne seien fertig, Strom- und Datenleitungen für die Automaten gelegt. Nun müssten nur noch die etwa 50 bis 60 Parkautomaten gekauft werden. „Die Texte für die Ausschreibung der Automaten sind vorbereitet.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt