Norderstedt
Natur und Umwelt

Hier gleicht Norderstedt seine Ökobilanz aus

Ute Ojowski von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im frisch ausgehobenen Teichbett im Kampmoor.

Ute Ojowski von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im frisch ausgehobenen Teichbett im Kampmoor.

Foto: Andreas Burgmayer

Vom Gewerbe am Nordport oder Häusern im Garstedter Dreieck profitiert auch der Moorfrosch. EGNO sorgt am Kampmoor für Natur-Ausgleich.

Norderstedt.  Die Baggerschaufel gräbt sich im Kampmoor in den durchnässten Moorboden und reißt mitten im Kampmoor, nördlich von Friedrichsgabe, ein kratergroßes Loch in den Boden. Was wie brachiale Umweltzerstörung aussieht, ist in Wahrheit praktizierter Umweltschutz. Hier entsteht ein Habitat für den europaweit bedrohten Moorfrosch.

Im Krater, aus dem bald ein Froschteich werden wird, steht Ute Ojowski. Sie ist Umweltexpertin und Geschäftsführerin der Ausgleichagentur Schleswig-Holstein, einer 100-prozentigen Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Die Stiftung kümmert sich im Auftrag der Landesregierung darum, dass es auch in künftigen Jahrzehnten noch so etwas wie die wilde, ursprüngliche und unberührte Nord-Natur gibt. Und die Ausgleichsagentur ist der Full-Service-Dienstleister der Stiftung für alle, die vom Gesetz verpflichtet werden, für zerstörte Natur neue zu schaffen.

Die Stadt Norderstedt etwa. Wenn diese oder ihre Tochter, die für die Entwicklung von Liegenschaften zuständige Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EgNo), im Nordport Gewerbe ansiedeln oder im Garstedter Dreieck Wohnblocks hochziehen lassen, belasten sie damit ihr Öko-Konto und müssen es an gleicher oder an anderer Stelle wieder ausgleichen. Die Ausgleichsagentur übernimmt das komplett. Sie entwickelt die Projekte, setzt sie um und begleitet sie über Jahre, damit alle gesetzlichen Ansprüche gewährleistet sind – das Rundum-Sorglos-Ausgleichspaket für die öffentliche Hand.

Nass und warm – so mag es der Moorfrosch gerne

Im Kampmoor hat sich die EgNo neun Hektar Acker- und Grünland gesichert, quasi als strategische Reserve für Bauprojekte in der Stadt. Die Ausgleichsagentur hat das Gebiet untersucht und stieß auf den Moorfrosch. „Das ist ein altes Moor mit Grünland. Der Moorfrosch ist hier schon länger heimisch. Gleich hinter der jetzigen Baustelle ist ein alter Teich, in dem er laicht“, sagt Ojowski. „Außerdem gibt es hier Lunken, also ständig unter Wasser stehendes Grünland.“ Das liebt der Moorfrosch. Und genau deswegen ist er in ganz Europa gefährdet. Denn Moore und Feuchtgebiete verschwinden, sie werden trocken gelegt oder kultiviert. Das Bundesnaturschutzgesetz stellt den Moorfrosch unter strengen Schutz. Auf der Roten Liste gefährdeter Arten hat er den Status 3 (gefährdet). Das Kampmoor wird nun als Moorfrosch-Biotop optimiert. Drei Teiche graben Ojowski und ihr Team verteilt auf den EgNo-Flächen. „Das sind keine Teiche, die ans Grundwasser reichen und das ganze Jahr über Wasser haben – im Gegenteil. Sie wollen ganz bewusst trocken fallen“, sagt Ojowski. So soll verhindert werden, dass der größte Feind des Moorfroschs heimisch wird – die Fische. „Die werden von Wasservögeln eingetragen und fressen dann den Laich.“ Der Moorfrosch braucht den Teich nur während der Paarungszeit. Dann leuchten die Männchen knallblau und suchen Weibchen. Die Moorfrösche laichen schon im Februar, wenn es warm genug ist. Ehe die Teiche im Sommer leer fallen, hat der Moorfrosch die Familienplanung längst abgeschlossen und aus Quappen wurden Jungfrösche. Die sollen im Kampmoor in den künstlich angelegten Teichen ausgiebig neue Lebensräume finden.

25.000 Euro kostet das Graben der drei Teiche

Der Moorfrosch und die Teiche locken künftig Bussarde, Graureiher und Störche ins Kampmoor. „Außerdem werden sich Gras- und Teichfrosch ansiedeln, Molche und Kröten ebenso.“ Mit dem Aushub der Teiche wird ein etwa 140 Meter langer Knick gebaut. Dort wachsen heimische Kräuter, Gräser und Blüten – ein Fest für Insekten.

Etwa 25.000 Euro kostet die Maßnahme. „Für einen Hektar diese ökologisch aufgewerteten Grünlandes kann sich die EgNo 1000 Punkte auf dem Ökokonto gutschreiben“, sagt Ojowski. Bei neun Hektar macht das also schon 9000 Punkte. Und für jeden Punkt kann die EgNo einen Quadratmeter Fläche im Stadtgebiet bebauen.

Laut Ute Ojowski fällt es Städten und Kommunen zunehmend schwer, überhaupt noch Ausgleichsflächen zu finden. Gerade in den Ballungsräumen gibt es immer weniger geeignete Areale und die Preise für die Flächen sind oft zu hoch.“ Was allerdings vor der Haustür nicht erledigt werden kann, darf auch an anderer, entfernter Stelle nachgeholt werden. Die Stadt Norderstedt pflanzt zum Beispiel auf der Gemarkung Itzstedt an der Norderbeste Bäume.