Norderstedt
Kiel/Schackendorf

Mordprozess: Mobilfunk-Daten belasten Ehemann

Foto: Carsten Rehder / dpa

Auswertung der Handy-Daten ergibt: Der Angeklagte hat sich in der Tatnacht in der Nähe des Fundorts der Leiche aufgehalten.

Kiel/Schackendorf.  Wie kommt der Fingerabdruck eines polnischen Seriendiebs auf den Zaunpfahl, mit dem Volker L. aus Schackendorf im November 2017 seine Ehefrau in der Feldmark erschlagen haben soll? Bisher konnte der Aufenthaltsort des Polen (32) nicht ermittelt werden, seine letzte Spur führt nach Holland. Strafverteidiger Jonas Hennig forderte bei der Fortsetzung des Prozesses erhöhte Anstrengungen zur Aufspürung des mysteriösen Zeugen.

So beantragte der Rechtsanwalt im Kieler Landgericht die Ladung von Ermittlungsbeamten aus den Niederlanden und aus Niedersachsen sowie von Familienmitgliedern des Gesuchten. Der zur Fahndung ausgeschriebene Straftäter soll auf einer Isolier-Öse des Pfahls einen Fingerabdruck und genetisches Spurenmaterial hinterlassen haben.

Im Mittelpunkt des Sitzungstages stand die Verlesung von Daten aus den Mobiltelefonen, die der wegen Mordes angeklagte Volker L. (48) und seine Ehefrau Nadine (34) nutzten. Der Angeklagte hatte ihre Nummer unter dem Stichwort „Herrin“ abgespeichert. Während ihres letzten Nachtdienstes als Krankenschwester in Rickling rief er sie immer wieder an. Laut Zeugenaussagen zur Kontrolle, weil er einen Nebenbuhler befürchtete. Zwischendurch suchte er Kontakt zu Prostituierten aus der Region, die als „Madame Rachel“ oder „Susi“ sexuelle Dienstleistungen anbieten.

Auch das Navi lieferte der Kripo wichtige Hinweise

Auch das Navigationsgerät des Mietwagens, in dem das Paar kurz vor der Tat zum Kurzurlaub in den Harz gefahren war, liefert dem Gericht jetzt zahlreiche Informationen. Die im 15-Sekunden-Takt gespeicherten Navi-Daten dienen der Rekonstruktion eines Zeit-Raum-Rasters für die Aktivitäten der Eheleute. Das Raster des Angeklagten weist allerdings für die Tatnacht bis zu 30-minütige Lücken auf. Laut Kripo könnte er das Navi einfach abgeschaltet haben.

Immer wieder betont der Verteidiger, die dokumentierten Chatinhalte oder das Surfverhalten der Eheleute würden nichts beweisen. Am Ende des Prozesses wird es die Gesamtschau sämtlicher Indizien sein, auf die das Gericht sein Urteil stützt. Dazu gehört auch die Feststellung, dass der Angeklagte in der Tatnacht auf der angeblichen Suche nach der Ehefrau den Fuß vom Gas nahm, als er auf der A 21 den Tatort passierte: Laut Navi drosselte er dort sein Tempo von 83 auf 74 km/h.

Das blutverschmierte Mobiltelefon von Volker L. belegt laut LKA-Gutachten, dass er sich in der Tatnacht um 0.36 Uhr in der Nähe des Leichenfundorts aufhielt. Drei Stunden später dokumentiert das Navi seine Fahrt zu einer Bankfiliale in Bad Segeberg. Dort hielt eine Überwachungskamera fest, wie er am Geldautomaten seine Hände und Finger genau betrachtet.

Aus Sicht der Kripo hat sich Volker L. verdächtig gemacht, in dem er nach dem Mord jede weitere Annäherung an den Tatort vermied. Bis er am Vormittag in Begleitung eines Bekannten die grausam zugerichtete Leiche „fand“ und sie vor dessen Augen berührte, um eine harmlose Erklärung für ihre Blutspuren an seinem Körper zu liefern.

Aus Sicht des Verteidigers bestätigen die Daten nur die Aussagen seines unschuldigen Mandanten. Wegen des ausufernden Prozessstoffs hatte die Schwurgerichtskammer bereits im Dezember den ursprünglich auf acht Verhandlungstage angesetzten Prozess um vier weitere Termine bis Ende Januar verlängert.