Norderstedt
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Streit über Zukunft der Feuerwehr entbrannt

Norderstedts Gemeindewehrführer Fabian Wachtel arbeitet an Zukunftsplänen für die Feuerwehr.

Norderstedts Gemeindewehrführer Fabian Wachtel arbeitet an Zukunftsplänen für die Feuerwehr.

Foto: Wolfgang Klietz

Gemeindewehrführer Fabian Wachtel fordert mehr Einfluss für die ehrenamtlichen – zulasten der hauptamtlichen Retter.

Norderstedt.  Die einen sprechen vornehm von atmosphärischen Störungen. Die anderen von Stunk, der die Führungsrunden der Norderstedter Feuerwehr beschäftigt. Nach Abendblatt-Informationen kommt es immer wieder zu heftigen Differenzen zwischen Gemeindewehrführer Fabian Wachtel und dem Leiter des Amtes für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Joachim Seyferth. Der 34-jährige Wachtel als Chef der ehrenamtlichen Helfer und der 60-jährige Seyferth als Amtsleiter sind sich offenbar nicht einig, wie die Feuerwehr künftig organisiert wird. Die Differenzen sind mehrfach bei Gesprächsrunden mit Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Hauptamtsleiter Hauke Borchardt deutlich geworden.

„Der Neue schmeißt alles um“, sagen die einen und meinen Fabian Wachtel, der 2017 sein Amt antrat und sich vorgenommen hat, die Feuerwehr umzubauen, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. „Er fürchtet um sein Lebenswerk und fühlt sich rausgedrängt“, sagen die anderen über Joachim Seyferth, der in Jahrzehnten als ehemaliger Gemeindewehrführer die Dorfwehren zu einer modernen schlagkräftigen Einheit für eine 80.000-Einwohner-Stadt aufgebaut hat und danach in die Leitung eines eigens geschaffenen Amtes wechselte.

Der Konflikt zwischen den obersten Rettern der Stadt entzündet sich an einem Gutachten aus dem Jahr 2017, in dem Grundzüge der neuen Feuerwehrstruktur erörtert werden und die Zusammenarbeit zwischen dem Ehrenamt und den hauptamtlichen Feuerwehrleuten analysiert wird.

Wenn diese Pläne umgesetzt werden, könnten sie zu Streichungen in Seyferths Amtsbereich zugunsten Wachtels führen. So müsste er möglicherweise die elf Mitarbeiter der hauptamtlichen Wachabteilung der Feuerwehr unterstellen und bliebe nur noch disziplinarisch ihr Chef. Bislang sind Wachtel und seine Vertreter ausschließlich bei einem Einsatz Vorgesetzte der kleinen Berufsfeuerwehr. Die Hauptamtler, deren Zahl langfristig wachsen soll, sind bei der Stadt angestellt und sind an Werktagen tagsüber wie eine kleine Berufsfeuerwehr einsatzbereit, um die 300 ehrenamtlichen Feuerwehrleute zu unterstützen.

Eine weitere Veränderung könnte die Kommunikation der Feuerwehr mit dem Rathaus betreffen. Bislang lief diese über Seyferths Amt, auch wenn sie beispielsweise das Beschaffungsamt oder das Rechnungsprüfungsamt betraf.

Viele Führungskräfte fordern, dass dieser Umweg durch die Verwaltung künftig entfällt und die Feuerwehr direkt ihre Ansprechpartner im Rathaus kontaktieren kann. „Im Moment sind die Wege sehr lang“, heißt es. „Das belastet das Ehrenamt.“

Konkrete Entscheidungen über neue Strukturen sind noch nicht gefallen, doch intern hat Wachtel seit seinem Amtsantritt bereits viele Neuerungen eingeführt und von der Stadt absegnen lassen. Dazu gehört auch sein eigener Posten: Wachtel hat seinen Job als Unternehmer aufgegeben und arbeitet als erster angestellter Gemeindewehrführer der Stadt. Diese Anstellung hatte er zur Bedingung gemacht, als er die Nachfolge des verstorbenen Norbert Berg antrat.

Wachtel zur Seite stehen als Beschäftigte der Stadt der frühere Fried­richsgaber Wehrführer Jürgen Klingenberg, die Sachbearbeiterin Julia Bade und Niels Ole Jaap als einziger Ehrenamtler in der Gemeindewehrführung. Matthias Huhn, selbstständiger Kfz-Meister, hatte im Sommer nach einer Amtszeit von sechs Jahren das Amt des zweiten stellvertretenden Gemeindeführers abgegeben. Es wurde nicht neu besetzt und abgeschafft.

Wachtel hat inzwischen den Ruf, die Feuerwehr weniger nach traditionellen Grundsätzen, sondern wie ein Unternehmer zu führen, der auf Effektivität setzt und dabei auch schon mal den ehrenvollen Abschied eines Kameraden vergisst, der sich 25 Jahre ehrenamtlich engagiert hat.

Aus Gemeindefeuerwehr wird Stadtfeuerwehr

Wachtel nimmt zu Beginn des kommenden Jahres an einer umfangreichen Fortbildung teil und wird für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst ausgebildet – eine Stufe, die Seyferth schon lange erreicht hat.

Unstrittig ist eine Veränderung der Feuerwehr, die per Gesetz notwendig wurde. Norderstedt hat künftig keine Gemeindefeuerwehr mehr, sondern eine Stadtfeuerwehr. Diese Änderung der Bezeichnung hat das Kieler Innenministerium vorgeschrieben.

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder sagte, über die Ergebnisse der Organisationsuntersuchung sei mehrfach ergebnisoffen diskutiert worden. „Es gibt zu verschiedenen Fragen durchaus unterschiedliche Meinungen und Standpunkte, insgesamt aber führen wir konstruktive Gespräche“, sagte Roeder. Ziel sei es, im Sinne der Bürger Optimierungspotenziale zu finden und zu heben und ein bestmögliches Zusammenwirken aller Beteiligten im „Team Feuerwehr“ zu erreichen.

Wachtel und Seyferth durften sich offiziell nicht zum Streit äußern.