Norderstedt
Schackendorf/Kiel

Ehefrau erschlagen? Angeklagter schuldfähig

Der Fall wird vor dem Kieler Landgericht verhandelt.

Der Fall wird vor dem Kieler Landgericht verhandelt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Axel Heimken / picture alliance / dpa

Mordprozess: Psychiatrischer Sachverständiger beschreibt Volker L. als paranoid strukturiert und narzisstisch veranlagt.

Kiel/Schackendorf.  Der wegen Mordes an seiner Ehefrau angeklagte Volker L. (48) ist voll schuldfähig. Dies ist aus juristischer Sicht das Fazit des psychiatrischen Gutachtens, das der Sachverständige Thomas Bachmann am Donnerstag bei der Fortsetzung des Prozesses im Kieler Landgericht erstattete.

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bezeichnete die Persönlichkeit des Angeklagten, der im November 2017 seine trennungswillige Ehefrau (34) bei einem Spaziergang in der Feldmark bei Schackendorf mit einem Zaunpfahl erschlagen haben soll, als durchaus auffällig. Volker L. sei „paranoid strukturiert“, sagte Bachmann. Sein Verhalten weise narzisstische und dissoziale Züge auf. So neige der Angeklagte dazu, „mehr aus sich zu machen als das, was er ist“. Auch sein Hang zur Eifersucht sei „nicht normal“. Doch alle diese Eigenheiten hätten keinen Krankheitswert, der dem Angeklagten im Fall einer Verurteilung eine Strafmilderung einbringen könnte.

Der Gutachter stützte seine knapp zweistündigen Ausführungen auch auf die Beobachtungen zahlreicher Zeugen, die Volker L.s Verhalten und die Beziehung zu seiner Ehefrau ausführlich aus nachbarschaftlicher und kollegialer Sicht beschrieben hatten. Weil Volker L. sich ihm nicht geöffnet habe, sei es leider bei einem einzigen Vier-Augen-Gespräch geblieben, sagte Bachmann. Nur zwei Stunden dauerte die Exploration des in U-Haft sitzenden Beschuldigten.

Der erste Eindruck des Psychiaters: Volker L. stellte seine körperlichen Beschwerden stark in den Vordergrund. Er habe extreme Atemnot gezeigt und von seinem Herzschrittmacher berichtet, der in Wirklichkeit ein Defibrillator sei. Volker L. habe sich zunächst nicht zum Gespräch hinsetzen wollen. „Er betonte, nie in psychiatrischer Behandlung gewesen zu sein.“ Er habe jedoch Panikstörungen und depressive Phasen eingeräumt – etwa nach dem Tod seines Vaters.

Nachbarin berichtete von häufigen Streitereien

Volker L. erwies sich für den Gutachter offenbar als harte Nuss. Er sei misstrauisch und unnahbar gewesen, so Bachmann, habe keine Nachfragen zugelassen und abgeblockt, wenn die Sprache auf persönliche Beziehungen in Familie und Ehe kam. Testpsychologischen Untersuchungen habe er sich verweigert.

Trotzdem kam Bachmann unter Einbeziehung der umfangreichen ärztlichen Dokumentation der 20-jährigen Krankengeschichte mit schwerer Darmerkrankung (Morbus Krohn), fortschreitender Herzschwäche und Schlaganfällen zu dem Ergebnis, Volker L. zeige aus psychiatrischer Sicht „keinen klinischen Befund“.

Bevor der psychiatrische Sachverständige am Donnerstag das Wort hatte, hörte das Gericht eine ehemalige Nachbarin des Ehepaars L.. Wie andere Zeug(inn)en berichtete die Krankenpflegerin von massiven Streitigkeiten. Von einer körperlichen Auseinandersetzung jedoch habe auch sie nichts mitbekommen.

Eine Kollegin (54) der Getöteten bestätigte, Volker L. sei extrem eifersüchtig gewesen. Immer wieder habe er während ihrer Dienstzeit auf der Station angerufen, um zu kontrollieren, was sie macht. Nadine habe dann ihr Handy hochgehalten und „Sagt mal Hallo!“ gerufen. „Damit er weiß, wer da ist.“ Die Frau habe sich „definitiv endgültig von ihm trennen“ wollen, sagte die Zeugin. „Und das wusste er auch. Nadine hat es ihm erzählt.“