Norderstedt
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Der Rettungsdienst KBA steht vor dem Aus

Foto: HA

Nach einem jahrelangen Streit übernimmt zum Jahreswechsel die RKiSH die Aufgaben des Rettungsdienstes in Norderstedt.

Norderstedt.  Am 31. Dezember endet die Geschichte einer Norderstedter Institution. 33 Jahre nach seiner Gründung übergibt der Verein KBA den Rettungsdienst in der Stadt an die Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH), der sich der Kreis Segeberg angeschlossen hat. Alle 45 Retter des KBA werden von der RKiSH übernommen. An der Notfallversorgung der Norderstedter wird sich nichts ändern. „Die Kollegen bekommen neue Jacken, das ist alles“, sagt der KBA-Vorsitzende Ingo Lender. Über die Übergabe der Rettungswagen und des Notarzteinsatzfahrzeugs laufen noch die Verhandlungen.

Auch DRK hat sich zurückgezogen

Der Verein habe sich einvernehmlich mit dem Kreis Segeberg geeinigt, sagte Lender. Noch vor Monaten hatten beide Seiten vor Gericht gestritten, wer in Zukunft bei Herzinfarkten, Verkehrsunfällen und anderen Notfällen den Norderstedtern helfen soll.

Im Kern ging es um die Frage, ob der Kreis den Rettungsdienst in seinen Kommunen ausschreiben muss. Der Kreistag hatte 2016 dem KBA und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) gekündigt und sich dem RKiSH angeschlossen, dem mehrere Kreise in Schleswig-Holstein angehören. Auch der Kreis Segeberg will, so der Kreistagsbeschluss, der Kooperation den Rettungsdienst übertragen.

KBA und DRK waren jahrelang für die Rettung in der Region zuständig – der Verein von Lender in der Stadt Norderstedt, die Rotkreuzler im übrigen Kreisgebiet. Auch das Rote Kreuz hatte gegen die Vergabe ohne Ausschreibung geklagt, sich jedoch vor wenigen Wochen mit dem Kreis geeinigt. Am vergangenen Freitag folgte die Einigung mit dem KBA .

Über seine Motive, klein beizugeben, sagt der Vereinsvorsitzende: „Wie viel Lust hat man denn, irgendwo zu arbeiten, wo man unerwünscht ist?“ Langfristig werde sich möglicherweise auch die Frage nach dem Bestehen des Vereins stellen, sagte er. „Mit dem Rettungsdienst ist die wichtigste Grundlage entfallen.“ Lender bezeichnete die Entscheidungen als emotional sehr schmerzlich.

Unklar ist die Zukunft der Wache an der Ohechaussee, die der KBA langfristig vom Vereinsgründer Michael Vollmer gemietet habe. „Bislang habe ich noch keine Neuigkeiten gehört“, sagt der Henstedt-Ulzburger, der die Hilfsorganisation unter dem Namen Verein für Krankentransporte, Behinderten- und Altenhilfe 1985 ins Leben rief. Er gründete den Verein im Alter von 23 Jahren. Damals wollte er es anders und besser machen als die Hilfsorganisationen, die er kennengelernt hatte. Mit den „verkrusteten Strukturen“ wollte der Student aufräumen. Er kaufte mit einem Kredit von seinem Vater seinen ersten gebrauchten Rettungswagen (RTW). Um das Projekt zu finanzieren, schuftete Vollmer nachts in Krankenhäusern – sogar noch, als er schon die ersten Angestellten beschäftigte. Erst nach langem Rechtsstreit beteiligte der Kreis Segeberg den KBA am Rettungsdienst.

Michael Vollmer gründete KBA vor 33 Jahren

2014 zog Vollmer sich von seinen Ämtern als Vereinsvorsitzender und Geschäftsführer zurück und verkündete eine Kooperation des KBA mit dem internationalen Rettungsdienstkonzern Falck und seinem Hamburger Tochterunternehmen G.A.R.D.

„Ich finde das sehr schade“, sagt Vollmer über das Ende des KBA-Rettungsdienstes, der als sein Lebenswerk gilt. Mental habe er jedoch mit dem Verein abgeschlossen. „Der KBA war eine Institution, das war eine gute Zeit, aber jetzt habe ich nur noch Kontakte dorthin als Vermieter“, sagt Vollmer. Eines steht seiner Ansicht nach fest: „Die Bevölkerung wird künftig genauso sicher sein wie zuvor.“

Nicht betroffen von den Veränderungen ist die Firma KBA. Die GmbH beschäftigt etwa 40 Männer und Frauen im Behinderten- und Krankentransport sowie bei Fahrten für den Blut- und Labortransport.