Norderstedt
Mordprozess

Frau mit Zaunpfahl erschlagen? Zeugin entlastet Angeklagten

Der Tod der 34-jährigen Frau erschütterte die Gemeinde Schackendorf.

Der Tod der 34-jährigen Frau erschütterte die Gemeinde Schackendorf.

Foto: HA

Täuschte Volker L. die Erschütterung über seine tote Frau vor? Nachbar erzählt, wie der Mann die übel zugerichtete Leiche entdeckte.

Kiel/Schackendorf.  Hat der wegen Mordes angeklagte Volker L. (48) im November 2017 das Auffinden der grausam zugerichteten Leiche seiner Ehefrau vor den Augen eines Zeugen bewusst inszeniert? Hat er am Tatort Überraschung vorgetäuscht und so getan, als wolle er den Tod seines „Engelchens“ nicht wahrhaben?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, die 34-Jährige in der Feldmark bei Schackendorf mit einem Zaunpfahl erschlagen zu haben. Volker L. bestreitet den Vorwurf. Die Verteidigung geht von einem unbekannten Täter aus.

Im Mittelpunkt des sechsten Prozesstags stand die Aussage jenes Nachbarn der Eheleute, der den Angeklagten am Vormittag des 2. November zum Tatort am Rand der Autobahn 21 begleitet hatte. Der 77-Jährige berichtete vor dem Kieler Landgericht, Volker L. habe ihn an jenem Morgen drei Mal eindringlich darum gebeten, ihm bei der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau zu helfen.

Die ganze Nacht zuvor war Volker L. nach eigenen Angaben unterwegs gewesen, um zuerst den am Vorabend entlaufenen Familienhund und später seine Frau Nadine zu suchen. „Er fragte mich: Hast du mal eine halbe Stunde Zeit“, sagte der Zeuge. Gerade mal 20 Minuten will er mit dem Angeklagten dessen gewohnte „Gassi-Strecke“ abgefahren sein, als dieser die Leiche am Rand eines Wirtschaftswegs an der Autobahn entdeckte. „Da“ habe der Angeklagte plötzlich gerufen. „Da ist sie!“

"Sie ist tot, das siehst du doch!"

Wie der Nachbar berichtete, warf sich Volker L. mit dem Ausruf „Mein Engelchen“ auf die Getötete und tätschelte ihr Gesicht. Mit den Worten „Sie friert“ habe er die Leiche mit einer Decke verhüllt. „Ich musste ihn anbrüllen“, sagte der Zeuge: „Sie ist tot, das siehst du doch!“ Da sei nichts mehr zu machen, habe er zu Volker L. gesagt. „Nein, sag’ das nicht“, habe der Angeklagte abgewehrt und geweint.

Noch als der Rettungswagen eintraf, bat Volker L. eine Notfallsanitäterin, seiner Frau zu helfen. Der verzweifelt wirkende Angeklagte, der neben dem Pkw am Boden kauerte, habe sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden, sagte die 39 Jahre alte Sanitäterin. „Er war erschüttert, massiv aufgelöst und stark am Weinen.“

Auf dem Rücksitz habe ein etwa dreijähriger Junge gesessen, so die Zeugin. „Er weinte, versteckte sein Gesicht hinter seinen Händen.“ Die Sanitäterin kümmerte sich um das Kind. „Wir haben lange gebraucht, um einen Draht zueinander zu finden.“ Schließlich habe der Junge Körperkontakt gesucht, an ihrem Nasen-Piercing gespielt und so entschlossen daran gezogen, dass sie geblutet habe. Eine Aussage, die den Angeklagten entlasten könnte.

Denn die Staatsanwaltschaft deutet Verletzungen im Gesicht des Angeklagten als mögliche Spuren eines Kampfes mit dem sich wehrenden Opfer. Die Verteidigung betont dagegen, das Kind habe seinen Eltern zur Kontaktaufnahme immer wieder grob ins Gesicht gefasst. Der Prozess wird morgen fortgesetzt.