Norderstedt
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Bau des Freibads Harksheide – vor 60 Jahren beschlossen

Familienspaß im Wasser – so sah es Ende der 60er-Jahre im Harksheider Freibad aus.

Familienspaß im Wasser – so sah es Ende der 60er-Jahre im Harksheider Freibad aus.

Foto: DLRG Norderstedt

Keimzelle des Arriba-Bades kostete 1,1 Millionen Mark, wurde 1963 eingeweiht und immer wieder erweitert. Heimatbund erzählt Geschichte.

Norderstedt.  Das Arriba-Bad ist eines der kommunalen Schwimmbäder mit den meisten Besuchern bundesweit. 764.650 Männer, Frauen und Kinder kamen im vorigen Jahr ins Norderstedter Bad, um sich zu entspannen, etwas zu erleben und Spaß zu haben. Hinzu kommen 176.092 Badefans, die sich im Strandbad im Stadtpark vergnügt haben. Hervorgegangen ist das Arriba-Bad aus dem Freibad Harksheide – vor 60 Jahren fassten die Gemeindevertreter den Beschluss, in Harksheide eine Badeanstalt zu bauen. Wie es dann weiterging, steht im Buch „Wir und Norderstedt – Heimat und Geschichte“, das der Heimatbund auch zum Ende dieses Jahres wieder herausgibt.

Bis zum Baubeginn sollten dann aber noch mehr als drei Jahre vergehen, im Mai 1962 rückten Bagger und Handwerker an, um auf dem Gelände an der Wiesenstraße ein „Sommerbad der Superlative“ aus dem Boden zu stampfen. In einem Jahr entstanden für 1,1 Millionen Mark ein Schwimmbecken, das mit acht 50-Meter-Bahnen internationalen Anforderungen genügte, ein Sprungturm und ein Nichtschwimmerbecken mit einer Fontäneninsel in der Mitte. Rund 2000 Harksheider trotzten dem Regen und kamen am 22. Juni 1963 zur Einweihung. 30 Pfennige kostete der Eintritt für Kinder, Erwachsene zahlten das Doppelte. Jahreskarten gab es für zwölf Mark, Kinder mussten sechs Mark ausgeben.

1972: Freizeitangebot durch Hallenbad ergänzt

1972 folgte der Beschluss, das beliebte Freizeitangebot durch ein Hallenbad zu ergänzen und damit Badespaß auch im Winter zu ermöglichen. Im März 1974 wurden dann Schwimmbecken, Lehrschwimmbecken, Springbecken und Planschbecken eingeweiht. 3,8 Millionen Mark hatte die Stadt investiert, hinzu kamen 1,2 Millionen Euro für die Außenanlagen. Gut vier Jahre später eröffnete Johannes Gartmann die erste Sauna- und Massageparaxis im Bad – der Physiotherapeut war als Masseur der damaligen Fußball-Bundesligisten Eintracht Braunschweig und HSV bekannt.

Doch dann zeigte die Erfolgskurve dramatisch nach unten. 1987 meldete das Freibad erstmals rote Zahlen. Schlechtes Wetter führte dazu, dass nicht einmal die Hälfte der Besucherzahl aus dem Vorjahr erreicht wurde. Mitte 1992 wurde das Bad geschlossen, das jährliche Defizit belief sich auf mehr als zwei Millionen Mark.

Die Stadtwerke übernahmen, sanierten und modernisierten das Bad. Am 17.12.1994 wurde das neue Erlebnisbad mit großem Saunabereich, Strömungskanal und einer 72 Meter langen Rutsche eingeweiht – und dabei ging der damalige Bürgermeister Wilhelm Petri (SPD) baden. Ein CDU-Mann hatte ihn in voller Montur ins Wasser geschubst.

Jährliche Defizit in Millionenhöhe ist geblieben

Als sich 2005 wieder ein Abwärtstrend abzeichnete, wurde das Bad erweitert, Wellenbad, Wildbach und Rutschen kamen hinzu. Die gestiegene Attraktivität lockte 2008 genau 838.426 Besucher ins und ans Wasser, eine Zahl, die nur noch 2013 übertroffen wurde.

Im Jahr der Landesgartenschau 2011 entstand das Arriba-Strandbad im heutigen Stadtpark Norderstedt, 2012 nutzten gleich gut 36.000 Badegäste das neue Angebot.

Doch unterm Dach wurde es wieder eng. Morgens schwammen die Schüler, abends die Vereinssportler, was mit den Frühschwimmern kollidierte und abends mit denen, die den günstigen Mondscheintarif nutzen wollten. Die Stadtwerke als Badbetreiber schlugen vor, ein Lehrschwimmbecken zu bauen. Auch dieser Vorschlag wurde realisiert, das zehn Meter breite Sportbecken mit vier 25-Meter-Bahnen und das Nichtschwimmerbecken wurden 2013 fertig.

Die Attraktivität ist gestiegen, das jährliche Defizit in Millionenhöhe ist geblieben. Experten gehen allerdings davon aus, dass sich kommunale Schwimmbäder nicht kostendeckend betreiben lassen. Die Stadtwerke, allen voran der städtische Kommunikationsanbieter wilhelm.tel, gleichen die Finanzlücke aus. Im nächsten Jahr kann das Arriba-Bad seinen 25. Geburtstag feiern.

Weitere Infos: Kirchenjubiläum, U-Bahnbau und Stadtpark

Der Heimatbund Norderstedt beschreibt in seinem neuen Jahrbuch „Wir und Norderstedt – Heimat und Geschichte“ nicht nur den Werdegang des Freibads Harksheide. Die Autoren blicken auf den 50. Geburtstag der Paul-Gerhardt-Kirche zurück, Ursula Druve hat sich mit der Geschichte der Firma Wulff & Sohn befasst – aus der alten Tischlerei, die vor 106 Jahren ihren Betrieb aufnahm, entwickelte sich das heutige Bestattungsunternehmen. Thematisiert werden auch die Norderstedter Verkehrsgesellschaft mit dem Bau der U-Bahnstrecke von Garstedt nach Norderstedt-Mitte und der aus der Landesgartenschau entstandene Stadtpark. Dazu gibt das Jahrbuch einen Rückblick auf wichtige Ereignisse in diesem Jahr. Das Jahrbuch ist in einer Auflage von 600 Exemplaren erschienen. Es kostet 10,90 Euro und ist in allen Buchhandlungen erhältlich.