Norderstedt
Theater-Kritik

In Norderstedt wurde das Publikum zu Tränen gerührt

Helmut Zierl in der Hauptrolle als Willy Loman, mit Julian Härtling als dessen Sohn Biff.

Helmut Zierl in der Hauptrolle als Willy Loman, mit Julian Härtling als dessen Sohn Biff.

Foto: Heike Linde-Lembke

Die Aufführung von „Tod eines Handlungsreisenden“ wurdevom Publikum begeistert gefeiert. Saal der „TriBühne“ aber nur mäßig besetzt.

Norderstedt.  Er kann auch Bühne. Helmut Zierl, der Schauspieler, der in TV-Spielfilmen oft Mamas braven Buben gibt, kann auch bitterböse bis zum Irrsinn spielen. Das bewies er jetzt in der „TriBühne“ im Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller.

Der Schauspieler aus Meldorf scheint die Inkarnation des kleinen Handlungsreisenden zu sein, des Durchschnittsmenschen, der meint, sich hochzuarbeiten, sich aber in Träumen verliert und letztlich, kaum ist nach 25 Jahren endlich die letzte Rate des Hauses auf dem Land bezahlt, erkennen muss, dass er nicht der Star seiner Firma ist. Sondern ein Nichts, das die Kündigung erhält.

Das spielt Helmut Zierl derart intensiv, dass das Publikum im leider nur mäßig besetzten großen Saal der „TriBühne“ seinem Spiel so gespannt folgte wie dem besten „Tatort“. „Das hat mich tief berührt“, „das ist geradezu beklemmend“, „so ein leidenschaftliches Spiel“, sagten die Zuschauer.

Abschiedsszene bringt Publikum zum Weinen

Intensiv, mit unverfälschter Mimik und Gestik, zeichnet Helmut Zierl den Weg Willy Lomans in den Abgrund nach. Seine Sprachmelodie ist virtuos und fördert die Dramatik. Zierl ist ganz bei seiner Figur.

Ebenfalls intensiv ist das Spiel von Julian Härtner als Lomans Sohn Biff, dem vor allem die Abschiedsszene vom Vater so verzweifelt gelingt, dass er damit das Publikum zu Tränen rührt.

Den Tunichtgut gibt Jean Paul Baeck als Sohn Happy. Die Ehefrau Linda, die zwischen allen vermitteln will und doch kläglich an ihrer eigenen Harmoniesucht scheitert, spielt Patricia Schäfer mitleiderregend authentisch.

Eine Theateraufführung, die bei vielen Zuschauern sicherlich lange nachklingen wird.